Weimar öffnet die Stadt und nicht die Biergärten

Weimar.  Viel Zuspruch und überregionales Interesse für Thüringens erste Open-Air-Gastronomie auf Abstand

Der möblierte Herderplatz macht bereits Lust darauf, auch später so belebt zu werden.

Der möblierte Herderplatz macht bereits Lust darauf, auch später so belebt zu werden.

Foto: Michael Baar

Seit Mittwoch herrscht auf den großen Plätzen in Weimars Innenstadt mehr Leben als in den vergangenen sechs Wochen. Die Stadt Weimar hat es den gebeutelten Gastronomen auf vorbesprochenen Plätzen gestattet, Tische und Stühle aufzustellen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Dort können sich Passanten niederlassen und Speisen und Getränke zu sich nehmen, die sie zuvor im Außer-Haus-Verkauf oder an Imbissständen erworben haben.

Schon am Vormittag wurde die entspannte Atmosphäre auf dem Herderplatz besonders augenfällig. Hier genossen die Passanten in der Frühlingssonne, was sie sich in der Konditorei Rose, in der Kaffeerösterei oder bei den anderen gastgewerblichen Anliegern geholt hatten. James Catering und die Weinbar bauten zudem Verkaufswagen auf. „So könnte es auch nach Corona hier sein“, findet Sabine Zotzmann aus der Kaffeerösterei. „Dann wirkt der Platz nicht mehr so kahl.“

Eine ganze Handvoll überregionaler Kamerateams belagerte zunächst den Platz und später den Oberbürgermeister, um sich Motivation und Ansatz der Weimarer Open-Air-Gastronomie erläutern zu lassen. Bei Christian Schwartze, dem Amtsleiter für Wirtschaftsförderung, liefen derweil die Drähte heiß. Immer mehr Wirte wollen die Möglichkeiten mitnutzen.

„Es ist keine Wiedereröffnung der Biergärten“, betont Schwartze ausdrücklich. „Wir halten uns strikt an die Verordnung des Landes.“ Und die erlaubt Gastronomiebetrieben vorerst nur den Außer-Haus-Verkauf. Es gibt auf den möblierten Gastro-Plätzen keine Bedienung und auch kein Mein und Dein. Die anliegenden Wirte und Imbissbetreiber müssen sich die Verantwortung für das Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln teilen. Schwartze reagierte damit auch auf die teils euphorische Fehlinterpretation in überregionalen Medien.

So können Tische und Stühle zwar ohne Gebühr an abgesprochenen Plätzen aufgestellt werden, aber eben nur auf Antrag und von ortsansässigen Betrieben und Filialen. Sie dürfen erst in zehn Metern Abstand vom Verkaufsort beginnen und müssen 1,50 Meter Abstand zwischen den Gästen einhalten. An jedem Tisch sollten möglichst nur zwei Personen sitzen. Gruppen an einem Tisch sind verboten. Der tägliche Betrieb endet 20 Uhr.

Der Weimarer Innenstadtverein als Initiator und entscheidender Partner der Stadt bei der Vorbereitung verstärkte am Mittwoch noch einmal die Informationsgebung. Silvia Kämpfer von der Veranstaltungsagentur „allesgute“ und Christiane Werth (Artographiewerkstatt) haben für den Verein Infoflyer für jeden Tisch und Plakate für jeden Platz mit den geltenden Regeln vorbereitet, auf dass nicht nur die Wirte, sondern auch die Gäste wissen, was ihre Verantwortung sein sollte.

Am Nachmittag füllten sich zur Feierabendzeit die Stühle und Tische sichtbar. Das bescherte dann auch dem Ordnungsdienst noch einmal etwas Redebedarf.