„Talvolk“ will sein Schicksal in eigene Hände nehmen

Tonndorf  Bürger suchen Ideen für gutes Leben in Tonndorf, Nauendorf, Tiefengruben und Hohenfelden

Die Bürgerinitiative „Talvolk“ und der Heimatbund Thüringen hatten nach Tonndorf zur Ideenwerkstatt in den Saal des Burghofes eingeladen.

Die Bürgerinitiative „Talvolk“ und der Heimatbund Thüringen hatten nach Tonndorf zur Ideenwerkstatt in den Saal des Burghofes eingeladen.

Foto: Kai Eisentraut

Sie nennen sich so, wie es schon jene Menschen taten, die hier im Erfurter Tal im Mittelalter lebten: Talvolk. Bürger aus Tonndorf, Nauendorf, Tiefengruben und Hohenfelden haben sich in diesem Jahr in einer Initiative zusammengefunden, die das gute Zusammenleben in den Dörfern fördern will, ohne dabei einer bestimmten politischen Strömung zu folgen.

Zum Kern des „Talvolkes“ gehören im Moment etwa 15 Leute jeden Alters – von der Hebamme und der Köchin über Banker und Planer bis hin zu Handwerkern. Der Tonndorfer Weberhof und die Lebensgemeinschaft vom Schloss bringen sich ein, der Tiefengrubener Obstbauverein ebenfalls und nicht zuletzt Nauendorfs Bürgermeister Marek Heusinger. Um noch mehr Ideen und Meinungen darüber zu hören, was das Leben in den vier Orten „enkeltauglicher“ machen könnte, hatten die Bürgerinitiative und der Heimatbund Thüringen für vergangenen Sonntag zur Ideenwerkstatt nach Tonndorf eingeladen. Immerhin rund 80 Gäste folgten dem Ruf in den Saal des Burghofes.

Ganz konkrete Fragen beschäftigten die Runde: Wie können der Zusammenhalt in den Orten und die Mitarbeit in den Vereinen gestärkt werden? Wie ist ein würdevolles Altern im Dorf möglich? Und wie lassen sich wieder mehr Arbeitsplätze, Nahversorger, Freizeit- und Bildungsangebote und nicht zuletzt niedergelassene Ärzte in die Region holen?

Dass es für viele dieser Fragen anderswo bereits erfolgreiche Beispiele gibt, machte der Vortrag von Inse Brandes aus Niedersachsen klar. In ihrem Dorf Flegessen betreiben 60 Bewohner einen gemeinsam mit ökologischen Baustoffen errichteten Dorfladen im Ehrenamt.

Solch ein kleines Geschäft auch hier zu eröffnen, sehen Tonndorfer, Nauendorfer, Tiefengrubener und Hohenfeldener ebenso als Perspektive für sich. Denn einen Laden mit Waren des täglichen Bedarfes gibt es inzwischen in keinem der vier Dörfer mehr. Auch eine Dorfschule neu zu beleben, wie sie sich einst unter dem Dach des heutigen Tonndorfer Schullandheimes fand, ist dem Talvolk eine Überlegung wert.

Auch dem Nachwuchs möchte die Bürgerinitiative Handreichungen geben. Tipps, welche althergebrachten Spiele abseits von Bildschirmen heute noch fesseln können, sollen ebenso dazu gehören wie die Möglichkeit, mehr über gesunde Ernährung zu erfahren. Dazu, dass dies nicht allein nach Theorie schmeckt, könnte die kleine Küche beitragen, die in der künftigen Tonndorfer Multifunktionshalle eingerichtet wird. Nicht zuletzt will das Talvolk die umliegende Kulturlandschaft pflegen helfen, Obstbaumwiesen und -alleen anpflanzen und diese bewirtschaften.

Dass es nicht immer vieler Worte bedarf, um ehrgeizige Ziele zu verwirklichen, beweist das erste greifbare Vorhaben der Bürgerinitiative. In den vier Dörfern sollen noch zum Ende dieses Jahres an den Ortsausgängen insgesamt zehn sogenannte Tramper- oder Mitfahr-Bänke aufgestellt werden. Die Absicht dahinter: Wer kein eigenes Auto hat oder es nicht immer nutzen möchte, kann sich mit anderen, die noch Platz im Pkw und die gleiche Fahrstrecke haben, verabreden und auf der jeweiligen Bank auf seine Mitfahr-Gelegenheit warten. Das fördert nicht nur das Kennenlernen der Dorfbewohner. Es verbessert auch die Mobilität in Zeiten eines immer ausgedünnteren öffentlichen Nahverkehrs. Die Anschaffung der Bänke bezuschusst das Innenministerium des Bundes in voller Höhe.

Die Bürgerinitiative „Talvolk“ trifft sich an jedem letzten Donnerstag eines Monats um 18.30 Uhr reihum in den vier Dörfern.