Narren stürmten die Rathäuser in Worbis und in Heiligenstadt

Eichsfeld. Die Narren im Eichsfeld haben am Dienstag die Rathäuser gestürmt. In Worbis zog sich der Karnevalspräsident und Ortsbürgermeister geschickt aus der Affäre. In Heiligenstadt wütete ein Bonbonhagel.

Thomas Rehbein hat sich als Karnevalspräsident und gleichzeitig Ortsbürgermeister von Worbis gut aus der Affäre gezogen. Er kam zum Rathaussturm einfach zu spät. Foto: Eckhard Jüngel

Thomas Rehbein hat sich als Karnevalspräsident und gleichzeitig Ortsbürgermeister von Worbis gut aus der Affäre gezogen. Er kam zum Rathaussturm einfach zu spät. Foto: Eckhard Jüngel

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In Worbis waren die Narren auch gestern wieder pünktlich um 11.11 Uhr am "Gülden Creutz" erschienen, um es zu erstürmen. Aber zum ersten Mal in der närrischen Geschichte der Wipperstadt fehlte der Bürgermeister, um das "Rathaus" zu verteidigen.

Etwas ratlos schauten sie drein - die Narren des Worbiser Carnevalclubs, genauso wie "Bruder Bernhard" alias Bernhard Berkhahn, der dem Bürgermeister in dieser schwierigen Stunde stets zur Seite steht. Aber man befand sich eben auch noch nie in der Situation, dass der Karnevalspräsident gleichzeitig der Ortsbürgermeister ist.

Thomas Rehbein kam fünf Minuten zu spät - im Nachthemd und mit Nachtmütze und einem Nachttopf in der Hand. Er war nicht rechtzeitig aus dem Beamtenschlaf erwacht, lautete die einleuchtende Erklärung. Den Schlüssel für das Tor hatte er auch dabei, und die leere Stadtkasse konnte er gleich behalten.

Auf dem Balkon des "Gülden Creutz" gab es den Schlagabtausch in gereimter Form, bei dem aber vor allem Stadtbürgermeister Gerd Reinhardt sein Fett wegbekam - für die Bärenmeile, bei der manche Figur eher einem Elefanten ähnele, und für den in Worbis fehlenden Saal.

Die Heiligenstädter Karnevalisten warteten mit ihrem Rathaussturm wieder, bis es dunkel wurde. Aber Bürgermeister Thomas Spielmann war vorbereitet, hatte auf der Treppe die jungen Fußballer des SC Heiligenstadt postiert. Er selbst verschanzte sich hoch oben auf dem Balkon und sorgte für Bonbon-Hagel. Die "Munition" wurde aber schnell von den vielen Kindern, die das Spektakel miterleben wollten, aufgesammelt.

Heiligenstädter Obernarr im Rollstuhl

Der Karnevalsverein zog lautstark mit Blaskapelle und Funkengarde zum Rathaus. Vorneweg Karnevalspräsident Volker Lamprecht - im Rollstuhl. Er habe sich beim ereignisreichen Wochenende - Heiligenstadt war Ausrichter der großen Narrenkonferenz - Kopf und Bein verletzt. "Egal wie krank wir sind, egal wie schlecht es uns geht, werden wir es schaffen und das Rathaus wieder übernehmen", kündigte er an. Und der Bürgermeister müsse mindestens die zweite Bundesliga auffahren, um das zu verhindern.

Die Jungs spielten demnächst in Göttingen beim größten Hallenturnier Europas gegen die besten Mannschaften weit und breit, warnte der Bürgermeister. "Die Siege müssen erst her!", konterte Lamprecht.

Der Präsident forderte Barrierefreiheit fürs Rathaus und dass es endlich mit der Stormpassage losgeht. "Das ist eine Wüstenei, da sollte man vielleicht mal das Dschungelcamp abhalten oder Mobau Gartengeräte auf Haltbarkeit prüfen lassen", schimpfte Lamprecht. Spielmann versicherte, den barrierefreien Zugang gebe es, wenn Lamprecht es schaffe, die Stadträte zu überzeugen. Dann könne der Umbau im Januar beginnen.

Beim Sturm aufs Rathaus halfen auch die neuen Majestäten mit: Prinz Johannes I. mit Johanna I. und dem Kinderprinzenpaar Florian I. und Jennifer II. Das Motto der neuen Saison wurde auch bekanntgegeben: "Manege frei für die Narretei".

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