Grabplatte im Abfall entdeckt

Weimarer Ehepaar sucht würdigen Platz für Grabplatte

Weimar.  Die Schriftstellerin Juliane Karwath (1877-1931) ist heute kaum mehr bekannt. Ihr Nachlass befindet sich heute im Goethe- und Schiller-Archiv.

Die Weimarerin Astrid Schenk, geborene Karwath, mit der Grabplatte der Schriftstellerin Juliane Karwath.

Die Weimarerin Astrid Schenk, geborene Karwath, mit der Grabplatte der Schriftstellerin Juliane Karwath.

Foto: Christiane Weber

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. Ihr Lebensroman „Die Droste“ über Annette von Droste-Hülshoff ist als Nachdruck des 1929 erschienenen Originals wieder erhältlich. Doch Leben und Werk der Schriftstellerin Juliane Karwath (1877-1931) sind heute weitgehend vergessen. Dass ihr Nachlass im Goethe- und Schiller-Archiv verwahrt wird, dürften nur Eingeweihte wissen. Ihre letzten Lebensjahr verbrachte die zeitlebens unverheiratet gebliebene Literatin in Oberweimar. Bestattet wurde sie auf dem Hauptfriedhof in Weimar am oberen Ende der Birkenallee. Mehr genannt als wirklich bekannt war Juliane Karwath auch nach Erscheinen ihrer zwölf Bücher, zahlreicher Erzählungen und Novellen. Ihr Ruhm als Schriftstellerin verblasste rasch. Ihr Grab existiert nicht mehr.

Noch existent aber ist die Grabtafel. Und das wiederum ist einem Zufall zu danken, wie die Weimarerin Astrid Schenk, geborene Karwath, berichtet. Die Familien Lange und Karwath lebten seit den 1920er Jahren in Weimar. Astrid Schenks Vater Hellmuth Karwath (1902-1943) nahm 1931 brieflich Kontakt mit Namensvetterin Juliane Karwath auf, um etwaige verwandtschaftliche Verhältnisse zu ergründen. Denn der Name Karwath taucht in Deutschland nicht eben häufig auf. Im Februar, März und April 1931 erhielt er drei Antwortbriefe. Ihrer Meinung nach kam der Name „Karwath aus dem alten Österreich oder Ungarn oder Böhmen“. Das jedenfalls schreibt sie an ihren Namensvetter. Gemeinsame Verwandte fanden sich jedoch keine.

Juliane Karwath gratuliert zur Verlobung

In einem Kurzbrief vom Juli 1931 gratulierte sie Hellmuth Karwath noch zu seiner Verlobung. Juliane Karwath bedauerte, dass sie sich bisher „verfehlt“ haben und berichtete von ihrem „noch immer nicht guten“ Gesundheitszustand. Sie erholte sich nicht wieder. Juliane Karwath starb im Dezember 1931 im Alter von 54 Jahren. Auf Initiative von Hauseigentümerin Else Gernhardt brachte die Schillerstiftung Ende der 50er Jahre an Juliane Karwaths letzter Lebensstation an der Bahnhofstraße 30 in Oberweimar eine Gedenktafel an.

Im Jahr 1939 fand das Familienmitglied Paul Lange seine Begräbnisstelle zufällig ebenfalls an der Birkenallee. Die Familie mit den Töchtern Charlotte Karwath und Käthe Lange besuchte diese Grabstelle oft und entdeckte dabei das wenige Meter entfernte Grab von Juliane Karwath. Mit dem Grab immer verbunden fühlte sich Käthe Lange und besuchte oft diese Stelle, bis sie Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre erschreckt feststellen musste, dass das Grab verschwunden war.

Die schlichte Grabplatte aus Travertin aber entdeckte Käthe Lange ganz in der Nähe auf einem Abfallhaufen. Zunächst stellte sie diese als Andenken an die Schriftstellerin an den Rand des Familiengrabes gleichen Namens. Später wurde sie in Sicherheit gebracht. Die vier Briefe der Schriftstellerin Juliane Karwath haben sich in Familienbesitz erhalten. Und die Grabplatte. Jetzt sucht das Ehepaar Peter und Astrid Schenk, geb. Karwath, einen würdigen Platz für die Travertintafel vorzugsweise in einem musealen Rahmen und zusammen mit den Briefen, welche Hellmuth Karwath mit der Schriftstellerin Juliane Karwath wechselte.

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