Eine Million Euro weniger für Landesportbund befürchtet

Mit Rolf Beilschmidt vom Landessportbund sprach Dirk Pille über die Erwartungen an die Sportministerkonferenz.

Rolf Beilschmidt (58) ist Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Thüringen. Als Hochspringer stellte er 1977 mit 2,31 m einen DDR-Rekord auf. Foto: Alexander Volkmann

Rolf Beilschmidt (58) ist Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Thüringen. Als Hochspringer stellte er 1977 mit 2,31 m einen DDR-Rekord auf. Foto: Alexander Volkmann

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Auf der Sportministerkonferenz, die am Donnerstag in Weimar beginnt, wird es einen Vortrag zum Doping im Westen geben. Empfinden Sie Genugtuung, dass auch dieses Kapitel endlich aufgearbeitet wird?

Es ist gut, dass nun belegt wird, dass auch im Westen nicht nur von Einzelpersonen gedopt wurde, sondern auch der Staat und Verbände eingebunden waren. Hierzulande gab es schon ein Gefühl des ungerechten Umgangs mit dem DDR-Doping. Die Frage ist nun, ob Namen und Hausnummern aus dem Westen genannt werden oder ob sie in der Untersuchung anonym bleiben.

Sie haben mit Hans Jochen Spilker seit fast zwei Jahrzehnten einen ehemaligen Leichtathletik-Trainer im Präsidium, der im Westen gedopt hat. Bleibt er Vizepräsident?

Die Besetzung des Präsidiums bei der Wahl auf dem Landessportbund im nächsten Jahr ist momentan kein Thema. Herr Spilker hatte sich von Beginn unserer Zusammenarbeit kritisch und offen zu seiner Vergangenheit bekannt. Bei den jeweiligen Wahlen zum Präsidium des Landessportbundes waren den anwesenden Mitgliedern seine Dopingverwicklungen bekannt.

Hat Herr Spilker erkennen lassen, ob er 2012 wieder kandidieren will?

Nein, bisher nicht.

Gab es Proteste gegen Spilker?

Es gab Rückfragen aus der Mitgliedschaft zu dem Fall, aber auch anonyme Schreiben.

Die Nada beklagt, zu wenig Geld für den Antidopingkampf zu haben. Trifft das auch für die unabhängige Beratungsstelle in Jena zu?

Es gab dort Probleme. Prinzipiell sollten sich auch die Sportministerien der Länder und die Landessportbünde finanziell an Präventionsprojekten beteiligen und den Dopingkampf nicht nur dem Bund überlassen.

Bringt die aktuelle Einigung der Länder über die Lizensierung privater Sportwetten-Anbieter dem Thüringer Sport künftig mehr Geld?

Derzeit müssen wir leider befürchten, etwa eine Million Euro weniger zu erhalten. So lautet die Lotto-Prognose 2012.

Die Mindestförderung von 8,8 Millionen für den Thüringer Sport läuft zum Jahresende aus. Im bisherigen Haushalt ist eine Verlängerung nicht vorgesehen. Ob die Erlöse aus der Besteuerrung der privaten Sportwetten-Anbieter gemeinützigen Zwecken zukommen, ist nicht bekannt. Wir versuchen, in intensiven Gesprächen eine Kürzung unserer Förderung zu vermeiden. Bis Ende November brauchen wir eine politische Entscheidung, damit sie im Haushalt für 2012 wirksam wird.

In diesen Zeiten kommt dem Ehrenamt viel Bedeutung zu. Wie ist die Lage in Thüringen?

Wir haben 60.000 Ehrenamtliche im Thüringer Sport, die pro Monat durchschnittlich 17,9 Stunden Freizeit opfern und damit 1,74 Millionen Arbeitsstunden leisten. Das entspricht 16,83 Millionen Euro. Doch die Bereitschaft zu ehrenamtlicher Arbeit nimmt ab. Deshalb werden wir in zwei Wochen ein Konzept verabschieden. Wir brauchen Ideen und Motivation.

Über die bessere Würdigung des Ehrenamts werden auch die Sportminister in Weimar beraten. Worum geht es noch?

Ein Thema wird die Prävention gegen sexuelle Gewalt sein. Es soll ein polizeiliches Führungszeugnis für Übungsleiter, die mit jungen Leuten zu tun haben, vorgeschrieben werden. Zunächst war geplant, es von allen Ehrenamtlichen zu verlangen. Doch was soll das, wenn eine 65-Jährige eine Frauen-Gymnastikgruppe leitet. Das Führungszeugnis wird zudem das Problem nicht lösen. Wichtiger ist eine Ausbildung der Betreuer, Signale von Missbrauch auch in der Familie zu erkennen.

DOSB-Präsident Thomas Bach wird sich bei den Ländern für eine erneute deutsche Olympia-Bewerbung einsetzen. Ist Thüringens Sport auch dafür?

Als Wintersportland unterstützen wir Bach. Ob eine Bewerbung 2022 oder 2026 chancenreicher ist, entscheidet wohl die Wahl, welcher Kontinent die Sommerspiele 2020 bekommt.

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