Weimarer Streifentests sollen Ebola binnen zehn Minuten erkennen

Weimar. Die Biotechnologie-Firma Senova lässt die Weimarer Streifentests derzeit in einer Quarantänestation im westafrikanischen Epizentrum evaluieren.

Senova-Inhaber Hans Hermann Söffing bespricht in Weimar mit Forschungsleiterin Anne-Marie Gad den Ebola-Teststreifen. Foto: Stefan Karl

Senova-Inhaber Hans Hermann Söffing bespricht in Weimar mit Forschungsleiterin Anne-Marie Gad den Ebola-Teststreifen. Foto: Stefan Karl

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Wie auf Kohlen sitzt Hans Herrmann Söffing dieser Tage im Büro an der Weimarer Industriestraße. Der Inhaber der Firma Senova telefoniert täglich mit Gueckedou und hofft auf gute Nachrichten.

Die Stadt in Guinea liegt an der Grenze zu Sierra Leone und Liberia. Dort befindet sich das Epizentrum der Ebola-Seuche, die Westafrika jüngst ereilte.

In Gueckedou stationiert sind Wissenschaftler des Instituts für Virologie in Marburg, als Teil eines Europäischen Mobilen Labors. Im Gepäck dabei haben sie 2000 Streifentests aus Weimar. Mit diesen soll gelingen, was Senovas Anspruch sowieso an alle seine neuen Streifentests ist: die Diagnostik zu revolutionieren.

So war es zuletzt, als es darum ging, Herzinfarkte rechtzeitig zu erkennen, nämlich nach 20 Minuten (wir berichteten). So soll es erst recht jetzt sein, da es um das tödliche Ebolafieber geht.

Zwei Tropfen Vollblut würden reichen, zehn Minuten später gäbe es Gewissheit: Zeigt der "Point of care"-Test nur eine Linie an, ist alles gut, der Befund also negativ. Zeigt er zwei Linien, ist das sehr schlecht.

Aber alle wüssten schnell, woran sie sind. Das ist der Plan. Das ist das Ziel. Jetzt heißt es, auf Ergebnisse warten aus dem Krisengebiet. Es ist ein Fluch, dass Ebola dort ausbrach. Für die Diagnostik ist es leider ein Segen.

Schnelle Diagnose könnte viele Leben retten

Zwar haben die Marburger Virologen den Weimarer Streifentest bereits in ihrem Hochsicherheitslabor zu Hause evaluiert. Seitdem gibt es "sehr gute Chancen, dass er funktioniert", berichtet Hans Herrmann Söffing.

Echte Umstände aber lassen sich nicht simulieren. "Man kriegt so ein Produkt nur dann zu einem guten Ende, wenn es betroffene Patienten gibt."

Die gibt's jetzt zuhauf. Gleichwohl haben die Marburger Virologen zunächst andere Sorgen, als den neuen Test zu testen. Das machen sie nebenbei. Sie sind unter denkbar schwierigen Bedingungen mit Labordiagnostik beschäftigt. Jetzt versucht man, "Ärzte ohne Grenzen" einzubinden, um schneller voranzukommen mit der Evaluation. Es braucht laut Söffing mindestens 400 Proben, die je zur Hälfte positiv und negativ ausfallen.

In zwei, drei Wochen könnte man soweit sein, meint er. "Ich bin sicher, dass die Mortalität viel geringer wäre, wenn man den Virus früher detektieren könnte", formuliert der Weimarer. Soll heißen: Funktioniert der Streifentest, sterben weniger Leute. Beim Laborverfahren wartet man aufgrund der schlechten Infrastruktur vor Ort sechs bis zehn Tage, bis man Ergebnisse in Händen hält. So lange stecken dann auch Menschen in Quarantäne-Stationen fest, die gar nicht infiziert waren, sich nun aber gewiss anstecken.

"Es ist wichtig, Menschen so schnell wie möglich als negativ abzuklären", so Söffing. Auch aus kulturellen Gründen: Wer einmal auch nur unter Ebola-Verdacht stand, ist schnell stigmatisiert und ausgestoßen. Weil aber selbst der Umgang mit Blut bisweilen kulturell schwierig ist, arbeiten die Weimarer jetzt parallel an einem Abstrich-Test.

Die Technologie für die Weimarer Innovation stammt übrigens ursprünglich aus dem Forschungszentrum für Medizintechnik und Biotechnologie (FZMB) in Bad Langensalza. Dort hatte auch Senova, 2001 als Gesellschaft für Biotechnologie und Technik in Jena gegründet, seine Wurzeln.

Nun wurde der Ebola-Test binnen weniger Monate in Weimar komplett umgearbeitet, um ihn vor Ort einsetzen zu können. Wesentlich beteiligt daran war das Bundeswehr-Institut für Mikrobiologie in München. Es entwickelte die Bioreagenzien: Stoffe, um Ebola nachzuweisen.

Frage des Tages: Was wäre, wenn es in Thüringen plötzlich einen Ebola-Fall geben würde?

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