Warum die Kunstausstellung in Weiden zu einer Expedition wird

Weiden  In neuer Regie des örtlichen Vereins zur Erhaltung der Kirche und des Kirchberges hat die „Expedition Weiden 2019“ begonnen

Innerhalb der „Expedition Weiden 2019“ zeigen Erwin und Lisa Hofstetter aus Bad Berka ihre „Malerei x 2“.

Innerhalb der „Expedition Weiden 2019“ zeigen Erwin und Lisa Hofstetter aus Bad Berka ihre „Malerei x 2“.

Foto: Jens Lehnert

Die Reise hat begonnen. Mit einem Gottesdienst und der Eröffnung der Kunstausstellung „Malerei x 2“ in der Kirche St. Cyriakus nahm am Samstagabend die „Expedition Weiden 2019“ Fahrt auf. Sie setzt das „Kunstprojekt Kirchberg Weiden“ fort, das hier 16 Jahre lang unter Leitung der Frankfurter Aktionskünstlerin Sabine Lauer stattfand.

Am Steuer der „M.S. Weiden“, die einerseits auf dem Kirchberg des Dörfchens die Kulisse fürs kommende Festspiel bietet und andererseits Symbol für den Neuaufbruch ist, steht erstmals der örtliche Verein zur Erhaltung der Kirche und des Kirchberges Weiden. Über Jahre hat er sich bereits um den Erhalt des Gotteshauses mit seinem einzigartigen Umfeld gekümmert und war Gastgeber des Festivals. Nach dem Abschied der Intendantin übernahm er nun auch die Verantwortung fürs Programm.

„In diese Rolle sind wir eher hineingestolpert. Aber die Entscheidung, sie anzunehmen, fiel uns leicht, weil es in unserem Dorf erstaunliche Ressourcen gibt – unter den Alteingesessenen genauso wie unter uns, die wir im Laufe der Jahre hierher kamen“, sagte Konstantin König. Der Wahl-Weidener stammt aus Jena. Vor fünf Jahren zog er mit seiner Familie in Buttelstedts Ortsteil. Nach seinem Traumhaus im Dorf habe er aber schon 20 Jahre Ausschau gehalten.

So wie er machten es mehrere seiner einstigen Klassenkameraden und Freunde. Sie schwärmten einander von Weiden vor. Und schnell war der Nächste überzeugt, dort ebenfalls seinen Sehnsuchtsort zu finden. Inzwischen kenne sich das halbe Dorf aus einer Zeit vor Weiden.

Diese Verbandelung im Ort und in der Region spiegelt sich im Programm der Expedition wieder. Konstantin Königs Frau Simone gibt am Dienstag einen Heilkräuter-Workshop. Sohn Jan schrieb mit seiner Kommilitonin Anne-Sophie Dautz das Theaterstück fürs diesjährige Festspiel, das am Samstag von Weidenern und deren Freundeskreis aufgeführt wird. Der bekannte Wortakrobat Levin Simmet, ebenfalls Weidener, hat für Donnerstag einen Poetry Slam organisiert. Der befreundete Tätowierer Thomas Wießer aus Weimar hat für nächsten Sonntag mit sechs seiner Kollegen unter anderem aus Leipzig und Jena zur Tattoo-Convention nach Weiden geladen und und und...

So viel Potenzial, das thematisch weit über das Spektrum des früheren Kunstprojektes hinaus reicht, ist schwer unter einen Hut zu bekommen. Um erst einmal ein breites Angebot ans Publikum zu machen und dabei zu schauen, was sich für die nächsten Jahre bewährt und was auf der „M.S. Weiden“ womöglich wieder über Bord geht, hat der Verein eine ganze Festivalwoche mit täglichem Programm auf die Beine gestellt. „Wir wussten nicht genau, wo die Reise hingehen soll. Deshalb wollen wir uns mit Vielem ausprobieren“, so König. Probieren kann auch das Publikum. Alle Veranstaltungen laden bei freiem Eintritt ein.

Dass der traditionellen Kunstausstellung, die auch in der „Expedition“ Bestand hat, Lisa und Erwin Hofstetter ihre Malerei beisteuerten, ist ebenfalls einer Verbandelung zu danken. Zwar war das Künstler-Ehepaar, das in Bad Berka seine Wahl-Heimat gefunden hat, bereits bei früheren Auflagen des Weidener Kunstprojektes zu Gast. Den konkreten Ausschlag dafür, nun selbst hier auszustellen, gab indes eine verwandtschaftliche Beziehung: Konstantin König musste Lisa Hofstetter nicht lang bitten. Warum sollte eine Mutter ihrem Sohn diesen Wunsch auch abschlagen. „Malerei x 2“ ist bis zum kommenden Sonntag täglich von 16 bis 18 Uhr in Weidens Kirche zu sehen.

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