FC Rot-Weiß Erfurt: Insolvenzverwalter Reinhardt stellt Strafanzeige gegen Investor

Erfurt.  Volker Reinhardt, der Insolvenzverwalter des FC Rot-Weiß Erfurt, wehrt sich gegen einen Besuch des Gerichtsvollziehers.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt

Foto: Sascha Fromm (Archiv)

Im Januar sind die Regionalliga-Träume des FC Rot-Weiß Erfurt jäh geplatzt. Insolvenzverwalter Volker Reinhardt meldete die erste Mannschaft vom Spielbetrieb ab und überwarf sich mit dem Hauptinvestor, dem Leipziger Un­ternehmen „A. S. G. V. Grundbesitz und Verwaltung GmbH“. Der Streit mündete in juristische Turbulenzen zwischen beiden Seiten. Nun ist die nächste Runde eingeläutet.

Reinhardt kündigte eine Strafanzeige gegen A.S.G.V.-Geschäftsführer Andreas Scheibe und Rechtsanwalt Christian Zoller an und begründete diese mit Titelmissbrauch und verschiedenen Vermögensdelikten. Beide hatten beim Amtsgericht Sömmerda einen Vollstreckungstitel erwirkt, wie die Bild-Zeitung berichtete. Daraufhin bekam Reinhardt am Montag zu Hause Besuch vom Gerichtsvollzieher. Die Behörde bestätigte inzwischen die Durchsuchung auf Anfrage dieser Zeitung.

Privatkrieg zwischen Reinhardt und dem Leipziger Investor

Dem Privatkrieg zwischen Reinhardt und dem Leipziger Investor liegt eine persönliche Bürgschaft des Insolvenzverwalters zugrunde. Diese sei auf Druck von Scheibe zustande gekommen und notwendig gewesen, um den FC Rot-Weiß Erfurt zu erhalten und den Einstieg des Investors zu ermöglichen, begründete Reinhardt. Aus seiner Sicht ist die Bürgschaft aber nicht wirksam, weil der Vertrag mit dem Investor nie zustande gekommen sei. Dass das Leipziger Unternehmen nun Geld eintreiben will – die Rede ist von 1,4 Millionen Euro – bezeichnet der Insolvenzverwalter als Schmutzkampagne. „Im Rahmen einer Vollstreckungsgegenklage hat das zuständige Gericht bereits die Einstellung der Vollstreckung gegen eine Sicherheitsleistung beschlossen“, sagte Reinhardt.

Vor genau einem Jahr malten beide Seiten die Zukunft des FC Rot-Weiß noch in rosa Farben. Scheibe wurde als einer der Investoren präsentiert. Reinhardt bezeichnete ihn damals als integre Persönlichkeit. Die „A.S.G.V. Grundbesitz und Verwaltung“ sollte 40 Prozent der Anteile an der neuen GmbH übernehmen. Dazu kam es nie. Längst ist das Tischtuch zerschnitten.

Scheibe sieht sich von Reinhardt getäuscht

Als im Dezember 2019 die Eintragung der neuen Spielbetriebs- GmbH ins Handelsregister mangels ausreichenden Kapitals scheiterte, sah sich Scheibe getäuscht und verklagte Reinhardt. Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft wurde inzwischen eingestellt. Der Insolvenzverwalter hatte dagegen stets erklärt, Scheibe habe ausgehandelte Verträge nicht eingehalten. Dieser schickte nun die Gerichtsvollzieher in die Spur.

Die Turbulenzen treffen den FC Rot-Weiß Erfurt zur Unzeit. Das Präsidium hat sich neu aufgestellt und ringt um Vertrauen, die in eine neue GmbH ausgegliederte erste Mannschaft ist nach einem sportlichen Fehlstart in der Oberliga seit vier Spielen siegreich. Weil sogar von vorläufigen Zahlungsverboten für ehemalige und aktuelle Partner des Clubs die Rede war, erklärte der FC Rot-Weiß in einer Mitteilung, dass die Auseinandersetzung zwischen Reinhardt und dem einstigen Investor keinen aktuellen Bezug zu Verein oder GmbH habe.

Weder GmbH noch der Verein werden in Haftung genommen

„Weder die GmbH noch der Verein werden hier in Haftung genommen, alle derzeit besprochenen und zugesagten Unterstützungen dürfen der ersten Mannschaft und dem Verein zur Verfügung gestellt werden und helfen, die Nachwuchs-Akademie und somit die sportliche und pädagogische Ausbildung von über 130 Kindern und Jugendlichen als festen Bestandteil des Vereins zu sichern“, teilte der Club mit.

Volker Reinhardt, der das Insolvenzverfahren im kommenden Frühjahr nach Einigung mit den 132 Gläubigern abschließen will, spricht derweil von Verleumdung. Behauptungen, im Zuge einer Zwangsvollstreckung könnten gar die Gehälter der Mitarbeiter seiner Kanzlei gepfändet werden, bezeichnete er als absurd. Rechtsanwalt Zoller, der die „A. S. G. V. Grundbesitz und Verwaltung GmbH“ vertritt, ließ eine Anfrage dieser Zeitung zum Vorgang unbeantwortet.

Das könnte Sie auch interessieren: