Weimarer ist ein erfolgreicher Kinderbuch-Illustrator

Der Weimarer Alexander von Knorre ist ein erfolgreicher Kinderbuch-Illustrator. Vor seinem Studium an der Bauhaus-Uni absolvierte er seinen Zivildienst in Rumänien. Die Erlebnisse in einem Dorf in Siebenbürgen hat er aufgemalt, der Comic wurde seine prämierte Diplomarbeit. Jetzt ist das Werk bei einem Verlag erschienen

Der Illustrator Alexander von Knorre (30) in seinem Atelier in der Weimarer "Kreativ-Etage". Foto: Christian Werner

Der Illustrator Alexander von Knorre (30) in seinem Atelier in der Weimarer "Kreativ-Etage". Foto: Christian Werner

Foto: zgt

Jeder Mensch hat eine individuelle Handschrift. Alexander von Knorre hat sogar eine eigene Schriftart. "Knorrehand" heißt der Fond, entwickelt von einem Studienfreund. Der Schriftsatz kam bisher nur einmal zum Einsatz: in den Sprechblasen seiner Abschlussarbeit an der Bauhaus-Universität Weimar.

Von Knorre hat Visuelle Kommunikation studiert. Vor drei Jahren machte er Sein Diplom zeichnete es. Ein buchfüllendes Comic, der Titel: "Hinter den sieben Burgen".

Märchen werden darin nicht erzählt. Aber Geschichten aus einem Landstrich, den es so nicht mehr gibt.

Für das Werk bekam von Knorre von seinen Professoren die Bestnote. Dann verschwanden die Zeichenblätter in der Schublade. Bis er sie einer Verlegerin zeigte. Im Frühjahr ging die Arbeit in Druck.

Von Knorre (30) sitzt in seiner Künstler-Kammer in Weimar. Neun Quadratmeter reichen ihm und seiner Kunst. Den Lichttisch zum Abpausen hat er sich selbst gebaut, aus einem alten Monitor für Röntgenbilder.

Zwei Schreibtische hat er in das Zimmerchen gezwängt, auf dem einen steht ein Scanner und ein Rechner; auf dem anderen ein altes Zeichenbrett, dahinter ein Fenster-zum-Hof-Blick.

Der Magdeburger kam zum Studieren nach Weimar, danach habe es keinen Grund gegeben wegzuziehen, sagt er. Wohnungen waren noch nicht knapp, die Stadt hält Künstler mit der kostengünstigen Unterkunft bei der Stange. Er hat eine Familie gegründet, seine Frau ist Keramikgestalterin. Seine Tochter ist fünf.

Seit drei Jahren arbeitet von Knorre als freischaffender Illustrator, vor allem für Kinderbücher. Im Regal stehen neben dem dicken Zille seine eigenen Werke. Zwölf sind es, darunter die erfolgreichen Kinderbuchreihen "Tomma" und "Paul - plötzlich Vampir!". Und noch druckfrisch: "Hinter den sieben Burgen".

Siebenbürgen - eine unbekannte Welt

Auf 168 Seiten erzählt von Knorre Geschichten, die genau eine Dekade zurück liegen. Ab Sommer 2002 absolvierte er seinen Zivildienst als Freiwilligenjahr in Siebenbürgen. Er sagt, von der Welt, die ihn erwartete, habe er keine Ahnung gehabt.

Bereits als Schüler ging er ins Ausland und verbrachte ein Austauschjahr an einer Highschool im Süden der USA. In Orlando, im Sonnenscheinstaat Florida. Es war toll, im Ausland zu sein, sagt er. Aber die weiten Wege, die Konsumfixiertheit. "Ich wusste: Das war es nicht."

Nach dem Abitur dann der Zivildienst. Von Knorre wollte wieder ins Ausland, sein Wunschziel dieses Mal: "Irgendwo im Osten".

"Ich dachte, ich könnte etwas für die Völkerverständigung tun, als ‚nur' in einem Altenheim in Deutschland zu arbeiten." Er wurde genommen. Seine Dienststelle: Ein Waisenhaus tief im Herzen Rumäniens.

Das Jahr in dem Dorf war eine prägende Zeit für den Illustrator. Die Erinnerungen hat er für seinen Studienabschluss erst Jahre später zu Papier gebracht. Und doch wirken sie wie ein Tagebuch: kleine Episoden im Comicform.

Sein Stil erinnert an osteuropäische Zeichner. Er könne heute nicht mehr genau sagen, was ihn alles beeinflusst habe, so von Knorre. "Einflüsse sind wie ein Trichter: Oben geht unbewusst alles rein und unten kommt eine Sache raus."

In seinem Comic sind kläffende Straßenköter allgegenwärtig. Er thematisiert die Abwanderung der deutschen Minderheit und beäugt kritisch den Spenden-Tourismus in die rumänischen Kinderheime. Pädagogen waren in seinem Waisenhaus mit 30 Kindern Mangelware, hygienische Standards im gesamten Dorf sowieso. Es gab Flohplagen, Plumpsklos und nur ein Telefon für den gesamten Ort.

"Hinter den sieben Burgen" wurde trotzdem eine gezeichnete Liebeserklärung - an Siebenbürgen.

Alexander von Knorre wollte eigentlich Comiczeichner werden. Im Studium hat er beim Mosaik-Verlag ein Praktikum gemacht. Ein Wunschtraum, seit seiner Kindheit. "Die sind viel kritischer gewesen, als die Professoren an der Uni", sagt er.

Heute sind von Knorres Auftragsbücher voll. Eben hat er eine Buchprojekt für Erstleser beendet, das Anfang nächsten Jahres erscheint. Es geht um Indianer, mehr dürfe er nicht verraten, die Skizzen hängen noch an der Atelierwand.

"Das Schöne an dem Job ist, man wird irgendwann für seinen Stil gebucht."

Klinkenputzen bei Verlagen müsse er längst nicht mehr. "Ein Durchschnittsverdiener wird vielleicht über meine Einkünfte lachen. Dafür habe ich Freude an meiner Arbeit."

Klar, auch von Knorre sitzen seine Verlage mit Abgabeterminen im Nacken. "Dann lege ich eben mal eine Nachtschicht ein." Er versuche aber, diese extremen Arbeitszyklen einzuschränken, vor allem wegen der Familie. Für schlaflose Nächte sorgt ohnehin bald jemand anderes: Seine Frau und er erwarten jeden Tag ihr zweites Kind.

Vor fünf Jahren war von Knorre das letzte Mal in "seinem" rumänischen Dorf, als Gast einer Hochzeitsgesellschaft. Mit seiner Frau hat er einmal sogar die Karpaten abgewandert. Beide verdanken Siebenbürgen viel, auch ihr Liebesglück. Sie absolvierte ihren Freiwilligendienst zur selben Zeit wie er - im Nachbardorf.

Die Hunde, das Waisenhaus, die pragmatische Anarchie des Dorf-Alltags. Seine Zeit als Zivi empfand er ein bisschen "wie im Märchen hinter den sieben Bergen. Eine Welt wie vor hundert Jahren." Die Bilder sprechen ohnehin für sich. "Es war ein Erlebnis zwischen Schock und Sympathie." Es war eine gute Zeit, sagt er.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.