Teilnachlass von Horst Michel nach Weimar geholt

Weimar.  Durch die Weimarer Kunstgesellschaft und mit Unterstützung der Fielmann AG kam jetzt ein Teilnachlass von Horst Michel in das Archiv der Moderne.

Christiane Wolf (Mitte), Leiterin des Archiv der Moderne und des Universitätsarchivs an der Bauhaus-Uni, präsentiert Gregor Seiffert, Vorsitzender Weimarer Kunstgesellschaft, und Caroline Schramm, Filialleiterin Fielmann AG Weimar, den Teilnachlass von Horst Michel.

Christiane Wolf (Mitte), Leiterin des Archiv der Moderne und des Universitätsarchivs an der Bauhaus-Uni, präsentiert Gregor Seiffert, Vorsitzender Weimarer Kunstgesellschaft, und Caroline Schramm, Filialleiterin Fielmann AG Weimar, den Teilnachlass von Horst Michel.

Foto: Christiane Weber

Einen wichtigen Teilnachlass von Horst Michel (1904-1989) konnte das Archiv der Moderne an der Bauhaus-Universität jetzt auf Vermittlung der Weimarer Kunstgesellschaft und mit finanzieller Unterstützung der Fielmann AG übernehmen. „Dieser ergänzt die vorhandene Sammlung des Instituts für Innengestaltung“, freut sich Archiv-Leiterin Christiane Wolf.

Horst Michel, von 1946 bis 1970 Professor für industrielle Formgebung und Innengestaltung an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar, war einer der zentralen Gestalter in der DDR und beeinflusste die Produktgestaltung wesentlich. Während sein Design und seine Gestaltungsmaximen hinlänglich bekannt sind, blieb der Mensch Horst Michel dagegen bislang weitgehend im Dunkeln. Diese Lücke kann nun geschlossen werden, dankt Christiane Wolf dem Vorsitzenden der Kunstgesellschaft, Gregor Seiffert, und Caroline Schramm, Filialleiterin Fielmann in Weimar.

Hochkarätiges Gestalterteam am Institut für Innengestaltung

„Menschen zur Kunst zu bringen“, ist zentrales Anliegen der Kunstgesellschaft, erläutert Vorsitzender Gregor Seiffert. Und bringt zudem durch wertvolle Ankäufe Kunst zu den Menschen. Dabei wird sie ganz wesentlich von der Fielmann AG unterstützt, mit deren Hilfe in diesem Jahr bereits die Donndorf-Büste für das Museum für Ur- und Frühgeschichte und Briefe von Theodor Hagen für das Goethe- und Schiller-Archiv erworben werden konnten.

Wie Christiane Wolf informiert, fehlte bisher eine Forschung zur Person Horst Michel und seines Wirkens als industrieller Formgestalter, der an der Hochschule in Weimar ein hochkarätiges Gestalterteam am Institut für Innengestaltung zusammenbrachte. Von zentraler Bedeutung seien die persönlichen Dokumente und Briefe aus der Zeit um 1930 bis in die 1980er-Jahre. In den zahlreichen Briefen an seine Mutter beschreibt Horst Michel nach Angaben von Christiane Wolf zum Beispiel seine Messeaufenthalte.

Reger Austausch mit dem „westlichen Ausland“

Die Korrespondenz seiner Frau Ilse dokumentiere zudem den regen Austausch mit dem „westlichen Ausland“. Der Teilnachlass beinhaltet zudem rund 1000 Fotos zu Objekten, Ausstellungen, Arbeitssituationen und Fotos aus dem privatem Umfeld, zu dem bisher kaum etwas bekannt ist. Darunter befinden sich auch handkolorierte Studiofotos von Designikonen der DDR.

Mit dem erworbenen Teilnachlass könne außerdem eine weitere Lücke geschlossen werden: die Zeit seines Studiums (1926 bis 1929 an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin Charlottenburg) und der Beginn seiner Tätigkeit als freischaffender Designer mit einem Atelier in Bad Berka 1945. Aus diesen beiden Zeitphasen sind mit dem Teilnachlass Zeichnungen, Aquarelle und Entwürfe zurück nach Weimar gekommen.

Wanderausstellung „Deutsches Design 1949-1989. Zwei Länder, eine Geschichte“

Seit Oktober 1945 war Horst Michel am Aufbau der Weimarer Hochschule beteiligt. Mit Gründung des Instituts für Innenraumgestaltung 1951 etablierte Michel in Weimar die Gestalterausbildung an einer auf das Bauen ausgerichteten Hochschule. 2021 wird Horst Michel, so Christiane Wolf, ein kleines Revival erhalten: Designobjekte von Michels werden in der Wanderausstellung „Deutsches Design 1949-1989. Zwei Länder, eine Geschichte“ vom Vitra Design Museum und in einer Ausstellung der nationalen Kunstgalerie Zachęta in Warschau gezeigt,