Thüringens Beste in der Landwirtschaft

Haina  Deborah Vennemann, die in der Burgmühle Haina Landwirtin lernt, ist als Jahrgangsbeste ausgezeichnet worden

In der Sonderkategorie Freie Ausbildung ist Deborah Vennemann bei den Grünen Berufen vom Thüringer Landwirtschaftsministerium als Jahrgangsbeste ausgezeichnet worden. Die 22-Jährige lernt Landwirtin in der Burgmühle Haina und hat dabei auch mit Kühen wie Sissel zu tun.

In der Sonderkategorie Freie Ausbildung ist Deborah Vennemann bei den Grünen Berufen vom Thüringer Landwirtschaftsministerium als Jahrgangsbeste ausgezeichnet worden. Die 22-Jährige lernt Landwirtin in der Burgmühle Haina und hat dabei auch mit Kühen wie Sissel zu tun.

Foto: Claudia Klinger

Sie ist in einer Großstadt aufgewachsen – in Berlin. Jetzt lebt sie „in der Pampa“, wie sie sagt, und findet das völlig in Ordnung. Seit März dieses Jahres erst lernt Deborah Vennemann in der Kooperative in der Burgmühle Haina Landwirtin in freier Ausbildung und ist in dieser Kategorie gerade vom Thüringer Landwirtschaftsministerium als Jahrgangsbeste ausgezeichnet worden.

„Das lag wohl an meiner Projektidee, die ich eingereicht habe“, sagt die 22-Jährige. Denn die junge Frau mit den kurzen Haaren hat sich intensiv mit solidarischer Landwirtschaft beschäftigt. Als sie in Witzenhausen (Hessen) ökologische Agrarwissenschaft studierte, ist sie mit dem Thema in Berührung gekommen. „In der Umgebung gibt es einige Betriebe, die nach diesem Prinzip geführt werden. Grundidee ist, dass Mitglieder von außen mit konstanten finanziellen Beiträgen einen Hof unterstützen und von ihm Produkte beziehen. So wird das Risiko für die Landwirte deutlich reduziert. Ich könnte mir auch vorstellen, später einen solchen Hof zu führen“, sagt sie.

Doch jetzt konzentriert sich Deborah Vennemann erst mal auf ihre vierjährige Ausbildung. „Das Studium hatte ich abgebrochen, weil ich gemerkt habe, dass mir die Theorie nicht so liegt. Ich wollte praktisch arbeiten und habe nach einem Hof gesucht, auf dem ich nahe dran bin an aller landwirtschaftlichen Arbeit und viel lernen kann.“ In der Burgmühle Haina hat sie diesen Betrieb bei Karin und Reiko Wöllert gefunden.

Bereicherung auch für den Ausbildungsbetrieb

Dort leben fünf Kühe, eine kleine Ziegenherde und Schweine. Deborahs Hund genießt die neue Freiheit in der Pampa und verträgt sich mit den anderen Haustieren wie Hund und Katze bestens. „Ich habe inzwischen richtig gut Melken gelernt. Bei den Kühen geht es mir besser von der Hand als bei den Ziegen. Die Kühe mag ich auch als Tiere mehr“, sagt die Auszubildende.

Sie ist zu einem sicheren Traktorfahrer geworden, kann auch mit einem Hänger rangieren, hat bei der Heuernte geholfen, weiß inzwischen um die anspruchsollen hygienischen Bestimmungen und lebt mit auf dem Hof. „Die Arbeit ist unglaublich vielfältig, weil ich wirklich an allem beteiligt bin“, so Deborah Vennemann.

Das gilt auch für die Käserei, denn Karin Wöllert produziert aus Ziegen- und Kuhmilch verschiedene Käsesorten. Sie bietet im Hofladen aber auch Milch und Joghurt an. Für den Verkaufstag am Freitag wird im Holzofen Brot gebacken.

Die Wöllerts sehen es als Bereicherung, einen Lehrling zu haben. „Den ersten hatten wir ein Jahr zuvor. Er hat dann gewechselt.

Deborah ist unsere zweite Auszubildende“, sagt Reiko Wöllert. Insbesondere, seit er vor zwei Jahren die Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft in Thüringen übernommen hat, sei ein Lehrling auch eine wichtige Hilfe im Betrieb und sorge für Entlastung.

„Vor allem aber halte ich es für notwendig, unser Wissen an die nächste Generation weiter zu geben.

Die staatliche Ausbildung zum Landwirt ist auf die Großbetriebe konzentriert – einen Hof zum Versorgen der eigenen Familie und für einen kleinen Kundenkreis zu führen, lernt man da nicht“, meint Reiko Wöllert. Er hat sich gerade entschlossen, ab 1. März des nächsten Jahres eine zweite Auszubildende einzustellen.

Deborah Vennemann wird zwei Jahre in der Burgmühle in Haina bleiben, ehe sie den bei der freien Ausbildung geforderten Wechsel des Unternehmens angehen will.

„Ich möchte noch in einem Gemüsebetrieb lernen“, sagt sie zu ihrem Plan. Ein zweites Jahr bei den Wöllerts hängt sie auch deshalb dran, weil sie eigene Ideen einbringen und mit entscheiden darf.