Weimarer sind deutlich gesünder als die Menschen im Landkreis

Weimar  Barmer-Gesundheitsanalyse: Im Weimarer Land sind Ausfalltage wegen Rückenleiden so verbreitet wie kaum anderswo

Auch Physiotherapeutin Antje Triebel-Hendrich hat in 25 Jahren den Anteil an Rückenpatienten wachsen sehen. Sie beschäftigt sich deshalb nicht allein mit den Folgen, sondern betreibt mit der Rückenschule auch Vorsorge.

Auch Physiotherapeutin Antje Triebel-Hendrich hat in 25 Jahren den Anteil an Rückenpatienten wachsen sehen. Sie beschäftigt sich deshalb nicht allein mit den Folgen, sondern betreibt mit der Rückenschule auch Vorsorge.

Foto: Michael Baar

Deutliche Unterschiede offenbaren sich beim Blick auf die Gesundheit der Beschäftigten in Weimar und im Weimarer Land. Darauf haben anhand einer Auswertung für ihre Versicherten Barmer-Regionalgeschäftsführer Steffen Pallaske und der Barmer-Sprecher für Thüringen, Patrick Krug, gegenüber unserer Zeitung verwiesen.

Dementsprechend waren Weimarer im Vorjahr durchschnittlich 19,3 Tage krankgeschrieben, Menschen im Weimarer Land sogar 23,8 Tage. „Weimar liegt deutlich unter und das Weimarer Land deutlich über dem Thüringer Durchschnitt von 22,3 Tagen“, so Steffen Pallaske weiter. Der Kreis komme auf den fünft schlechtesten Platz in Thüringen mit 23 Städten und Kreisen. Im bundesweiten Vergleich von 413 Städten und Kreisen belegt das Weimarer Land den zehnten Platz.

Die Weimarer sind deutlich gesünder: In Thüringen haben nur die Menschen in Suhl und im Saale-Orla-Kreis weniger Krankentage, bundesweit liegt die Kulturstadt demnach auf dem 148. Rang. Trauriger Spitzenreiter ist der Kreis Mansfeld-Südharz mit durchschnittlich 25 Fehltagen, am gesündesten lebt es sich im bayerischen Lindau mit nur 12,6 Tagen.

Die regionalen Zahlen basieren auf den Krankheitsdaten von rund 18.000 Versicherten der Barmer in Weimar und im Weimarer Land. Das entspreche rund 16 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und ALG-I-Bezieher. Die Zahlen seien daher repräsentativ, sagte Steffen Pallaske.

Am häufigsten seien Krankschreibungen in der Region – in dieser Reihenfolge – wegen Rückenproblemen, seelischer Leiden und Atemwegserkrankungen, so die weiteren Ergebnisse aus dem Gesundheitsreport. Demnach könnten Weimar und das Weimarer Land insbesondere beim Thema Rücken kaum gegensätzlicher sein: In Weimar ist die Zahl der rückenbedingten Krankheitstage von durchschnittlich 3,7 auf 3,2 Tage gesunken. „Das ist nicht nur der niedrigste Wert in Thüringen“, freut sich Steffen Pallaske, „sondern auch der zweitniedrigste unter allen ostdeutschen Landkreisen. Nur in Dresden scheint die Rückengesundheit noch besser zu sein.“ Hingegen verzeichnet die Krankenkasse für den Landkreis einen Anstieg der rückenbedingten Krankheitstage von 4,6 auf 6 Tage: der höchste Wert im Thüringer Vergleich. Bundesweit habe es lediglich im mecklenburgischen Parchim noch mehr Rücken-Fehltage gegeben (6,1 Tage). Steffen Pallaske sieht einen Grund für den Unterschied darin, dass in Weimar mehr Menschen in Verwaltungen, im Weimarer Land aber körperlich belastend etwa auf dem Bau arbeiten.

Bei Atemwegserkrankungen wie Schnupfen und Erkältung sind die Krankheitstage indes in Weimar (3,4 Tage) und im Kreis (3,5 Tage) mehr geworden. Auffallend sei, dass es bis zu vier Wochen dauere, bis die Krankheiten auskuriert seien. Bei der psychischen Gesundheit sind die Krankheitstage rückläufig. Hier stehe der Kreis (3,7 Tage) besser als die Stadt da (4 Tage).

Steffen Pallaske appellierte sowohl an die Arbeitnehmer als auch die Arbeitgeber, die Gesundheit zu pflegen: „Wer mehr arbeitet, ist auch mehr krank.“ Gegensteuern will die Kasse mit Vorsorge-Tipps bis zu einem kompletten Gesundheitsmanagement für größere Unternehmen. Für kleinere knüpfe die Kasse unter anderem Netzwerke, damit sie beispielsweise gemeinsam Gesundheitstage absolvieren. Sie besucht Pallaske auch mit einem Köfferchen für einfache Analysen, so von Körperfettanteil oder Blutdruck.

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