Zinserlings Rücktritt vom Rücktritt

Gräfenroda  28. Steinhebermeisterschaft in Gräfenroda mit Überraschungen, ein paar Anreiseproblemen und starken Frauen

Die Dramaturgie der diesjährigen Steinhebermeisterschaft war filmreif. Doch zunächst schwitzten die Veranstalter um René Holtmann gehörig, ihren Teilnehmerrekord mussten sie, auch ungünstigen Umständen geschuldet, verschieben. Einige eingeschriebene Starter blieben im Stau hängen oder ganz fern. Auch Top-Herausforderer Zitzelsberger konnte doch nicht kommen. Am Ende waren es lediglich 26 Teilnehmer, 17 Männer und neun Frauen. Darunter der Apoldaer Tobias Zinserling, dessen Anreiseweg nicht allzu weit war.

Der Wettbewerb entschädigte dann aber dennoch, vor allem bei den Frauen, die wie erwartet, die 200-Kilo-Marke endlich knackten und wie. Nur Titelverteidigerin Lydia Eschrich konnte eine Träne nicht verbergen. Obwohl sie ihren Vorjahresrekord um dreienhalb Kilo auf 195 Kilogramm verbesserte, wurde sie damit am Ende nur Dritte. Irgendwie versöhnlich gewann sie aber dennoch einen Siegerpokal, den erstmals vergebenen „Double-Cup“, in Gesamtwertung aus 25. Gothaer Bierfassheben und 28. Thüringer Steinhebermeisterschaft in Gräfenroda. Diese neue Trophäe brachte Altmeister Zinserling, der für die Gothaer Bierfassheber startet, in Gräfenroda doch zum Rücktritt vom Rücktritt. „Das ist mir nicht leicht gefallen, aber das Herz und die Steinheberfans haben letztendlich entschieden.“

Doch zurück zu den Frauen: Hätten sie gedacht, dass man innerhalb eines Jahres eine Bestleistung um 80 Kilogramm verbessern kann? Eine kecke und selbstbewusste Österreicherin kann das. Christina Büller, einst durch Zufall und eine verflossene Liebe nach Ilmenau gekommen, steigerte von 140 Kilogramm im Vorjahr auf sensationelle 220 in diesem Jahr. Doch sie war nicht allein. Die nahezu direkt aus Luxemburg von ihrem Bankdrücker-EM-Titel gekommene Christine Groß aus Bad Hersfeld zog stets mit. Im ersten Versuch meisterte sie wie die 28-jährige beim SV 90 Gräfenroda hebende Büller 220 Kilo, die 225 brachten dann beide nicht in die Streckung.

Dabei hatte die Hessin eigentlich schon richtig Pech. Am Ende gab das Körpergewicht (74,9 zu 78,8 kg) den Ausschlag über Gold- und Silber-Zwerg. Organisator René Holtmann: „Solch eine Spannung hatten wir noch nie in 28 Jahren hier. Dass die 200 Kilogramm fallen würden, da war ich mir ganz sicher.“

Siegerin Christina Büller, die sich einige Jahre Sporen als Pressesprecherin der Landrätin verdiente, inzwischen beim Regionalverband Thüringer Wald in Suhl arbeitet, hatte aber auch ein Auge auf ihren Freund, Sebastian Semper, der Achter wurde.

Zinserling derweil rang lange mit sich, ob er wirklich so schnell nach seinem Rücktritt wieder auf die Bohle und zum Steinheben zurückkehren sollte. „Ich habe schon überlegt, aber nach dem Rücktritt letztes Jahr bekam ich keine Ruhe mehr. Und der neue Double-Pokal für die zusammen gehörigen Veranstaltungen in Gotha und Gräfenroda gaben den Ausschlag.“

Eine scheinbar verhaltene Facebook-Anfrage bei René Holtmann auf einen gelinkten TA-Text wirkte schon wie eine Verabredung. „Habt ihr auch genügend Kümmerlinge da...“. Nur Zinserling hat die Marotte, vor jedem Versuch einen dieser Kräuterschnäpse – sicherlich keine echten – zu vertilgen. In diesem Jahr holte er sich wieder mühelos den Sieg. Nachdem er in Gotha zum 25-jährigen Jubiläum seinen Rekord auf 450 Kilogramm steigerte, wollte er auch in Gräfenroda glänzen. 426 Kilo sind sein bestehender Rekord, 431 ließ er auflegen und scheiterte im ersten Versuch ganz knapp. „Das war ein technischer Fehler, sonst hätte ich den mühelos hochgebracht. Es war knapp, hat dann aber zuviel Kraft gekostet.“ Der zweite Versuch verpuffte.

Zuvor war die Konkurrenz schon ausgestiegen. Dennoch beachtlich: Der Wormstedter Alexander Matsch zog 321 Kilogramm, Marcus Siegmund (Gotha) 311, elf Kilo mehr als im Vorjahr, als er Vierter wurde. 311 Kilo gelangen auch 162-Kilo-Schwergewicht Philipp Greßler (Gräfenroda), der letztes Jahr mit 290 Kilo Neunter wurde nun Vierter.

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