Andrea Burke: "Andrea Henkel gibt es noch"

Oberhof. Vor dem Weltcup in Oberhof spricht die Frau, die jetzt Andrea Burke heißt, über das Leben nach dem Biathlon und ihre Nachfolgerinnen.

Thüringens frühere Ausnahme-Biathletin Andrea Burke genießt das Leben nach dem Sport. Foto: Alexander Volkmann

Thüringens frühere Ausnahme-Biathletin Andrea Burke genießt das Leben nach dem Sport. Foto: Alexander Volkmann

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Seit gut zwei Monaten sind Sie Frau Burke. Wie oft versprechen Sie sich noch, wenn Sie sich am Telefon melden?

Gar nicht. Ich habe schon immer "Ja, Andrea" gesagt. Und so mache ich es weiterhin. Außerdem gibt es ja auch die Andrea Henkel noch.

Inwiefern?

Das deutsche Recht erlaubt es, sich einen "Künstlernamen" zuzulegen. Damit meine Partner und Sponsoren "Andrea Henkel" weiter verwenden können, habe ich das gemacht.

War es keine Option, Ihren Namen zu behalten?

Überlegt habe ich schon, was ich mit meinem alten Namen mache. Mir war aber immer klar, dass ich so heißen möchte wie mein Mann und meine Kinder.

Was hat sich seit der Hochzeit sonst verändert?

Nichts. Das wäre ja Quatsch. Warum sollte man etwas verändern, was bis dahin schön war? Nach außen hin wird durch die Hochzeit zwar stärker dokumentiert, dass man zusammengehört. Wir selbst haben das ja auch schon vorher gewusst.

Sind Kinder geplant?

Ja, aber nicht im Moment. Tim ist noch aktiv. Und ich benötige erst einmal Zeit für mich. Ich bin dabei, mich neu zu organisieren. Das ist nicht ganz einfach, wenn man auf einen anderen Kontinent ziehen möchte. Das möchte ich erst abgeschlossen haben, bevor der Nachwuchs kommt.

Wo sind Sie jetzt eigentlich zu Hause: in Oberhof, Großbreitenbach oder Lake Placid?

In Großbreitenbach ist mein Hauptwohnsitz. Mein Nebenwohnsitz ist Oberhof. Und mein Antrag auf die Green Card in den USA läuft. Wenn ich diese bekommen habe, wird Lake Placid in diesem Jahr noch mein Hauptwohnsitz.

Was reizt Sie am Leben dort?

In erster Linie natürlich, dass ich mit meinem Mann zusammenleben kann. Dann gefällt es mir in Lake Placid gut. Ein überschaubarer Ort mit 3000 Einwohnern; viel Natur, Seen, Bergen und Wäldern. Auf den "Indian Summer" freue ich mich schon. Den habe ich bisher noch nicht in seiner ganzen Pracht erlebt. Insgesamt bin ich wirklich herzlich aufgenommen worden und konnte mich in den vergangenen Jahren Stück für Stück einleben. Ich habe mich immer willkommen gefühlt.

Keine Bange vor Heimweh?

Ich werde nach wie vor pendeln. Letztes Jahr bin ich viermal hin- und hergeflogen. Da ich in Deutschland meine Ausbildung zum Personal-Trainer mache, muss ich auch immer mal da sein. Da werde ich sicher auch immer Zeit finden, meine Familie und Freunde zu besuchen.

Sie haben im März 2014 die aktive Karriere beendet. Vermissen Sie Ihren Sport?

Ich habe so lange Leistungssport gemacht, dass es irgendwann einfach auch gut war. Ich habe es für mich persönlich ausgereizt. Jetzt gucke ich mir die Rennen an, freue mich mit den Mädels und leide mit ihnen. Doch ich ärgere mich nicht, dass ich nicht mehr dabei bin.

Können Sie morgens jetzt auch einfach einmal liegen bleiben? Oder wie sieht ein Tag in Ihrem neuen Leben aus?

Wenn ich wach bin, muss ich aufstehen. Ich genieße es zwar, flexibler zu sein; bin aber schon immer eher ein Morgenmensch. Die Tage werden bestimmt von Terminen, Hausarbeiten, Seminaren und dem Sport, den ich nach wie vor mache. Das ist mir wichtig. Ich muss immer mal etwas "Puls" spüren, am besten ein paar Mal die Woche - egal, ob zu Fuß oder auf Skiern.

Wie oft schnallten Sie zuletzt die Bretter an?

Ab und zu. Ich war auch ein paar Tage mit im Trainingslager in Sjusjön, in Norwegen. Dort hatte ich die Gelegenheit dazu und zuletzt auch in Pokljuka. Doch als die Mädels ihre Testwettkämpfe in Norwegen bestritten, war ich ganz froh, dass ich nicht mit am Start war.

Wann haben Sie Ihre Ausbildung abgeschlossen?

Geplant ist es für 2016. Ich will in den USA als Personal-Trainer arbeiten. Dafür möchte ich optimal vorbereitet sein. Ich habe Lern-Bausteine, die mich interessieren und die verschiedene Felder abdecken. Es ist mir wichtig, medizinische Aspekte und bestimmte ernährungswissenschaftliche Dinge zu kennen. Als dann Selbstständige gehört natürlich auch betriebswirtschaftliches Wissen dazu.

Sie waren für einen Sponsor als Botschafterin in Hochfilzen und für das Fernsehen in Pokljuka im Einsatz. Werden Sie auch beim Weltcup in Oberhof dabei sein?

