Denise Herrmann holt ihre erste Biathlon-Medaille in Östersund

Östersund  Denise Herrmann springt für Laura Dahlmeier in die Bresche und holt mit der Mixedstaffel ihre erste Biathlon-Medaille.

Vorneweg: Denise Herrmann war läuferisch auf ihrer Lieblingsstrecke eine Klasse für sich.

Vorneweg: Denise Herrmann war läuferisch auf ihrer Lieblingsstrecke eine Klasse für sich.

Foto: Sven Hoppe/dpa

Sie hatte nur wenig Zeit, um aufgeregt zu sein. Erst am späten Mittwochabend erfuhr Denise Herrmann, dass sie tags darauf mit der Mixedstaffel um die erste Medaille bei der Biathlon-WM in Östersund kämpfen würde. Sie musste Laura Dahlmeier ersetzen, der eine leichte Erkältung zu schaffen machte – und tat dies bravourös.

Nachdem die deutsche Startläuferin Vanessa Hinz knapp 30 Sekunden auf die Spitze eingebüßt hatte, holte die Sächsin den Rückstand nicht nur auf und übergab als Führende an Arnd Peiffer. Sie überstand auch eine Zittereinlage beim Stehendschießen, als sie alle drei Nachladepatronen benötigte.

Am Ende sprang der zweite Platz, 13 Sekunden hinter Topfavorit Norwegen, und 1:09 Minuten vor Italien heraus. Und im Ziel fielen die drei Deutschen ihrem Schlussläufer Benedikt Doll freudestrahlend in die Arme. „Es fühlt sich so gut an“, jubelte Herrmann. „Das ist meine erste Medaille im Biathlon. Sie bedeutet mir so viel.“

Vor knapp drei Jahren war die Sächsin von den Langläufern ins Lager der Skijäger gewechselt. Ein Umstieg, der von steten Fortschritten, aber auch von Zweifeln und einigen Rückschlägen begleitet war. „Jetzt hat sich die harte Arbeit ausgezahlt. Es war eine extreme Ehre für mich, in unserem starken Team überhaupt starten zu dürfen“, meinte sie überglücklich.

Vielleicht dachten die Trainer bei der Nominierung an Herrmanns besondere Beziehung zu dem Ort im mittelschwedischen Jämtland. Bereits in ihrer zweiten Saison hatte sie im Dezember 2017 in Östersund ihre ersten beiden Weltcup-Rennen gewonnen (Sprint, Verfolgung) – und war endgültig im Kreis der Biathleten angekommen.

Zwar fehlte ihr in diesem Winter noch die Konstanz, um im Gesamtweltcup ganz vorn dabei zu sein. Die Bandbreite ihrer Resultate erstreckte sich von Platz 62 (Sprint in Pokljuka) bis zu ihrem Sieg in der Verfolgung von Soldier Hollow. Aber vor allem die glänzend verlaufene WM-Generalprobe in den USA gaben der 30-Jährigen eine Menge Sicherheit und Selbstvertrauen – neben den positiven Erinnerungen an Östersund.

„Ich liebe diese Strecke einfach“, sagte sie im gleißenden Flutlicht des kleinen, aber feinen Skistadions. Das wellige Profil käme ihr als starker Läuferin ohnehin entgegen. Und der Neuschnee, der den gesamten Eröffnungstag über gefallen war, erforderte noch zusätzlich Kraft. „Die stumpfen Bedingungen haben uns in die Karten gespielt“, bestätigte Herrmann und bedankte sich bei den Skitechnikern für „ein enorm schnelles Brett“. Mit diesem unter den Füßen legte sie eine beeindruckende Schlussrunde hin, auf der sie die Konkurrentinnen der Reihe nach einsammelte.

Doch bis es so weit war, musste auch gezittert werden. Liegend blieb sie zwar fehlerlos, im Stehendanschlag gingen jedoch drei Schüsse daneben. Eine Strafrunde drohte. Hinterher gestand sie lächelnd, beim Nachladen „schon ein bisschen geschwitzt“ zu haben. Doch sie meisterte diese knifflige Situation mit großer Nervenstärke.

Und belohnte damit sich und ihre Teamkolleg(inn)en.

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