Ernstfall Wald: Das Baumsterben erreicht ungeahnte Ausmaße

Schleiz  Bleiche Stämme, nadellose Äste, kahle Kronen: In vielen Gebieten Thüringens bietet sich ein trauriges Bild von ausgedörrten Fichten. Das Leid eint die privaten und staatlichen Waldbesitzer.

Der Wald stirbt – auch in einem Waldstücke bei Kleinfurra im Landkreis Nordhausen.

Der Wald stirbt – auch in einem Waldstücke bei Kleinfurra im Landkreis Nordhausen.

Foto: Marco Kneise

Dirk Meisgeier blickt in die Weite des Dirntals. „Das tut weh“ , sagt er und streicht sich durch den Haarschopf. In der Ferne sind nur noch braune, ausgedörrte Fichten zu sehen. Das sei im letzten Jahr alles noch grün und voll gewesen. „Viel schlimmer ist allerdings das Absterben der Jungbestände“, weist er mit dem rechten Zeigefinger zur linken Seite des kleinen Hügels bei Schleiz. „Diese verdammte Trockenheit“

In fast allen Regionen Thüringens bietet sich mittlerweile ein trauriges Bild von Fichten beziehungsweise, was von ihnen noch übrig geblieben ist: bleiche Stämme, nadellose Äste, kahle Kronen, winzige Stümpfe. Der Borkenkäfer hatte in den letzten Monaten nach dem Sturm „Friederike“ und der folgenden Wärme und Trockenheit leichtes Spiel. Er zerstörte das Versorgungssystem von Millionen Bäumen, weil es diesen an Wasser im Wurzelwerk und damit an Halt mangelt, zudem der Harztropfen für die Abwehr fehlt.

Friedhof der Bäume

Anett Wenzel, Referentin von ThüringenForst, sprach bereits im Juni gegenüber dieser Zeitung von einem „Riesenschaden“, berichtete davon, dass die Vermehrung der Tiere „leider enorm“ ist. „Aus einem Borkenkäfer können sich in drei Generationen pro Jahr mehr als 150.000 neue entwickeln.“ Wie eine Axt legt er ganze Wälder flach. „Deshalb muss schon beim Befall einer einzigen Fichte schnell reagiert werden.“

Der Friedhof der Bäume ist gerade im Schleizer Land, das einst als fichtenreichstes Gebiet in der ehemaligen DDR galt, besonders groß. Dirk Meisgeier vertritt dort in Ostthüringen 5000 private Waldbesitzer, denen zusammen 20.000 Hektar gehört. Insgesamt gibt es in Thüringen 180.000, die Wald besitzen. Der 36-Jährige hat 10 Hektar. Auf seiner weiß-grünen Visitenkarte steht ein Spruch von Goethe, der auch Naturforscher war: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen. Was man nicht nutzt ist eine schwere Last.“

Der Schmerz des sterbenden Waldes

Das ist leicht zitiert in diesen komplizierten Zeiten. Meisgeier & Co. spüren täglich den Schmerz des sterbenden Waldes. Aber auch, wie als Folge der Holzmarkt übersättigt ist. Die Festmeter stapeln sich im Wald, auch die Lager sind voll und die Sägewerke. Unternehmen kommen nicht mehr hinterher, das Holz abzutransportieren und zu verarbeiten. Gerade jetzt, im Hochsommer, da nicht geheizt wird und sich Reste der kranken Bäume aus ganz Europa türmen. „Man erhält nur noch 25 Prozent des normalen Preises. Das bedeutet 75 Prozent Einbußen“, fasst Dirk Meisgeier die Misere zusammen. Viele der Besitzer sind auf die Einnahmen angewiesen. Und da sie auch bereits im letzten Jahr draufzahlen mussten, denken manche sogar an einen Verkauf. Andererseits existiert diese enge emotionale Bindung.

„Seit Generationen schon haben wir unseren Wald, ein kleines Stück hatte ich noch dazugekauft“, berichtet der Familienvater. Und er erzählt, wie er mit seinen drei Kindern mehrmals in der Woche dort Zeit verbringt. Auch sie hätten bemerkt, dass mit dem Wald etwas nicht stimmt. Deutlich weniger Grün als früher. Und der Vater gehe oft weg, um aufzuräumen. Alte, kranke Bäume müssen raus, möglichst neue rein. Das nennt man „Wiederaufforstung“ hat er ihnen erklärt. Eine Pflicht – auch für private Waldbesitzer.

