Johannes Thingnes Bö gewinnt WM-Sprint von Östersund

Östersund  Die Konkurrenz verneigt sich vor dem Norweger Johannes Thingnes Bö, welcher beim Biathlon-WM-Sprint von Östersund seiner Favoritenrolle gerecht wurde.

Der erstplatzierte Johannes Thingnes Bö aus Norwegen.

Der erstplatzierte Johannes Thingnes Bö aus Norwegen.

Foto: Matthias Balk/dpa

Am Ende ist in der jämtländischen Provinz das eingetreten, was alle erwartet hatten. Johannes Thignes Bö lieferte im WM-Sprint von Östersund eine weitere eindrucksvolle Machtdemonstration ab. Die vom Norweger zu Statisten degradierte Konkurrenz konnte nur Hochachtung zollen.

„Der ist so unfassbar krass in Form; der kann sich wirklich nur selbst schlagen“, sagte Erik Lesser, als Achter bester Deutscher nach den zehn Kilometern. Arnd Peiffer, immerhin Olympiasieger in dieser Disziplin und direkt hinter Zimmerkumpel Lesser gelandet, nahm es mit Humor: „Wenigstens hat er es sich nicht zu leicht gemacht“, meinte er in Anspielung auf einen Schießpatzer des neuen Titelträgers.

Die fällige Strafrunde lief Bö auf der schweren Strecke jedoch locker heraus. Er hatte im Ziel auf die fehlerlosen Alexander Loginow (Russland) und Quentin Fillon Maillet (Frankreich) gut 13 bzw. 16 Sekunden herausgelaufen. Peiffer sprach von dem „verdientesten Sprint-Weltmeister“, den es geben konnte. Im Hinblick auf die Verfolgung am Sonntag (16.30 Uhr/ARD, Eurosport live) haben er und Lesser auch nur wenig Hoffnung auf Gold: „Da muss er wohl viermal patzen“, unkte der Thüringer - vor vier Jahren selbst Weltmeister im Jagdrennen von Kontiolahti.

Doch die Chance zumindest auf Silber oder Bronze ist für beide bei einem Rückstand von etwa einer halben Minute intakt. Deshalb versprühten die Deutschen, bei denen Benedikt Doll als Elfter (2 Strafrunden) und WM-Debütant Philipp Nawrath als Zwölfter (1) ebenfalls noch in Schlagdistanz liegen, durchaus Zuversicht. „Ich habe in der Vergangenheit ja öfters gezeigt, dass ich mich im Verfolger festbeißen kann“, sagte Lesser.

Er hatte mit einer unglaublichen Geschwindigkeit alle zehn Scheiben abgeräumt - liegend in 18 Sekunden, stehend in 21 - und damit seine starke Schießform bestätigt. Allerdings haderte er mit seinen ersten beiden Laufrunden: „Da hat mir die Power gefehlt. Mehr als eine Minute vom Schnellsten zu kriegen ist nicht mein Anspruch.“

Bevor das deutsche Männer-Quartett seine Aufholjagd starten kann, sind am Sonntag (13.45 Uhr/ARD, Eurosport) die Frauen an der Reihe. Aussichtsreichste Medaillenkandidatin ist die Sprint-Dritte Laura Dahlmeier. Am Freitagabend hatte sie noch hustengeplagt und entkräftet, aber glücklich ihre Bronzeplakette auf dem Rathausplatz empfangen und wollte sich anschließend „nur noch im Bett verkriechen“.

Doch die Sonne lockte sie am Samstag dann doch ins Freie zu einem lockeren Training. „Nach dem Rennen ist vor dem Rennen“, postete die Bayerin mittags in ihrer Instagram-Story zu einem Foto, dass sie beim Langlaufen zeigte. Fraglich ist jedoch, wie sehr ihr die Erkältung, mit der sich Dahlmeier seit der Ankunft in Mittelschweden plagt, zu schaffen machen wird. 12,6 Sekunden beträgt ihr Rückstand auf Sprint-Weltmeisterin Anastasija Kuzmina aus der Slowakei.

Eine gute Ausgangsposition besitzt Denise Herrmann. Die frühere Langläuferin setzte als Sechste im Sprint einmal mehr die Bestzeit in der Loipe und will voll angreifen. 24 Sekunden wird sie hinter Kuzmina ins Rennen gehen. Kein unmögliches Unterfangen, wenn sie vor allem beim Stehendschießen die Nerven behält.

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