„Ein magischer Moment“ - René Müller über seine Begegnung mit Maradona

Leipzig.  René Müller, Ex-Nationaltorhüter und Erfurter Aufstiegstrainer, erinnert sich an seine Begegnung mit der verstorbenen Fußballlegende Diego Maradona.

Begrüßung der Kapitäne: Diego Maradona (links), Superstar des SSC Neapel, und Lok Leipzigs Torhüter René Müller. Vor 100.000 Zuschauern an einem denkwürdigen Uefa-Cup-Abend trennen sich beide Mannschaften am 26. Oktober 1988 im Zentralstadion 1:1.

Begrüßung der Kapitäne: Diego Maradona (links), Superstar des SSC Neapel, und Lok Leipzigs Torhüter René Müller. Vor 100.000 Zuschauern an einem denkwürdigen Uefa-Cup-Abend trennen sich beide Mannschaften am 26. Oktober 1988 im Zentralstadion 1:1.

Foto: Klaus-Dieter Gloger / LVZ

Er zählte in den 1980-er Jahren zu den besten Torhütern Europas, bestritt 46 Länderspiele für die DDR und kam auf 39 Europapokal-Einsätze mit Lok Leipzig. Dabei traf René Müller (61) zweimal auch auf Diego Maradona. Begegnungen, die er nie vergessen wird, genauso wie den Zweitliga-Aufstieg 2004 als Trainer mit dem FC Rot-Weiß Erfurt.

Herr Müller, was empfanden Sie, als Sie von Maradonas Tod hörten?

Dass die Welt einen ganz Großen verloren hat. Einen, der in Extremen gelebt hat – auf und neben dem Platz: Erst in bitterer Armut als Kind in Buenos Aires und dann in einem alles andere als einfachen Umfeld in Neapel. Wer weiß, was dies alles mit uns gemacht hätte. Deshalb ist es schon tragisch, wie sein Leben verlief.

Im Herbst 1988 spielten Sie mit Lok Leipzig im Uefa-Cup zweimal gegen ihn und den SSC Neapel. Wie haben Sie Maradona damals erlebt?

Als einen Mann, dem alle zu Füßen lagen; der aber trotzdem sehr sympathisch war. Vor dem Hinspiel in Leipzig ist er als Letzter zum Warmmachen auf den Platz gekommen und hat im Mittelkreis erst einmal mit dem Ball jongliert. Die Zuschauer tobten, und auch für uns war dies ein magischer Moment.

Sie tauschten als Kapitän auch den Vereinswimpel mit ihm.

Ja, das gehörte dazu. Das habe ich ja auch mit Platini oder Shilton getan. Ich wollte mich immer mit den Besten messen. Sie zählten zweifellos dazu. Gegen Neapel war damals mehr drin, als das 1:1 zu Hause. Denen reichte ein Konter für das Tor. Das Rückspiel haben wir dann leider 0:2 verloren.

War Maradona der beste Fußballer aller Zeiten?

Er war der Beste seiner Zeit. Über mehrere Jahrzehnte hinweg kann man Sportler nicht miteinander vergleichen, weil sich vieles verändert hat – die Platzbedingungen, die Trainingsmethoden, die medizinische Betreuung. Aber klar, Maradona war ein Über-Fußballer, wie Pelé vor ihm oder Messi und Cristiano Ronaldo heute.

Die DFB-Elf macht indes derzeit wenig Freude. Was lief da schief?

Man hätte sich nach der WM 2018 von Joachim Löw trennen müssen, um einen Neuanfang zu starten. Es krankt in Deutschland seit Langem an der Ausbildung; wir haben einen Talente-Schwund. Es gibt keinen richtigen „Neuner“ und schon ewig keinen Linksverteidiger von internationalem Format mehr. Ich sehe schwarz für die Zukunft.

Wäre da nicht der Trainer René Müller gefragt?

Das Kapitel ist abgehakt. Ich bin jetzt im neunten Jahr für Borussia Mönchengladbach als Scout tätig. Als im April 2011 in Nürnberg Schluss war, habe ich mich bewusst dafür entschieden.

Sie hätten nach Erfurt zurückkommen können. Den FC Rot-Weiß haben Sie 2004 überraschend in die 2. Bundesliga geführt.

Das war zwar als Trainer einer meiner schönsten Momente. Und die Anfrage gab es auch im Herbst 2011 von Torsten Traub. Doch eine Rückkehr kam für mich nicht infrage. Es wurde nach dem Aufstieg ja kein Stein in die Hand genommen, um die Bedingungen zu verbessern. Wenn eine Region finanziell nicht einmal nach einem Zweitliga-Aufstieg mitzieht, dann bringt es nichts.

Mittlerweile ist der Verein insolvent und nur noch fünftklassig.

Das kommt dabei heraus, wenn es keine geordnete Struktur im Verein gibt; zu viele mitreden und zu viele falsche Entscheidungen getroffen werden. Einfach nur traurig.