Weimar sucht mit Bundeshilfe nach dem Treibstoff der Zukunft

Weimar  Die Stadt wurde als eine von deutschlandweit neun Regionen in Förderprogramm zum Einsatz von Wasserstoff aufgenommen

Die Stadt Weimar will den Einsatz von Wasserstoff ausloten.

Die Stadt Weimar will den Einsatz von Wasserstoff ausloten.

Foto: Archiv

Die Stadt Weimar ist ein „HyStarter“. Diesen Titel mitsamt einer zweijährigen Förderung erhielt sie jetzt als eine von bundesweit neun Regionen, die die Möglichkeiten des Einsatzes von Wasserstoff als Kraftstoff ausloten wollen.

Aus Wasserstoff Energie zu gewinnen, ist keine Neuerfindung, um fossile Brennstoffe und damit den Ausstoß von Kohlendioxid zu sparen. Das leichteste aller chemischen Elemente ist seit Milliarden von Jahren als bewährtester Energieträger im Einsatz. Jegliche Sonnenstrahlung und die der meisten anderen Sterne resultiert aus der Kernfusion von Wasserstoff.

Beim Einsatz in irdischen Gefilden ergeben sich jedoch Probleme: Hier wirkt nicht der erforderliche Druck auf die Teilchen, um sie im nutzbaren Stil verschmelzen zu lassen. Außerdem existieren auf der Erde keine natürlichen Vorkommen von freiem Wasserstoff. Er tritt ausschließlich in gebundener Form auf – etwa in Methan oder in Wasser.

Dennoch gilt der Wasserstoff in Verbindung mit Brennstoffzellen als Alternative, um in Zukunft mobil zu bleiben. Schließlich verbrennt Wasserstoff zu nichts anderem als Wasser. Auf Beschluss des Stadtrates bewarb sich Weimar denn auch beim Bund darum, Teil des Konzepts „HyLand“ (Hy steht für Hydrogen, also Wasserstoff) zu werden. 137 weitere Regionen in Deutschland taten das ebenfalls. Die Kulturstadt gehört nun zum kleinen Kreis, der aus dem „Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ gefördert wird.

Das ermöglicht es der Stadt, binnen zwei Jahren für das Thema zu sensibilisieren, Mitstreiter aus Politik, kommunalen Betrieben, Industrie, Gewerbe, Wissenschaft und Gesellschaft zu gewinnen und erste Ideen zur Nutzung von Wasserstoff zu entwickeln. Dafür, diese umzusetzen, gibt es später mit „HyExperts“ und „HyPerformer“ weitere Konzept-Stufen.

Erste Partner hat sich die Stadt bereits ins Boot geholt, neben den Stadtwerken und der Stadtwirtschaft etwa Mark Jentsch von der Bauhaus-Uni, der am Institut für zukunftsweisende Infrastruktursysteme zu städtischen Energiesystemen forscht. Nicht zuletzt trat die Stadt über ihre Tochter Stadtwirtschaft dem Förderverein des Instituts für Angewandte Wasserstoffforschung in Sonneberg bei.

Insbesondere als Treibstoff für die Stadtbusflotte und für Müllfahrzeuge könnte Wasserstoff eine Rolle spielen, ebenso als Beimischung zu Heizgas und als Speicher erneuerbarer Energie. Die Anwendung ergebe aber nur Sinn, wenn es gelingt, Wasserstoff umweltverträglich herzustellen, betont Tobias Keppler, Beauftragter der Stadt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

Die Industrie stellt Wasserstoff vor allem aus Methan her. Dabei wird auch Kohlendioxid frei. Ohne Treibhausgas kommt das Verfahren der Elektrolyse aus. Allerdings benötigt diese beträchtliche Mengen an Strom, um Wasser zu Wasserstoff und Sauerstoff werden zu lassen.

Keppler setzt etwa auf Strom aus Windkraft: „In Zeiten, in denen viel Strom erzeugt, aber nur wenig verbraucht wird, müssen Windräder oft abgeschaltet werden, um das Netz nicht zu überlasten. In Zukunft könnte man den überschüssigen Strom zur Elektrolyse nutzen.“ Das erfordere die Zusammenarbeit mit Weimars Nachbarkommunen. Denn auf Stadtgebiet befinden sich keine Windkraftanlagen.

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