Weimar erinnert mit Platz an Stéphane Hessel

Weimar  Weimar hat das Zentrum im neuen Quartier der Moderne an die Öffentlichkeit übergeben. Christiane Hessel: Erinnerung an ihn verewigt

„Was wird von uns Buchenwald-Überlebenden bleiben?“, hatte Stéphane Hessel (1917 – 2013) einst gefragt. Weimar hat darauf am Freitag eine überfällige Antwort gegeben und den neuen Platz vor dem Bauhaus-Museum als Stéphane-Hessel-Platz der Öffentlichkeit übergeben. Der Diplomat und überzeugte Europäer ist somit Namenspatron für das Zentrum im Quartier der Moderne – mit dem Gauforum der Nazis, dem Bauhaus-Museum als Zeichen für den Aufbruch sowie unter anderem dem Haus der Weimarer Republik, das für Deutschlands erste Demokratie steht.

Für Stéphane Hessel war der europäische Gedanke in Buchenwald entstanden, erinnerte die französische Honoralkonsulin Bärbel Grönegres. Als sie ihn 2011 kennenlernte, habe niemand an das heutige Erstarken der Rechtspopulisten glauben können. „Sie bräuchten die Brandrede von Hessel“, spielte sie auf dessen Streitschrift „Empört euch!“ an. Darin fordert er zu gewaltloser Revolte und zivilem Ungehorsam auf, statt gegenüber den politischen Verhältnissen gleichgültig zu sein.

In einer Videobotschaft auf Französisch, von der nur der Ton übertragen werden konnte, sagte seine Witwe Christiane Hessel: „Seine Kinder und ich sind tief berührt. Wir fühlen uns sehr geehrt. Es hätte ihn sehr stolz und glücklich gemacht.“ Sie erinnerte daran, dass Weimar Stéphane Hessel – trotz der „tragischen Momente“ – wegen der Kultur und der Weimarer Republik sehr am Herzen gelegen habe. Es sei wichtig, in Zeiten wie diesen an die Werte zu erinnern, für die er einstand: Frieden, Versöhnung und Menschenrechte in einem vereinten und demokratischen Europa. Für all dies stehe jetzt der Name Stéphane-Hessel-Platz, so Christiane Hessel. „Ich danke Ihnen, dass Sie auf diese Weise Stéphanes Vermächtnis und die Erinnerung an ihn verewigt haben.“

Auf Anregung von Wolfgang Knappe, Präsident der Maria-Pawlowna-Gesellschaft, hatte der Stadtrat 2017 die Namensgebung für den Stéphane-Hessel-Platz beschlossen. Zeitgleich fiel die Entscheidung, den einstigen Weimarplatz in Jorge-Semprún-Platz umzubenennen sowie zwei anliegenden Straßen die Namen von Harry Graf Kessler und Oskar Schlemmer zu geben. Somit ist das Gauforum symbolisch von vier Persönlichkeiten besetzt, die sich gegen die Nationalsozialisten gestellt und von ihnen verfemt, verfolgt oder interniert worden waren.

Das Umfeld des Bauhausmuseums in Zahlen

Mit der Einweihung des Stéphane-Hessel-Platzes sind die Arbeiten am Umfeld des Bauhausmuseums beendet. Die Kosten werden mit 11,9 Millionen Euro angegeben. Davon kommen 5,9 Millionen aus Fördermitteln, der Kostenbeteiligung der Stiftung und der Versorgungsträger.

Gepflanzt wurden zumeist als Starkbäume: 6 Bergahorne, 3 Spitzahorne, 10 Rotahorne, 1 Schwarzerle, 10 Weißeschen, 9 Scharlacheichen, 16 Japanische Schnurbäume, 1 Amerikanische Hainbuche, 9 Winterlinden, 1 Waldkiefer.

Für die Ansaat auf 3030 m² Blumenwiese wurde die Erfurter Mischung „Tanz der Gräser“ gewählt. Die Schattensaummischung „Silbersommer“ wurde auf 1040 m² gesät.

Oberflächen: Farbasphalt wurde auf 3840 m² aufgebracht, Natursteinplatten aus Dolomit auf 820 m², Granit-Mosaikpflaster 750 m². Auf kleineren Flächen liegen Betonsteinpflaster, Granit-Großpflaster und Rasengittersteine.

Ausgestattet ist das Umfeld mit 32 Fahrradbügeln, 6 Mülleimern, 23 Pollern, 13 Baumquartieren mit Rahmen, 10 Säulenleuchten (4 bis 10 m Höhe) und 8 Mastleuchten (4 m mit Strahlern).

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