Vor 50 Jahren: Bundesgerichtshof verbietet Roman „Mephisto“ von Klaus Mann

Erfurt  Verletzt der Roman die Persönlichkeitsrechte des Schauspielers? Adoptivsohn und Alleinerbe von Gustaf Gründgens klagte gegen grobe Entstellung von dessen Lebensbild.

Gustaf Gründgens als Mephisto 1959 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Archiv-

Gustaf Gründgens als Mephisto 1959 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Archiv-

Foto: Gerd Herold/dpa

Verletzt der Roman „Mephisto“ von Klaus Mann die Persönlichkeitsrechte des Schauspielers Gustaf Gründgens? „Ja“, sagte der Bundesgerichtshof heute vor 50 Jahren. Mit seinem seitdem viel zitierten „Mephisto“-Urteil (Aktenzeichen BGHZ 50, 133) zum Persönlichkeitsschutz Verstorbener entschied es am 20. März 1968 zugunsten des Gründgens-Alleinerben Peter Gorski und gegen die unbegrenzte Kunstfreiheit. Der Adop- tivsohn sah in der Figur des Hendrik Höfgen eine Ehrverletzung. Im Richterspruch hieß es, der Verstorbene hinterlasse seinen Tod überdauernde immaterielle Güter, die verletzbar und auch posthum schutzwürdig sind. Der Roman sei eine grobe Entstellung des Lebensbildes. Seitdem ist „Mephisto“ offiziell verboten. Die Berufung vor dem Bundesverfassungsgericht endete 1971 mit einem Unentschieden (3:3) der Richter, die Sanktionierung blieb.

Mit seiner Verfilmung setzte sich Regisseur István Szabó 1981 aber darüber hinweg. Bald darauf konnte der Roman wieder verkauft werden. In der DDR blieb das Buch erhältlich.

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