Weimarer Gemälderestauratorin hofft auf Zufallsfund in Nachlässen

Weimar  Anne Levin von der Klassik-Stiftung sucht Malmittel „Feigenmilch (künstlich)“. Forschungsprojekt mit der HfBK Dresden

Gemälderestauratorin Anne Levin hofft auf eine Probe Feigenmilch (künstlich).

Gemälderestauratorin Anne Levin hofft auf eine Probe Feigenmilch (künstlich).

Foto: Christiane Weber

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Als Restauratorin nimmt sie nicht nur alte Gemälde in Kur. Mitunter muss Anne Levin, Restauratorin bei der Klassik-Stiftung Weimar, auch Detektiv spielen. Dabei half ihr kürzlich Kommissar Zufall. Aus einem Nachlass erhielt sie nicht nur einen alten Malkasten samt Farben, darunter auch sogenannte Weimarfarben. Ein weiterer Spender fand bei Aufräumarbeiten zwei kleine Kartons mit Weimarfarben und ein – allerdings leeres – Fläschchen künstlicher „Feigenmilch“.

Jetzt hoffen Anne Levin und ihre Projektkolleginnen, dass sich in Weimar noch irgendwo diese künstliche Feigenmilch anfindet. Sie wären dankbar, selbst wenn es nur wenige Milliliter sein sollten. Sie möchten dieses Malmittel analysieren lassen, um es mit historischen Rezepten abgleichen und daraufhin an originalen Gemälden nachweisen zu können. Außerdem sollen Farben und Malmittel rekonstruiert werden, um die Eigenschaften der Farben aus heutiger Sicht zu beleuchten. In Zusammenarbeit mit der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden startet jetzt ein entsprechendes Forschungsprojekt. Dabei solle nach Angaben von Anne Levin untersucht werden, welche Auswirkungen diese Farben beziehungsweise auch deren Zutat „Feigenmilch (künstlich)“ auf die Bilder aus heutiger Sicht haben. Die Eigenschaften im Malprozess wurden nach Angaben von Anne Levin von den Professoren der Großherzoglichen Kunstschule geprüft und von zeitgenössischen Künstlern bewertet. Jetzt solle auch das Alterungsverhalten der Farben untersucht werden.

Denn wer Gemälde restauriert, möchte genau wissen, aus welchen Bestandteilen dieses Malmittel einst gemischt wurde, um etwaige chemische Reaktionen abschätzen und etwaige Schadensursachen erkennen und behandeln zu können. Wie Anne Levin informiert, wurde die sogenannte Weimarfarbe 1906 von Felix Hasse an der Großherzoglichen Kunstschule in Weimar entwickelt und ab 1907 auch vertrieben. Eine Besonderheit dieser Farbe sei das Malmittel „Feigenmilch (künstlich)“, das dieser Farbe zugesetzt werden konnte, um sie wasservermalbar zu machen. Außerdem sollte es die Eigenschaften der Farbe verbessern. Wie Max Thedy haben zahlreiche weitere Künstler diese Farben einst verwendet. Auch von Lyonel Feininger gibt es einen Beleg, dass er mit Weimarfarbe gemalt hat.

Die Gemälderestauratorin hofft nun, dass sich in Privatbesitz irgendwo ein Fläschchen Feigenmilch erhalten hat und ihr ein Pröbchen davon zur Verfügung gestellt werden kann.

Hinweise an Anne Levin, Gemälderestauratorin der Klassik-Stiftung Weimar, Tel. 03643 / 54 56 73 oder per Mail an anne.levin@klassik-stiftung.de

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