Zeitkapseln warten in Weimar auf Wiederentdeckung

Weimar.  Fünftklässler der Zeiss-Gemeinschaftsschule versammelten sich mit Wünschen und Spaten im Garten

Im Pachtgarten der Zeiss-Schule vergruben die Fünftklässler die Zeitkapseln mit ihren Wunschzetteln.

Im Pachtgarten der Zeiss-Schule vergruben die Fünftklässler die Zeitkapseln mit ihren Wunschzetteln.

Foto: Jens Lehnert

Sie wollen Köchin oder Schauspielerin werden, wären später gern der Star einer eigenen Comedy-Sendung, zuvor bereits Schulsprecher - und sie hätten gern einen Hund. All das sind Wünsche Weimarer Fünftklässler, die sie auf Zetteln in Zeitkapseln verewigten. Seit Mittwochvormittag ruhen diese Kapseln nun sicher im Boden von Weimar-West.

Diese Aktion gehört zu Projekttagen, mit denen die Thüringer Gemeinschaftsschule „Carl Zeiss“ den Neuen an der Schule den Anfang im Hause erleichtern möchte.

Ein zahlenmäßig starker Jahrgang mit drei 5. Klassen, in denen jeweils 24 Schüler lernen, hat dort vor zweieinhalb Wochen begonnen. Die Startbedingungen sind jedoch ungleich schwerere als in früheren Jahren.

Diesmal gehe es nicht nur darum, dass sich die Schüler nach dem Wechsel von der Grundschule in einer neuen Umgebung mit neuen Anforderungen zurechtfinden müssen.

Da im vergangene Schuljahr coronabedingt über Wochen kein Unterricht an den Schulen stattfinden konnte und deren bis zu den Sommerferien auch nur mit Einschränkungen möglich war, sei auch das an den Kindern nicht spurlos vorübergegangen.

"Nicht wenige Schüler haben es in dieser Zeit verlernt, Schüler zu sein", gibt Carolin Nentwich, an der TGS Klassenlehrerin der neuen 5b, zu bedenken. Das beginne beim Führen der Hefte, setze sich beim Packen des Schulranzens fort und münde in der Schwierigkeit, in Momenten, in denen es erforderlich ist, still zu sitzen.

Die personelle Kraft, sich den individuellen Problemen auch sehr individuell zu widmen, habe die Schule derzeit nur schwerlich. Der Krankenstand im Kollegium sei hoch.

Um bei den Schülern dennoch das Gefühl zu stärken, in einer Klasse angekommen zu sein und wieder das Empfinden für Schule zu erhalten, werden dieser Tage Projekte wie jenes der Zeitkapseln ausgerichtet.

Die Zettel, auf denen die Schüler ihre Wünsche verewigten, gelangten in drei Glasflaschen, die verschlossen und zum Schutz in Hülsen aus Rohrleitung gesteckt wurden.

Mit diesen sowie mit Spaten unterm Arm machten sich die Fünftklässler auf den Weg in Richtung des Paradieses am Rand der Weststadt. Dort hat die Gemeinschaftsschule seit dem vergangenen Jahr einen noch recht naturbelassenen Garten in Pacht, der in nächster Zeit schrittweise urbar gemacht werden soll.

Hier vergruben die Schüler ihre Zeitkapseln und legten in der Erwartung des nächsten Frühjahres bei dieser Gelegenheit gleich einige Tulpenzwiebeln in den Boden.

In vier Jahren wollen die Zeiss-Schüler ihre Zeitkapseln wieder ausgraben, einen Blick auf die Wunschzettel von einst werfen und sich an den gemeinsamen Start an der Gemeinschaftsschule erinnern.

Ganz nebenbei erhielten die Fünftklässler am Mittwoch im Garten noch eine Lehrstunde in Biologie. Schließlich entdeckten sie dort auch Grashüpfer, Nacktschnecken und sogar eine Eidechse.