Der Ruf der Freiheit: Biathletin Laura Dahlmeier beendet ihre Karriere

Garmisch-Partenkirchen  Schluss mit 25: Nach Magdalena Neuner verliert das deutsche Biathlon mit Laura Dahlmeier erneut sein Aushängeschild.

Höhepunkt: Laura Dahlmeier holt 2018 in Pyeongchang zweimal olympisches Gold und einmal Bronze.

Höhepunkt: Laura Dahlmeier holt 2018 in Pyeongchang zweimal olympisches Gold und einmal Bronze.

Foto: dpa

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Im iranischen Hochgebirge erlag Laura Dahlmeier endgültig dem verlockenden Ruf der Freiheit. Keine strapaziösen Biathlon-Rennen mehr, keine lästigen Dopingkontrollen und auch kein unnötiger Terminstress – die Entscheidung für das Karriereende glich einer Erlösung.

„Es ist Zeit, Servus zu sagen! Nach einer unfassbar harten Saison voller Höhen und Tiefen verspüre ich nicht mehr die hundertprozentige Leidenschaft, die für Profisport erforderlich ist“, schrieb die Doppel-Olympiasiegerin und siebenmalige Weltmeisterin in den sozialen Netzwerken: „Aus diesem Grund habe ich nach längerem Überlegen entschieden, meine aktive Biathlon-Karriere zu beenden.“

Nach insgesamt 152 Weltcup-Starts, 20 Weltcupsiegen als Einzelkämpferin und 13 Erfolgen mit der Staffel, nach 18 Medaillen bei Großereignissen und einem Triumph im Gesamtweltcup zog die passionierte Hobby-Bergsteigerin aus Partenkirchen einen Schlussstrich unter ihre so erfolgreiche Laufbahn. „Sie hat in nur wenigen Jahren außergewöhnliche Kapitel Sportgeschichte geschrieben und den populären Biathlonsport auf eindrucksvolle Weise bereichert“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann voller Anerkennung.

Es war ein Schlussstrich, der sich abgezeichnet hatte – und trotzdem überraschte. Zwar hatte Dahlmeier zuletzt immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt, vor allem das geschwächte Immunsystem vor der abgelaufenen Saison machte ihr zu schaffen. Eigentlich aber war ein Ende im kommenden Jahr bei der WM in Antholz erwartet worden, ihrem Lieblingsort in Südtirol.

„Ich bin überzeugt, dass man Ziele braucht. Wahre Ziele, die einen antreiben, die einem alles bedeuten und für die man alles in die Waagschale werfen würde“, schrieb die Bayerin: „Solche Ziele durfte ich mir während meiner Karriere erfüllen. So viele, dass heute kein Biathlon-Ziel mehr auf meiner Liste steht.“ Der Rücktritt war also nur die logische Konsequenz – und ein Schritt, den es in ähnlicher Weise schon einmal gegeben hatte.

„Bei mir war es auch so, dass ich alles erreicht hatte und es mir nicht darum ging, noch fünf weitere Weltmeistertitel zu holen“, sagte Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner, die ebenfalls mit erst 25 Jahren Schluss machte. Sie sei daher „die Letzte, die das nicht nachvollziehen könnte. Ich kann es gut verstehen, dass Laura sagt, sie macht jetzt etwas anderes. Es ist schon ein sehr langer Sommer, über den man sich quälen muss.“

Auch Olympiasieger und TV-Experte Sven Fischer sagt: „Natürlich ist es schade für das deutsche Biathlon. Aber wer im Winter erfolgreich sein will, muss im Sommer Gas geben und den Kopf frei haben. Da muss alles zu 100 Prozent stimmen. Insofern ist ihre Entscheidung mutig und richtig. Sie war immer konsequent. So, glaube ich, wird sie auch ihre neuen Ziele verfolgen.“

Mark Kirchner bedauert ihren Entschluss: „Für mich als Bundestrainer ist es natürlich schade, wenn solch eine Athletin aufhört“, sagte er in Oberhof. „Aber solch ein Schritt ist eben immer auch eine persönliche Entscheidung, die wir zu respektieren haben. Sie war immer eine Querdenkerin und hat ja schon länger darüber nachgedacht.“ Für den Nachwuchs biete sich jetzt die Chance nachzurücken. „Es wird aber natürlich nicht einfach, an Lauras Erfolge anzuknüpfen.“

Trotzdem hatten er und die Verantwortlichen im Deutschen Skiverband nach vielen Gesprächen gehofft, dass ihr Zugpferd zumindest ein oder zwei Jahre dranhängen würde. Vergebens. „Es ist schade“, sagte Bernd Eisenbichler, der neue Sportliche Leiter: „Es wäre schön, wenn uns Laura im Biathlon in irgendeiner Funktion erhalten bleibt.“

Dass Dahlmeier, die im Dezember bei der World Team Challenge auf Schalke verabschiedet wird, dem Biathlon auf höchster Ebene treu bleibt, darf bezweifelt werden. Zuletzt war sie genervt vom Trubel um ihre Person. Die permanente Angabe ihres Aufenthaltsortes für Dopingkontrollen engte sie zudem extrem ein.

„Am allermeisten freue ich mich, dass ich mich nun nicht mehr jede Minute an- und abmelden muss“, schrieb Dahlmeier: „Ich freue mich auf neue Blickwinkel, Herausforderungen und Erlebnisse rund um den Globus.“ Auf die Zeit ohne Leistungssport.

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