Biathlon-Bundestrainer Mark Kirchner: „Immer mit der Ruhe“

Östersund  Biathlon-Bundestrainer Mark Kirchner erzählt über sein Erfolgscredo, die WM-Ziele sowie die Superstars Bö und Fourcade.

Volltreffer: Trainer Mark Kirchner aus Scheibe-Alsbach steht für die deutschen Erfolge.

Volltreffer: Trainer Mark Kirchner aus Scheibe-Alsbach steht für die deutschen Erfolge.

Foto: Alexander Hassenstein/getty

Drei Olympiasiege, sieben WM-Titel: Als aktiver Biathlet wurde Mark Kirchner aufgrund seiner Dominanz in den 1990er-Jahren „Außerirdischer“ genannt. Mittlerweile hat der 48-Jährige auch als Trainer alles gewonnen. Vor dem finalen Wochenende bei der WM in Östersund sprachen wir mit dem Thüringer über Peiffer, Bö, Fourcade und die Bemühungen, seinen Athleten die Olympischen Spiele 2022 schmackhaft zu machen.

Herr Kirchner, acht von zwölf WM-Entscheidungen sind gefallen. Wie lautet die Bilanz vor dem Abschlusswochenende?

Ich denke, man kann eindeutig ein positives Fazit ziehen. Es stehen fünf Medaillen zu Buche, davon zwei in Gold. Dazu kommen noch zwei vierte Plätze und gute Anschlussleistungen. Richtige Ausfälle gab es nicht, so dass wir schon zufrieden sein können.

Jetzt stehen noch die Staffeln und Massenstarts an. Was soll dabei herausspringen?

Wir haben ganz klar das Ziel und den Anspruch, auch dort um die Medaillen zu kämpfen. Unsere Qualität und die gezeigten Leistungen stimmen uns positiv.

Donnerstag feierte die Single-Mixed-Staffel als zwölfte Disziplin Ihre WM-Premiere. Wie gefällt Ihnen das neue Format?

Geht so. Sicher war das Rennen speziell und kurzweilig. Aber man muss auch sagen: Irgendwann reichen die Wettkämpfe, die wir haben – gerade von der Belastung für die Athleten her. Das hat nichts damit zu tun, dass wir Vierter geworden sind.

Hätten Sie erwartet, dass der während der Saison überragende Johannes Thingnes Bö hier noch mehr abräumt?

Ich wäre mit bisher dreimal Gold und einmal Silber sehr zufrieden. Dass bei einer so unterschiedlichen Charakteristik der Rennen das eine oder andere mal nicht ganz aufgeht, ist normal. Wir freuen uns jedenfalls, dass wir ihn auch mal schlagen konnten.

Sie haben Ihre Schützlinge in allen Disziplinen zu Weltmeistern geformt. Wie schaffen Sie es, zum Höhepunkt immer ei­nen auf den Thron zu hieven?

Man muss immer die Ruhe bewahren und an sich sowie das Team glauben. Das ist nach unsere Philosophie. Wir hatten eine gute WM-Vorbereitung. In den zehn Tagen in Hochfilzen haben wir die Kraft geschöpft, die es braucht für solch harte Wochen.

Zeichnet die Glaube an sich besonders Einzel-Weltmeister Arnd Peiffer aus?

Ich denke schon. Auch mir hatte man oft gesagt, du kannst nicht schießen. Und irgendwann habe ich auch einmal den Einzel ganz oben auf dem Podium beendet (1991 WM-Gold in Lahti/d.R.). Bei Arnd war es ähnlich. Ihm hatte man der Jugend geraten, er solle lieber schnell schießen, weil er eh nichts trifft. Was dann daraus geworden ist, hat man gesehen.

Martin Fourcade als Dominator der letzten sieben Jahre läuft der Musik hinterher. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Als absolute Größe in Frankreich hatte er etliche Veranstaltungen und Termine wahrgenommen. Das kostet Zeit für das Training. In dem starken Männer-Feld mit Johannes Bö, der ihm im Jahr zuvor schon auf die Hacken getreten ist, wird das dann natürlich schwer. Außerdem stellt sich die Frage: Wie sehr kann sich einer, der alles gleich mehrfach gewonnen hat, noch motivieren? Und vielleicht ist es auch einfach der Lauf der Dinge, dass die Leistungsfähigkeit selbst bei den Besten irgendwann nachlässt.

Wie lange werden Ihnen die Arnd Peiffer, Erik Lesser und Simon Schempp, die ja die 30 mittlerweile auch überschritten haben, erhalten bleiben?

Bis zu den Olympischen Spielen 2022 in Peking müssen sie schon noch zur Stange halten; möglichst bis zur Heim-WM ein Jahr später in Oberhof. Das erzähle ich ihnen auch jeden Tag.

Und: Hilft es?

Wenn man es ihnen oft genug sagt, glauben sie auch daran. Sie wären dann alle mit Mitte 30 ja auch noch nicht zu alt. Wichtig ist, dass sie nach wie vor Spaß und Motivation haben. Dazu gehört, denjenigen wie Arnd und Erik, die jetzt Familie haben, die Rahmenbedingungen so zu schaffen, dass sie es leisten können. Ich kenne das ja selbst, hatte zu meinen aktiven Zeiten auch drei Kinder. Da muss alles gut aufeinander abgestimmt sein.

Sind Nachfolger in Sicht?

Wir waren in diesem Winter bei der Junioren-Weltmeisterschaften und -Europameisterschaften mit etlichen Medaillen so erfolgreich wie lange nicht mehr. Ich verfolge das alles sehr intensiv; auch die Entwicklung der Anschlusskader wie Philipp Horn oder Lucas Fratzscher. Wir hoffen, dass die Jungs recht zeitnah die Mannschaft verstärken können, auch wenn es international insgesamt nur zwölf Plätze zu vergeben gibt. Fratzscher wird beispielsweise eine weitere Chance beim Weltcup-Finale nächste Woche in Oslo bekommen.

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