Ja, die ganze Zeit. Ich bin für die DKB vor Ort und werde die Rennen aus nächster Nähe verfolgen können. Ich freue mich darauf. Oberhof war und ist immer etwas Besonderes.

Befürchten Sie als langjähriger Publikumsliebling nicht, dass Wehmut aufkommen könnte?

Ich denke nicht. Ich bin mittlerweile 37 - und kein Björndalen, bei dem nichts von seinem Alter zu spüren ist. Schon am 1. Mai, unserem jährlichen Trainingsauftakt, hatte es nicht mehr gekribbelt. Ganz im Gegenteil: Da regnete es, und ich war ganz froh, nicht raus zu müssen.

Werden Sie sich in der Arena auch unter die Fans mischen?

Klar werde ich mich mal zeigen und auch Autogramme schreiben. Die Anfragen reißen nicht ab. Dieses Jahr habe ich eventuell auch mehr Zeit dafür als in den vergangenen Jahren.

Das deutsche Frauenteam befindet sich derzeit im personellen Umbruch. Welchen Rat geben Sie Ihren Nachfolgerinnen mit auf den Weg?

Sie sollen gut trainieren, fleißig sein und sich nicht ablenken lassen. Sozusagen genau so weitermachen. Was die Öffentlichkeit betrifft, wünsche ich mir, dass man den jungen Mädels Zeit gibt und nicht immer in die Vergangenheit schaut. Ich traue ihnen zu, spätestens bei den Olympischen Spielen 2018 reif für Medaillen zu sein. Das haben sie mit dem Staffelsieg in Hochfilzen ja schon bewiesen.

Erneut Staffeln, Sprints und Massenstarts - was können die Thüringer Fans ab Mittwoch in Oberhof erwarten?

Auf jeden Fall spannende Rennen und eine einzigartige Atmosphäre. Die Fans hier sind der Knaller. Bei den Männern ist immer das Podium möglich. Bei den Frauen kann man wieder in der Staffel auf eine gute Platzierung hoffen. Sie sind alle stabil beim Schießen. Aber auch in den Einzelwettbewerben haben vor allem die beiden "Franzis" (Hildebrand und Preuß/d.R.) gezeigt, dass sie ebenfalls Richtung Podium tendieren.

Überrascht Sie der vielversprechende Weltcup-Einstieg von Thüringens größtem Talent Luise Kummer?

Nein. Ich kenne sie ein bisschen noch aus dem Training. Da habe ich schon gespürt, dass sie den Willen hat, nach vorn zu kommen. Schießen kann sie - das hat sie ja bereits mehrfach gezeigt. Für die Staffel ist sie damit immer eine Option. Im Laufen hat sie bereits Fortschritte gemacht und wird sicher auch weiter arbeiten, um näher ranzukommen. Sie ist aber noch jung und hat somit noch etwas Zeit, um sich Schritt für Schritt zu entwickeln - so wie das bei vielen anderen auch war.

Evi Sachenbacher-Stehle hat mittlerweile aufgehört, nachdem Ihre Dopingsperre auf sechs Monate verkürzt wurde. Eine gerechte Entscheidung?

Die Zwei-Jahres-Sperre fand ich krass. Sie wurde damit auf die Stufe von Epo-Sündern gestellt, was meiner Meinung nach nicht auf eine Ebene zu stellen ist. Einer, der etwas klaut, wird ja auch nicht genauso bestraft wie jemand, der einen umbringt. Daher finde ich die Reduzierung ihrer Sperre okay.

Aber?

Bis diese Entscheidung gefallen ist, hat es ganz schön lange gedauert. Für sie war es dann zu spät, um nochmal einzusteigen. Es muss sicher alles geprüft werden. Aber nach der zweiten Anhörung ging es auch recht flott.

Ihr einstiger Teamkollege Erik Lesser fordert eine lebenslange Sperre für Dopingsünder. Wäre dies zu hart?

Eine Sperre auf Lebenszeit für Olympia gilt ab dieses Jahr schon, was ich auch sehr gut finde. Bei einer lebenslangen Sperre sollte differenziert werden: Bei Epo sowie anderem nachweislich bewussten Doping, sofort!

Aber bei positiven Proben durch Verunreinigungen ist ein anderes Urteil auch eine Möglichkeit. Strafe muss natürlich sein, und sie sollte auch weh tun. Man hat als Sportler auch die Pflicht, sich "sauber" zu halten.

Wem das dann allerdings ein zweites Mal nicht gelingt, dem könnte man schon Absicht anhängen, was wiederum zu lebenslanger Sperre führen sollte.

Aufgrund des Weltcup-Starts im November mussten die Flitterwochen ausfallen. Wann werden sie nachgeholt?

Irgendwann im Frühjahr. Vielleicht teilen wir unsere Reise; verbringen etwas Zeit im Schnee und die anderen Tage am oder auf dem Wasser.

Zeitplan des Oberhofer Weltcups:

  • Mittwoch, 14.15 Uhr: Staffel der Frauen
  • Donnerstag, 14.15 Uhr: Staffel der Männer
  • Freitag, 14.30 Uhr: Sprint der Frauen
  • Samstag, 12 Uhr: Sprint der Männer
  • Sonntag, 11.15 Uhr Massenstart der Frauen
  • Sonntag, 14.15 Uhr Massenstart der Männer
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