Gothas Feuerwehr in voller Montur: 100 Kilometer für Wünscheauto

Gotha  Beim zweiten Spendenlauf von Feuerwehren und Technischem Hilfswerk in Gotha wachsen viele Teilnehmer über sich hinaus.

Pascal Lapatke (33) aus Tecklenburg bei Osnabrück wird nach 100 Kilometern im Ziel mit Küsschen von Henry und Finja begrüßt.

Pascal Lapatke (33) aus Tecklenburg bei Osnabrück wird nach 100 Kilometern im Ziel mit Küsschen von Henry und Finja begrüßt.

Foto: Claudia Klinger

11.552,91 Euro. Diese vorläufige Summe für das Wünscheauto des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Jena nannte Cheforganisator Michel Mallon aus Waltershausen als Ergebnis des zweiten 100-Kilometer-Spendenlaufes von Feuerwehrleuten und Mitgliedern des Technischen Hilfswerkes (THW) durch den Landkreis Gotha. Der Wünschewagen erfüllt Menschen in ihrer letzten Lebensphase einen Herzenswunsch und fährt sie mit ihren Familien und Freunden noch einmal an ihren Lieblingsort.

Am Ostersamstagnachmittag waren vom Domizil des THW-Ortsverbandes Gotha aus 129 Einzelstarter sowie 87 Staffelmitglieder auf die Runde gegangen – in voller Montur mit Atemschutzgeräten auf dem Rücken.

Längst nicht alle erreichten das Ziel in der Schlegelstraße im Laufe des Ostersonntags wieder, denn das sonnige und warme Wetter forderte genauso seinen Tribut wie wund gelaufene Füße. So war eine Feuerwehrsportgruppe aus Bochum noch voller Elan gestartet, musste in der Nacht dann jedoch aufgeben.

Ein Quartett beißt sich zusammen durch

Komplett 100 Kilometer aber schaffte dennoch so mancher Starter. Pascal Lapatke (33) aus Tecklenburg bei Osnabrück zum Beispiel, der im Ziel mit Küsschen von seinen Kindern Henry und Finja begrüßt wurde. Mit ihm die 100 Kilometer bewältigte Stefan Kasting (47) aus Albersloh bei Münster. Er hatte im Vorfeld um Unterstützer für seinen Lauf gebeten und so schon 1650 Euro für die Spendenbox mitgebracht.

Nach genau 24 Stunden erreichten als letzte Anja Ludwig aus Kornwestheim, Sascha Roth aus Saarlouis, Jan Offenberg aus Kaifenheim (Eifel) und Ralf Haberzettl aus der Lutherstadt Wittenberg, mit 57 Jahren der älteste, das Ziel.

Die Hälfte der Strecke liefen sie durch Zufall zusammen und ermunterten sich immer wieder gegenseitig, gemeinsam durchzuhalten. „Es ist unglaublich“, sagte Anja Ludwig mit Tränen in den Augen. „Bei 60 Kilometern wollte ich aufhören und habe mich dann doch alle fünf Kilometer überreden lassen, weiter zu gehen. Irgendwann habe ich den Kopf ausgeschaltet“, so die 28-Jährige.

Sogar aus der Schweiz angereist

Eine Stunde zuvor war die Staffel der Freiwilligen Feuerwehr Tambach-Dietharz gemeinsam ins Ziel gelaufen. Genau wie die Sonneborner Feuerwehrleute, die mit Hochheimern eine Staffel bildeten, und alle anderen Teilnehmer, die aus ganz Deutschland kamen, erhielten sie Urkunden und eine Erinnerungsmedaille. Aus dem Kreis Gotha waren zudem das Technische Hilfswerk, Feuerwehrleute aus Waltershausen, Gotha-Stadtmitte und Crawinkel am Start. Für Crawinkel lief Landrat Onno Eckert (SPD) mit, der zu dieser Wehr gehört.

Die weiteste Anreise hatte übrigens Einzelstarter Patrick Schwab aus der Schweiz. An ihren Geburtstagen nahmen Isabella Rohrer und Stephan Hanisch den Marsch in Angriff.

Herbert Christ aus Waltershausen absolvierte als Staffelläufer am Anfang zehn Kilometer und die letzten 50. „Damit habe ich 60 Kilometer zu Buche stehen“, strahlte er im Ziel mit schweißüberströmtem Gesicht – genau wie Tobias Trautwein aus Waltershausen, der mit Christ ins Ziel lief.

Dritte Auflage bereits jetzt begehrt

Sie und alle anderen Starter freuten sich über die Unterstützung an der Strecke – viele Feuerwehren betreuten Verpflegungspunkte oder machten einfach Mut. „In Wangenheim stand gefühlt das ganze Dorf Spalier“, sagte Michel Mallon. „Die Logistik hat schon besser funktioniert als bei der Premiere. Wir müssen aber noch eine Lösung für die unterschiedlich schnellen Läufer finden, insbesondere wegen der Absicherung.“

Trotz der Strapazen, die viele Teilnehmer gerade bewältigt hatten, fragten sie gleich nach der dritten Auflage. „Die wird es geben“, versicherte Mallon, aber dann nicht zu Ostern.“