Zehn turbulente Tage unterm Funkturm für die Heichelheimer

Heichelheim.  Der Feinfrost-Hersteller Ablig aus Heichelheim bereitet zurzeit seine Teilnahme an der Grünen Woche in Berlin vor. Donnerstag ist Abreise.

Vertriebsleiter Torsten Langbein am Produktionsband der Kloß-Pommes – und mit einem Modell der neuen Faltverpackung dafür.

Vertriebsleiter Torsten Langbein am Produktionsband der Kloß-Pommes – und mit einem Modell der neuen Faltverpackung dafür.

Foto: Michael Grübner

Die Tradition geht weiter: Der Heichelheimer Feinfrost-Hersteller Ablig bleibt der Grünen Woche in Berlin treu. Das Unternehmen präsentiert sich vom 17. bis 26. Januar in Halle 20 auf dem Messegelände unter dem Funkturm. Aus dem Weimarer Land sind neben der Ablig nur zwei Betriebe aus dem Gewerbegebiet Oberroßla vertreten: Gutena mit seinen Filinchen und Dr. Schär mit glutenfreien Lebensmitteln.

Am kommenden Mittwoch beladen die Ablig-Mitarbeiter den kleinen firmeneigenen Lkw, am Donnerstag ist für Roland Mielke die Nacht zeitig vorbei: Der Vertriebs-Mitarbeiter fährt den Lkw nach Berlin und will 8 Uhr dort sein. Wie gewohnt bekommt der Laster seinen Stamm-Standplatz in einem Innenhof des Messegeländes – mit Stromanschluss für das Kühlaggregat.

Überhaupt funktioniert diese Messeteilnahme für die Ablig nach etlichen Jahren mit viel Routine wie eine gut geölte Maschine. Vertriebsleiter Torsten Langbein kennt die Abläufe und Ansprechpartner, und er weiß, was die Messebesucher von den Heichelheimern erwarten. „Man muss die Klischees bedienen“, sagt er. „Wer zu den Thüringen-Ständen kommt, der will dort Klöße, Bratwurst und Bier finden.“ Je eine Palette Sonntagsklöße und Miniklöße nimmt die Ablig mit nach Berlin. Die verkaufen die Außendienst-Mitarbeiterinnen Grit Friedel und Anja Hofmann als Portion mit Soße für zwei Euro – wobei die Besucher zwischen einem großen oder drei Mini-Klößen wählen können. Die Rouladensoße liefert traditionell ein langjähriger Heichelheimer Partner, der Fleischwarenproduzent EWU aus Eisenberg.

Eine „Schwarze Null“ ist dabei nicht drin, selbst wenn die Ablig wie im vorigen Jahr fast 4000 Portionen verkauft: „Zum Geldverdienen fährt dort kein Hersteller hin“, sagt Torsten Langbein. Es geht um das Image, um Marketing, um Gespräche mit Endverbrauchern und Händlern. „Manche treffe ich nur ein Mal im Jahr, nämlich dort“, so der Vertriebsleiter. Und natürlich ist die Grüne Woche ein Podium und Testmarkt für neue Produkte.

Eines davon wird erst ab Montag hergestellt: der Schweden-Eisbecher. Vanille-Eis, Apfelmus, Eierlikör und Sahne. Die erste Charge wandert quasi direkt in den Lkw nach Berlin. Erstmals in Berlin verkauft die Ablig auch „Hexenwerk“, das Eispulver in mehreren Geschmacksrichtungen, produziert vom Partner-Unternehmen Anona im sächsischen Colditz. Das gehört seit 2019 zur Produktpalette, ist ab März bei Rewe gelistet und soll in Berlin seinen Bekanntheitsgrad steigern. „Wir wollen damit vor allem Leute erreichen, die eine Eismaschine daheim besitzen“, so Langbein. „Angeblich sind das in Deutschland über eine Million.“

Die „Kloß-Pommes“ kehren nach zwei Jahren Pause ins Berlin-Angebot zurück. Sie werden jetzt vorfrittiert in einer neuen Faltschachtel für den Einzelhandel produziert. Der „Erfinder“ dieser Spezialität ist in Berlin mit dabei – Jens Löser, der in Stützerbach den Gasthof „Zum Reifberg“ betreibt, frittiert die Pommes vor Ort und verkauft sie wahlweise mit Rouladensoße oder einem Dip von Born aus Erfurt.

„Die Grüne Woche macht zwar Spaß, ist aber auch sehr anstrengend“, weiß Langbein. Er selbst ist von Donnerstag bis Montag vor Ort, am ersten Wochenende kommt wie immer die Thüringer Politprominenz mit Ministerpräsident Ramelow an der Spitze in die Halle. Wichtigste Tugend für die Standbetreuer sei Belastbarkeit: „Lärm, schlechte Luft in der Halle und den ganzen Tag stehen, das ist hart. Und die Ruhe bewahren, wenn mal was nicht funktioniert.“