Wie eine Eins: Thüringer HC dank starker Torhüterin in der Europa-Liga

Blomberg.  Die Abwehr stand und wie ein Fels darin Torhüterin Marie Davidsen. Dank einer famosen Teamleistung triumphierten dieTHC-Handballerinnen bei Blomberg und zogen in die Europa-Liga-Gruppenphase ein

Torhüterin Marie Skurtveit Davidsen

Torhüterin Marie Skurtveit Davidsen

Foto: Sascha Fromm

Die Umarmungen der Spielerinnen gingen in eine weitere Runde, auf Krücken hüpfte Trainer Herbert Müller zu Emma Ekenman-Fernis, die am Knöchel behandelt wurde. Und Marketa Jerabkova pulte das Tape vom kleinen geschwollenen Finger. „Keine große Sache im Handball“, meinte die Tschechin vor Kurzem. Seit zwei Wochen schlägt sie sich damit herum – und mit ihrem THC wie kaum ein anderes Bundesliga-Team durch die englischen Wochen. Am Samstag waren die Strapazen vergessen, Rückschläge – und alle Schmerzen.

Die beinahe totgesagte Mission European League lebt. Und wie. Mit einer Energieleistung haben die THC-Frauen noch das Ticket für die Gruppenphase gebucht. Ähnlich dem Liga-Duell Anfang Oktober (36:28) ließ die Mannschaft um Top-Werferin Nina Neidhart (acht Tore) Blomberg-Lippe deutlich mit einem 30:20 (15:12) hinter sich und pulverisierte den Vier-Tore-Rückstand aus dem 27:31 im Hinspiel.

Viel Lob von Trainer Müller

„In bin sehr glücklich und stolz, wie die Mannschaft aufgetreten ist“, lobte Trainer Herbert Müller. Konstanz, großen Willen und den Teamgeist hob er heraus. Neben Jerabkova bissen sich auch Lydia Jakubisova, Beate Scheffknecht und Kerstin Kündig mit Blessuren durch.

Ehe sich die Nationalspielerinnen am Sonntag zur EM-Vorbereitung und zu Lehrgängen aufmachten, mobilisierten die THC-Frauen nach zwei englischen Wochen alle Kräfte, um die Hypothek vom ersten Aufeinandertreffen zu tilgen. Dank dem herausragenden Abwehrverhalten ließen sie das Tempospiel des Überraschungsteams diesmal nicht zu und schufen die Basis, um die erste Halbzeit (15:12) schon mit drei Toren Plus für sich zu entscheiden.

Nach 45 Minuten weit über allen Erwartungen

„Vier Tore sind grenzwertig“, sagte Herbert Müller. Nach dem Hinspiel sprach er von einer sehr schweren, aber lösbaren Aufgabe. Rein mathematisch sah seine Rechnung vor, ein Tor pro Viertelstunde gutzumachen, um so mindestens Gleichstand zu erzielen. Nach 15 Minuten lag sein Team im Plan, nach 30 einen Treffer über Soll und nach 45 weit über allen Erwartungen.

Per Heber stellte Kapitänin Jakubisova kurz nach Wiederbeginn den Gleichstand in der Addition der Resultate her, ehe Kündig ihr Team in Vorhand brachte (17:12/32.). Blomberg musste nun mehr riskieren. Im THC-Tor erwies sich Marie Davidsen aber als Riesenrückhalt, meisterte fünf Würfe in Folge. Gut elf Minuten lang ließ die Norwegerin kein Gegentor zu. Und das bei zwei Zeitstrafen gegen ihr Team in jener Phase. „Marie ist eine Weltklasse-Torhüterin“, bekräftigte Helfried Müller. Er lobte das Unterstützen in allen Abwehr-Lagen, das der 27-jährigen Torfrau half und ihr nach der Nachnominierung in den EM-Kader weiteres Selbstvertrauen verlieh.

Zehn-Tore-Führung nach 42 Minuten

Und im Angriff kehrte das Glück zurück, das dem THC zuletzt etwas gefehlt hatte. Im Nachsetzen etwa traf Neidhart zum Zehn-Tore-Plus (22:12/40.). Asli Iskit erhöhte nach drei Viertel der Spielzeit auf elf Tore (24:13), ehe erneut die hinten wie vorne stark aufspielende Österreicherin mit Tor Nummer 8 den THC-Schlusspunkt setzte (30:19/59.) – und eine klasse Team-Leistung mit dem Sprung in die Europa-League-Hauptrunde belohnte.

Die Gruppenphase soll am 9. Januar beginnen. In der Premierensaison nach der Reform stellt sich der zweithöchste europäische Klubwettbewerb verzerrt dar. Nach dem Reiseverzicht nach Russland von Metzingen ist Krasnodar kampflos weiter; außerdem Astrachan und Lublin. Ein Sieg über Most (42:41) genügte Ungarns Váci NKSE, um unter den letzten 16 Teams zu sein. Weil der ungarische Erstligist Fehervar KC entschied, infolge der strengen Coronaauflagen nicht nach Norwegen zu reisen, kam Storhamar ebenso ohne Zutun weiter.

Gespannt erwartet Herbert Müller die Auslosung der Gruppenphase am Dienstag und die Ziehung des DHB-Pokal-Viertelfinals am Mittwoch. In Gedanken aber ist bereits die nächste Hammeraufgabe, am 27. Dezember geht’s gegen Spitzenreiter Dortmund. „Da kommt einiges auf uns zu“, weiß Herbert Müller. In der Hoffnung, dass die Abwehr auch dann wie eine Eins steht.