Denise Herrmann stürmt im Massenstart der Biathlon-WM auf Bronze zu

Östersund  Denise Herrmann holt zum Abschluss der Biathlon-WM in Östersund Bronze im Massenstart, die Männerstaffel Silber.

WM-Medaillensatz: Für Denise Herrmann hat sich der Wechsel vom Skilanglauf zum Biathlon ausgezahlt.

WM-Medaillensatz: Für Denise Herrmann hat sich der Wechsel vom Skilanglauf zum Biathlon ausgezahlt.

Foto: Sven Hoppe/dpa

Die Biathlon-Titelkämpfe im verschneiten Mittelschweden boten mit zwölf Entscheidungen an elf Tagen so viele wie noch nie in der WM-Historie. Und doch fand Denise Herrmann irgendwann Zeit und Muße, sich den schönen Dingen abseits von Strecke und Schießstand zu widmen. Weil sich ihr sportliches Leben in der Kälte und im Schnee abspielt, sucht die Frau aus dem Erzgebirge nach der Saison gern Erholung an einem sonnigen Strand. Und so buchte sie für April einen zwölftägigen Urlaub auf den Malediven: Beine hochlegen, schnorcheln, sich kulinarisch verwöhnen lassen sind dort ihre „Ziele“.

Mit der Reise belohnt sich Herrmann für eine Weltmeisterschaft, bei der sie sich selbst überraschte. Unter den Augen von Schwedens Kronprinzessin Victoria stürmte die Sächsin im Massenstart am Sonntag noch einmal zu Bronze. Sie komplettierte damit ihren Medaillensatz nach Gold in der Verfolgung und Silber mit der Mixedstaffel. Drei Jahre nach ihrem Umstieg vom Langlauf ist sie damit endgültig angekommen in der Weltspitze der Skijäger. „Es fühlt sich verdammt gut an“, sagte die 30-Jährige freudestrahlend. „Dass es hier so gut aufging, darauf bin ich richtig stolz.“

Flockenwirbel und Windböen erfolgreich ignoriert

Den Sieg sowie die Führung im Gesamtweltcup holte sich die Italienerin Dorothea Wierer vor Jekaterina Jurlowa-Percht aus Russland. Knapp drei Stunden später machte Dominik Windisch den italienischen Doppelerfolg perfekt. Der Antholzer war als 13. zur finalen Schießprüfung gekommen, ignorierte Flockenwirbel und Windböen erfolgreich und blieb fehlerfrei. Weil die Konkurrenz reihenweise patzte, Favorit Johannes Thingnes Bö nicht eine Scheibe traf, gewann er vor dem Franzosen Antonin Guigonnat und Julian Eberhardt aus Österreich. Bester Deutscher wurde Arnd Peiffer auf Platz sechs. Auch Laura Dahlmeier hatte die WM als Sechste beendet.

Zuvor musste sie jedoch die herbe Staffel-Enttäuschung verkraften. In der Besetzung Vanessa Hinz, Franziska Hildebrand, Herrmann und Dahlmeier hatten die deutschen Frauen am Samstag die fest eingeplante Medaille vergeben. Insgesamt 14 „Fahrkarten“ und eine Strafrunde von Hinz erwiesen sich als deutlich zu viel. Wenigstens Herrmann konnte sich rehabilitieren und fand: „Der Massenstart war nach der Staffel eine extreme Genugtuung.“ Dass Titelverteidiger Deutschland letztlich nur um eine halbe Sekunde an Bronze vorbeischrammte, war lange nicht absehbar – und schmerzte deshalb umso mehr. Den Sieg holte sich Norwegen vor Schweden und der Ukraine.

Russland war der lachende Dritte

Die deutschen Männer machten es besser. Schlussläufer Benedikt Doll gewann den Zweikampf um Silber gegen Martin Fourcade, dem bei der letzten Schießprüfung die Nerven versagten. Er musste zwei Extrarunden drehen und vergab damit Frankreichs sichere Medaille. Russland war der lachende Dritte. Erik Lesser, Roman Rees, Peiffer und Doll freuten sich derweil über Rang zwei: „Es waren solide Leistungen. Mehr war gegen die Norweger nicht drin“, erklärte Bundestrainer Mark Kirchner gewohnt sachlich. Für die Sprüche im Team ist ohnehin Lesser zuständig. Zum Staffel-Showdown sagte der Oberhofer unverblümt: „Da hat der Benni dem Fourcade gezeigt, wer die dickeren Eier hat.“

Mit sieben Medaillen im Gepäck wird sich die deutsche Mannschaft an diesem Montag auf den Weg zum Weltcup-Finale nach Oslo begeben. Eine Ausbeute, die den Deutschen Skiverband zufriedenstellt. Dennoch sieht Sportdirektorin Karin Orgeldinger Verbesserungs-potenzial: „Wir wollen unsere zweite Reihe näher an die Spitze heranführen und die Basis weiter verbreitern.“ Vielleicht auch mit ehemaligen Langläufern. Da soll es ja gute Beispiele geben.

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