Biathlet Max Barchewitz: „Jetzt werden die Karten neu gemischt“

Lenzerheide/Frankenhain.  Interview der Woche Biathlet Max Barchewitz (Eintracht Frankenhain) holte im schweizerischen Lenzerheide Montag überraschend Junioren-WM-Gold

Geschafft: Der für Eintracht Frankenhain startende Biathlet Max Barchewitz im Ziel nach seinem sensationellen Junioren-Weltmeisteritel  über 15 Kilometer am Montag im schweizerischen Lenzerheide.

Geschafft: Der für Eintracht Frankenhain startende Biathlet Max Barchewitz im Ziel nach seinem sensationellen Junioren-Weltmeisteritel über 15 Kilometer am Montag im schweizerischen Lenzerheide.

Foto: Rolf Simeon/Imago

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Der Geschwendaer Max Barchewitz hat am Montag bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Lenzerheide in der Schweiz den Titel im Einzelrennen über 15 Kilometer gewonnen. Fehlerfrei und im letzten Juniorenjahr genau zur rechten Zeit, denn im Sommer stand für den 21-jährigen Biathleten sogar die Leistungssport-Karriere auf der Kippe. Darüber, wie sein Verein Eintracht Frankenhain ihm dabei helfen konnte und über seine kurz- und langfristigen Zukunftspläne sprach er mit unserer Zeitung am Rande der Junioren-Titelkämpfe.

Glückwunsch zum Junioren-Weltmeistertitel mit einer absolut perfekten Trefferquote. Das gelingt nicht alle Tage und verschaffte Ihnen erstmals auch einen Platz ganz oben auf dem Treppchen bei einem hochrangigen internationalen Rennen.

Danke. Ich bin absolut glücklich, dass es so gut gelaufen ist. Es kam auch für mich völlig überraschend. Vor dem Rennen hatte ich auf einen Top-15-Platz gehofft. Aber so ist es natürlich viel, viel besser.

Am Montag stand Ihr Handy sicherlich nicht mehr still…

Mein Handy hat nicht mehr stillgestanden. Von überall her kamen Glückwünsche, von meiner Familie, Freunden, Trainingskameraden. Per WhatsApp auch von Erik Lesser, Philipp Horn und von meinem ehemaligen Oberhofer Trainer Alexander Wolf. Es haben sich so viele Leute gemeldet, ich konnte mich noch gar nicht bei allen persönlich bedanken.

Wie fühlt man sich als Weltmeister?

Das ist noch ungewohnt, aber es ist riesig. Ich bin stolz darauf.

Grundstein für dieses perfekte Rennen war sicherlich Ihre Schießleistung mit 20 Treffern bei 20 Schüssen, das hat keiner andere Starter geschafft.

Es war trotzdem unwahrscheinlich eng. Vor dem letzten Schießen in der dritten Runde hatte ich nicht gedacht, dass es noch was wird. Ich war schon ziemlich schlapp, doch dann gelang noch einmal ein sauberes Schießen.

Wann waren Sie sich sicher, dass Sie gewonnen haben?

Eigentlich erst im Ziel. Unterwegs hieß es erst, ich bin Erster, dann Zweiter, dann umgedreht. Ich habe mir gesagt, lauf einfach weiter, dann wird es auch eine Medaille.

Es wurde Gold, mit 19 Sekunden vor dem großen Favoriten Soerum.

Der hatte zwei Strafminuten, das war entscheidend. Vor dem letzten Schießen lag ich noch hinter ihm, dann plötzlich knapp 41 Sekunden vorn. Ich habe meinen Focus auf das Schießen gelegt, mir das Rennen dann gut eingeteilt. Was ein Schießfehler ausmachen kann, zeigte dieses Rennen. Ohne den wäre der Norweger klar vorn gewesen.

Die Medaille gibt es erst am Mittwoch nach dem 4 x 7,5-Staffelrennen. Kommt noch eine dazu?

Das wäre natürlich schön. Aber jedes Rennen ist anders. Da kann man keine Prognose abgeben.

Was waren vor dem JWM-Titel bisher Ihre größten Erfolge?

Letztes Jahr der zweite Platz mit der Mixed-Staffel beim IBU Junior-Cup und der deutsche Titel natürlich.

Ihre leistungssportliche Laufbahn stand vergangenen Sommer auf der Kippe. Was war passiert?

Nach meinem Abitur fand ich nicht in eine Sportfördergruppe bei der Bundeswehr oder Polizei. Ich bin nur so etwas wie ein Sternchen-Kader, im erweiterten Kreis also. Da werden erst einmal echte Kaderathleten gefördert. Da war für mich schlicht und ergreifend erst einmal kein Platz mehr.

Das dürfte mit dem Junioren-Weltmeistertitel nun ja sicher anders werden…

Das hoffe ich. Ich bin zuversichtlich.

Sie haben es besonders Ihrem Verein Eintracht Frankenhain zu verdanken, dass es weiterging.

Genau, dort hat man mir erst einmal eine Möglichkeit geboten, damit ich weiter ohne Einschränkungen trainieren kann.

Welche?

Ich arbeite als eine Art Event-Mitarbeiter, helfe im Verein. Zunächst erst einmal bis zum Sommer. Einen Job mit Leistungssport in Einklang zu bringen, ist nicht ganz einfach. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung meines Vereins in Frankenhain und bin schon optimistisch dahingehend, dass es ab Sommer mit einer Behördenstelle klappt.

Wie oft trainieren Sie wöchentlich?

Eigentlich jeden Tag, fünf bis sechs Tage wöchentlich, in der Regel zweimal am Tag.

Ihr Bruder Oscar ist auch bei der Junioren-WM in der Schweiz dabei. Wann startet er?

Er hatte Sonntag sein Einzelrennen, wurde 43. In der Staffel ist er nicht dabei; Freitag im Sprint der Jugend am Start, dann noch Sonntag in der Verfolgung. Im besten Fall kann auch er dort eine Medaille holen.

Starten Sie im Sprint und der Verfolgung auch noch?

Das entscheidet sich noch. Jetzt konzentrieren wir uns nur auf den Staffel-Wettbewerb. Wir sind ein starkes Team, wollen schon gern irgendeine Medaille holen. Wenn man erstmal tiefer stapelt, ist die Überraschung dann größer.

Welche Pläne haben Sie nun? Gemeinsam mit Erik Lesser und Philipp Horn wollen Sie doch sicher gern einen ganz neuen Boom im Frankenhainer und Thüringer Biathlon auslösen?

Das wäre schon was. Es ist im Biathlon in Deutschland sehr hart. Ich bin jetzt im letzten Juniorenjahr, dann geht es zu den Männern. Da werden die Karten ohnehin neu gemischt. Da muss ich mich definitiv wieder hinten anstellen. Da muss man sehen, wie sich alles – wie ich mich entwickle.

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