Schwerer Rassismus-Vorwurf gegen Busfahrer aus Weimar

Weimar.  Als eine Form von Alltagsrassismus beschreiben die EJBW und die betroffene Projektmitarbeiterin einen Zwischenfall in einem Weimarer Stadtbus.

In einem Weimarer Stadtbus wurde einer Frau die Mitfahrt verweigert, weil sie coronabedingt keine gültige Thoska-Karte vorzeigen konnte.

In einem Weimarer Stadtbus wurde einer Frau die Mitfahrt verweigert, weil sie coronabedingt keine gültige Thoska-Karte vorzeigen konnte.

Foto: Susanne Seide

Nach übereinstimmenden Angaben auch von Stadtwirtschafts-Geschäftsführer Jörn Otto war am 18. Mai folgendes vorgefallen:

Ein Busfahrer verweigerte der Doktorandin der Uni Erfurt die Beförderung, weil sie zur gültigen Immatrikulationsbescheinigung nur eine abgelaufene Thoska-Karte vorzeigte. Diese konnte wegen der coronabedingten Schließung der Uni nicht erneuert werden. Die Frau durfte nach Angaben der EJBW die Fahrt erst fortsetzen, als die hinzugerufene Polizei erläuterte, dass die Kombination coronabedingt für die Beförderung ausreiche.

Statt der erwarteten Entschuldigung habe die Betroffene eine Woche später von Amts wegen ein Schreiben der Polizei Weimar erhalten, in dem ihr Hausfriedensbruch vorgeworfen wurde. „Dieser Vorfall war für mich schrecklich, und ich halte ihn in höchstem Maße für diskriminierend und erniedrigend“, schildert die Betroffene.

„Während des Vorfalls im Bus hörte ich, wie sich andere Fahrgäste beschwerten, dass Ausländer keine Tickets bezahlen wollen und gerne gegen das Gesetz verstoßen. Das war für mich als schwarze Doktorandin traumatisch. Es sind Vorfälle dieser Art, die ein falsches Bild von Einwanderern und Ausländern vermitteln.“

Die Stadtwirtschaft hat sich inzwischen förmlich entschuldigt und das Verfahren wegen Hausfriedensbruchs gestoppt. Abschließend beurteilen kann Jörn Otto den Vorfall aber noch nicht, sagte er am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung. Dazu fehle noch die eingeforderte Stellungnahme des Busfahrers. Angesichts des Dienstunterrichts habe er wissen müssen, wie bei abgelaufenen Thoska-Karten in Verbindung mit einer gültigen Immatrikulationsbescheinigung zu verfahren sei.

Sollte sich der Vorwurf bestätigen, dass es sich um Alltagsrassismus gehandelt habe, werde das Konsequenzen haben, kündigte der Geschäftsführer an.