Biathlet Erik Lesser setzt im Winter auf neue Waffe

Oberhof  Warum Ex-Weltmeister Erik Lesser trotz jahrelang guter Schießergebnisse künftig auf eine neue Waffe setzt.

Ein Bild aus dem letzten Winter. Erik Lesser beim Griff zur Waffe. Archiv-Foto: Sascha Fromm

Ein Bild aus dem letzten Winter. Erik Lesser beim Griff zur Waffe. Archiv-Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Liebevoll streicht Erik Lesser über seine Waffe. „Es war ein extrem geiles Gefühl, sie das erste Mal benutzt zu haben“, verrät der Oberhof Biathlet und hält das neue Arbeitsgerät stolz in die Höhe. Glänzend weiß präsentiert es sich in der Thüringer Sonne, violette Symbole künden von Lessers Fan-Liebe zum Fußball-Zweitligisten FC Erzgebirge Aue: Bergleute mit Helmen, gekreuzte Hämmer, drei Sterne für die Meistertitel des Vereins in den Fünfzigerjahren.

„Schon erstaunlich, dass Dynamo-Fans so was hinkriegen“, grinst der Ex-Weltmeister und spielt auf die Dresdner Design-Experten an, die ihm sein Gewehr aufgehübscht haben – mit einer Lackierung und spezieller Folie. Einzigartig sei dies im Biathlon-Zirkus, sagt Lesser und betont: „Man kann sich ja auch mal etwas Schönes gönnen.“

Weil es aber vorrangig nicht um das Aussehen geht, sondern um die Trefferquote, hat Oberhofs Waffenmeister Sandro Brislinger einen ganzen Monat Ar-beit in das gute Stück gesteckt. Am Anfang lag ein Stück Holz auf dessen Werkbank – vorzugsweise türkische Walnuss. Dann wurde gehobelt, gefräst, gebohrt, geschraubt und immer wieder an kleinsten Details gefeilt – bis alle zufrieden waren.

An diesem Wochenende erlebt die Waffe ihre Feuertaufe. Nachdem er den Start der deutschen Meisterschaften in der vergangenen Woche in Altenberg wegen Trainings-Rückstandes ausgelassen hatte, greift Lesser nun in der Heimat ins Geschehen ein. Am Grenzadler werden am Samstag die nationalen Titel in den Staffeln und am Sonntag in den Massenstart-Rennen vergeben.

Auch wenn ihm durch eine hartnäckige Erkältung im August einige Einheiten fehlen, will sich der 28-Jährige „konkurrenzfähig präsentieren und um die Podestplätze mitkämpfen“. Das kann er ganz ohne Qualifikationsdruck tun. Bundestrainer Mark Kirchner gab ihm sowie den drei WM-Staffelkollegen von Oslo eine Einsatzgarantie für den Weltcup-Auftakt En-de November in Östersund.

„Das gibt natürlich eine gewisse Sicherheit“, bestätigt Thüringens bester Skijäger. Gerade vor dem Hintergrund seines Waffenwechsels. Trotz aller Akribie bei der Herstellung muss Lesser sich erst an das neue Arbeitsgerät gewöhnen. Das Griffstück ist kleiner und etwas filigraner, die Magazine für die Munition sind in ei-nem anderen Winkel aufgesetzt, das gesamte Gewehr ist spürbar leichter als sein Vorgänger. Und Lesser weiß: „Ich muss jetzt das richtige Setup finden.“

Doch warum nimmt ein stabiler Schütze wie er, mit einer Trefferquote von 86 Prozent im vergangenen Winter, ein solches Risiko überhaupt in Kauf? „Damit ich noch ein paar Prozente besser werde“, begründet der Mann vom SV Eintracht Frankenhain. Experte Brislinger nickt zustimmend: „Wer nicht auch die Waffe ständig weiterentwickelt, bleibt irgendwann stehen und versinkt im Mittelmaß“, erklärt er.

Bei Lesser besteht die Gefahr kaum. Er ist ohnehin ein Typ, der neueste Techniktrends aufmerksam verfolgt und möglichst auch mitmachen will. Das besondere Design ließ er sich jedoch sicherheitshalber bereits von den Regelhütern des Weltverbandes absegnen. Wäre ja ärgerlich, wenn der Einsatz des guten Stücks an Formalien scheitern würde.

Lesser hat aber nicht nur sein Gewehr erneuert, sondern auch Trainingsinhalte verändert. Weil ihm in Sprints manchmal „etwas der Bumms“ fehlte, intensivierte er das Krafttraining. Dreimal wöchentlich standen Maximalkraft-Einheiten auf dem Plan. Der Körper verkraftet es bislang gut. Lesser hofft auf einen besseren Start in den Winter als im Vorjahr, als er erst nach dem ersten Weltcup-Block ins Rollen kam.

Im Gesamtweltcup peilt der letztjährige 14. einen Platz unter den Top 10 an. „Und ich will mit der Staffel bei der WM etwas holen“, sagt Lesser. Bis zum Höhepunkt im Februar 2017 in Hochfilzen (Österreich) ist noch eine Menge Zeit. Sollte es auf dem Weg dorthin stärker holpern als erhofft und sollten die Scheiben nicht so fallen wie gewünscht, weiß der Oberhofer jedoch beruhigenden Ersatz im Gepäck: seine „alte“ Waffe, mit der er 2014 olympisches Silber und ein Jahr später den Weltmeister-Titel in der Verfolgung gewonnen hatte.

Deutsche Biathlon-Meisterschaften in Oberhof, Samstag 11 Uhr: Staffel Herren. 13.30 Uhr: Staffel Damen.

Sonntag 11 Uhr: Massenstart Herren. 13 Uhr: Massenstart Damen.