Laura Dahlmeier holt mit letzter Kraft Bronze in Östersund

Östersund  Biathlon-WM: Die erkältete Laura Dahlmeier überrascht sich selbst mit der Bronzemedaille im Sprint von Östersund.

Mit einem Ausfallschritt überquert Laura Dahlmeier die Ziellinie und rettet 0,6 Sekunden

Mit einem Ausfallschritt überquert Laura Dahlmeier die Ziellinie und rettet 0,6 Sekunden

Foto: Sven Hoppe/dpa

Greta Thunberg, jene 16-jährige Umweltaktivistin, die seit August am Stockholmer Parlament für eine bessere Klimapolitik demonstriert, ist am Internationalen Frauentag zu Schwedens „Frau des Jahres“ gewählt worden. 600 Kilometer weiter nördlich durfte sich eine deutsche Frau zumindest als „Biathletin des Tages“ fühlen. Und das, obwohl sie den Sprint von Östersund gar nicht dominierte.

Noch am Frühstückstisch hatte Laura Dahlmeier gestern mit dem Gedanken gespielt, nach Hause zu fliegen. Die Halsschmerzen, die sie plötzlich verspürt hatte, als sie am Montag im WM-Ort angekommen war, sind in den letzten Tagen immer stärker geworden. Dazu hatte sich „brutaler Husten“ gesellt. Die Teamkolleginnen waren ihr in der Unterkunft deshalb vorsorglich aus dem Weg gegangen. Glücklicherweise nahm Dahlmeier aber nicht den Bus zum Flughafen, sondern jenen hinauf ins verschneite Skistadion.

Am späten Nachmittag kitzelte die deutsche Ausnahmeathletin nämlich die letzten Reserven aus ihrem angeschlagenen Körper heraus und sicherte sich mit einer beeindruckenden Energieleistung den dritten Platz über 7,5 Kilometer. Den ersten WM-Titel ihrer Karriere gewann die ebenfalls erkältete Slowakin Anastasija Kuzmina trotz einer Strafrunde vor Ingrid Landmark Tandrevold. Die Norwegerin hatte wie Dahlmeier die beiden Schießprüfungen makellos absolviert. Starke Sechste wurde Denise Herrmann mit der besten Laufzeit des 93-köpfigen Feldes. Zwei Fehler im Stehendanschlag hatten ihr Gold gekostet.

Für Dahlmeier indes glänzte die Bronzemedaille golden: „Ich habe selten so kämpfen müssen. Das war ein ganz besonderes Rennen für mich“, gestand sie mit Freudentränen in den Augen. Mit einem langen Ausfallschritt war sie über die Ziellinie gerutscht und hatte die Winzigkeit von 0,6 Sekunden vor der Schwedin Hanna Öberg gerettet. Danach lag die Bayerin mehr als eine Minute völlig erschöpft im Schnee; Betreuer mussten ihr aufhelfen. Als feststand, dass es zu ihrer zwölften WM-Medaille in Folge reichen würde, schüttelte sie ungläubig den Kopf. „Ich habe wohl am meisten gezweifelt, ob ich das packen würde.“ Doch auch eine hoch dekorierte Spitzensportlerin überrascht sich mitunter noch selbst.

Die gesamte Saison war für Dahlmeier alles andere als reibungslos verlaufen. Ein Sturz mit dem Rad, eine Weisheitszahn-OP und etliche Erkältungen hatten sie immer wieder zurückgeworfen. Auch die Kälte in Östersund mit zweistelligen Minusgraden zu Wochenbeginn forderte ihren Tribut. Erneut machten sich Erkältungssymptome bemerkbar, so dass sie vorsichtshalber auf den Einsatz in der Mixedstaffel verzichtete. „Schon vor dem Fernseher habe ich gemerkt, dass es die richtige Entscheidung war“, sagte sie nach dem Sprintrennen. „Vielleicht hat das Auslassen die ein, zwei Prozent gebracht, die mir heute geholfen haben.“

Die anderen Deutschen enttäuschten: Franziska Preuß landete auf Platz 16, Franziska Hildebrand auf Rang 40. Vanessa Hinz verpasste als 65. sogar das Verfolgungsrennen am Sonntag.

Samstag 16.30 Uhr: Männer-Sprint. Sonntag 13.45 Uhr Uhr: Frauen-Verfolgung. 16.30 Uhr: Männer-Verfolgung (ARD live)

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