Wie der Ex-Erfurter Hassine Refai sein sportliches Glück wiederfand

Erfurt.  Beim FC Rot-Weiß spielte Hassine Refai keine Sekunde - weil die Ausländerbehörde ihm kein Arbeitserlaubnis ausstellte. In Wuppertal bekam der gebürtige Tunesier sie umgehend und darf wieder Fußball spielen - wenn Corona vorbei ist.

Hassine Refai (knieend vorn) im Kreis der Wuppertaler Spieler.

Hassine Refai (knieend vorn) im Kreis der Wuppertaler Spieler.

Foto: Stefan Rittershaus / FUNKE Foto Services

Fünf Minuten lang schwebte Hassine Refai auf Wolke sieben und registrierte fast schon vergessene Momente des Glücks. „Das war ein Hammergefühl. Durch die Nachspielzeit waren es sogar ein paar Augenblicke mehr“, sagt der Abwehrspieler über seine ersten zwei Kurzeinsätze für den Wuppertaler SV in der Fußball-Regionalliga West. Nur Wochen zuvor schien er in Thüringen in eine Sackgasse geraten zu sein. Erst verweigerten die Behörden dem Fußballer des FC Rot-Weiß Erfurt die Arbeitserlaubnis, dann stellte der insolvente Klub im Januar den Spielbetrieb ein. Dass nun die Corona-Krise ihn zum zweiten Mal in dieser Saison ausbremst, soll eine Momentaufnahme bleiben.

„Die Monate in Erfurt waren für mich keine einfache Zeit“, sagt der Tunesier, der im vergangenen Sommer vom damaligen Trainer Thomas Brdaric zum einstigen Drittligisten gekommen war. Sein großer Wunsch, nun in der vierten Liga den nächsten Schritt in seiner Karriere auf dem Weg zum Profi zu vollziehen, erfüllte sich nicht. Zwar hatte er bei seinem neuen Verein einen gültigen Arbeitsvertrag unterzeichnet, aber die Ausländerbehörde in Erfurt stellte ihm trotz vorhandener Aufenthaltsgenehmigung bis März 2020 keine Arbeitserlaubnis aus. Seine Versuche, die Angelegenheit zu klären, liefen stets ins Leere.

Refai lebt seit fünf Jahren in Deutschland

Als sich im Januar beim FC Rot-Weiß die Ereignisse nach der gescheiterten Ausgliederung der Profiabteilung überschlugen, war auch der 20 Jahre alte Fußballer zum Handeln gezwungen. Erst war er bei Fortuna Köln im Gespräch. Einen Tag vor dem Ende der Transferperiode – Rot-Weiß hatte sich tags zuvor vom Spielbetrieb abgemeldet – erhielt er schließlich einen Vertrag beim Wuppertaler SV.

Was in Erfurt schier unmöglich war, klärte sich plötzlich in seiner Wahlheimat Leverkusen in wenigen Tagen wie von selbst. „Meine Aufenthaltserlaubnis wurde bis zum Sommer bestätigt. Wenn meine Akte aus Erfurt hier bei der Behörde angekommen ist, wird sie um zwei Jahre verlängert. Es war auch kein Problem, mir eine Arbeitserlaubnis auszustellen“, sagt Refai, der inzwischen seit fünf Jahren in Deutschland lebt, längst perfekt die deutsche Sprache beherrscht, hier das Abitur abgelegt hat und im kommenden Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen will.

„Ich bin mir sicher, dass ich meine Chance bekomme“

Nun also kann der Fußball im Mittelpunkt seines Lebens stehen. Dass wegen der Corona-Krise vorerst alle Spiele abgesagt wurden, soll ihn nicht aufhalten. „Ich freue mich darauf, wenn es wieder losgeht. In Wuppertal bin ich gut aufgenommen worden“, sagt der 1,89 Meter große Defensivmann. Hier besitzt er zunächst einen Vertrag bis zum Saisonende, in einem Testspiel im Februar durfte er sogar schon über 90 Minuten ran. Refai, der einst in der Junioren-Bundesliga bei Fortuna Düsseldorf und Fortuna Köln kickte und dabei von Thomas Brdaric entdeckt und zum FC Rot-Weiß gelotst wurde, glaubt fest an seine Zukunft: „Ich bin mir sicher, dass ich meine Chance bekomme.“

Verbittert ist er beim Blick zurück auf die letztlich verlorenen Monate in Erfurt keineswegs. Ja, solch eine Situation will er nicht noch einmal erleben. Aber es sei nicht alles schlecht gewesen: „Und es ist ein Stück Lebenserfahrung, die ich aus der Zeit beim FC Rot-Weiß mitgenommen habe.“

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