„Jedem Quadratmeter fehlen aktuell rund 400 Liter Wasser“

Doch die Zusammenarbeit mit den staatlichen ist gut – anders als in anderen Bundesländern. Auch mit ThüringenForst sei der Kontakt eng, „wir teilen uns in die Bewirtschaftung und Vermarktung“, berichtet Meisgeier, hoheitliche Weisungen an die privaten Waldbesitzer gebe es nicht. „Schließlich haben derzeit alle unter der Situation gleichermaßen zu leiden. Und nur ein Miteinander hilft, sie zu meistern“, bemerkt Herbert Seyfarth, Forstamtsleiter von Schleiz. Er spricht von einer „elementaren Katastrophe“ und seine Augen wirken dabei so traurig wie die seines Hundes Carl. „Ich bin 38 Jahre Förster, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“ Nicht auszudenken, wenn sich die Trockenheit in den nächsten Jahren fortsetzt. „Jedem Quadratmeter fehlen aktuell rund 400 Liter Wasser“, ergänzt Dirk Meisgeier.

Selbst die Buche, die Mutter des Waldes, die ihn eigentlich fit halten soll, ist inzwischen ein Opfer des Klimawandels. Sie stirbt flächenmäßig dahin — auch in der Vorzeigeregion Hainich. Esche und Ahorn-Gehölz werden zudem vom Pilz bedroht. Von einer Million Festmeter Schaden wird mittlerweile bei den Laubbäumen in Thüringen gesprochen, von sogar drei beim Nadelholz. Unfassbar sei das alles, bemerkt Seyfarth und schüttelt den Kopf. Schließlich sei der Wald auch ökologisch bedeutsam, würde entscheidend CO2 binden. Klar hoffen beide Männer, dass sich die Natur irgendwie selbst hilft. Aber das kann dauern. Und gelingt es überhaupt?

Guter Ersatz für Fichten könnte die Douglasie sein

Deshalb seien die finanziellen Mittel, die derzeit von der Politik als Unterstützung an private und kommunale Besitzer gereicht werden, wichtig. Aber was kann, was sollte konkret getan, wie das Geld am besten eingesetzt werden, welche Lösungen könnten schnellstens Erfolg bringen?

Die Antworten kommen etwas zögerlich, weil sie auch in keinem Lehrbuch zu finden sind. Die jetzige Lage ist ungewohnt und speziell. Dirk Meisgeier spricht davon, bestimmte Baumarten neu zu pflanzen. Ein sehr guter Ersatz für Fichten könnte die Douglasie aus Nordamerika sein, „weil sie gut mit Trockenheit umgehen kann, eine funktionierende Verharzung aufweist.“ Die immergrüne Nadelbaumgattung ist noch eher selten, schließlich war sie mit der Eiszeit in Europa ausgestorben. Erst im 17. Jahrhundert wurde sie aus dem Westen der USA importiert. Sie ist robust gegenüber Veränderungen, mag milde Winter und hat lange Vegetationsperioden. Ihr tiefes Wurzelwerk macht sie stabil gegen Sturm, kein einziger Borkenkäfer konnte ihr bisher etwas anhaben.

Sie, die seit Jahren auch schon in Baumschulen angebaut wird, könnte deshalb der Gewinner des Klimawandels sein. Zugleich warnt Dirk Meisgeier davor, den Fehler mit der Monokultur der Fichte zu wiederholen. Ohnehin haben viele Förster umgedacht, arbeiten an der Vielfalt des Waldes, wobei auch das immer wieder ein Ausprobieren ist. „Weil man erst in einigen Jahren sehen wird, ob die jeweilige Entscheidung eine richtige war.“ Jeder Boden, jede Region, jedes Klima sei schließlich anders, bemerkt der Geschäftsführer der Waldbesitzer Service GmbH. Man wisse zudem auch nicht, was die Erwärmung mit dem Wald künftig noch macht.

Der Wald wird künftig ein anderer sein

Andere Baumarten, die für eine neue Bepflanzung infrage kommen, sind unter anderem die Tanne, die Wildkirsche, die mongolische Eiche und die Silberlinde. Man brauche dabei als Unterstützung aber auch zunehmend eine Bejagung von Reh und Hirsch, weil sie die Knospen abfressen, meint Meisgeier.

„Wir schauen jedenfalls nicht untätig zu, wie der Wald zunehmend an Kraft verliert. Wir entfernen ständig Bäume, um anderen Licht zu geben.“ Zudem werden weitere Holzlager angelegt. Und auch Gift auf gefallene Stämme wird gespritzt, damit sich zumindest dort der Borkenkäfer nicht vermehrt. „Das Insektizid heißt Karate,“ sagt Dirk Meisgeier. Es sei eine Bezeichnung, „die ihrem Namen durchaus alle Ehre macht.“ Sie könne die Katastrophe nicht verhindern, aber zumindest abmildern.

Er schaut noch mal ins Dirntal und sagt: „Der Wald ist für mich Heimat, auch Lohn und Brot. Es tut weh, ihn leiden, ja sterben zu sehen.“ Er weiß: Der Wald wird künftig ein anderer sein.

Thüringens Wald

In Thüringen verteilen sich die 550.000 Hektar Waldfläche auf vier Eigentümergruppen.

  • Staatswald (Freistaat Thüringen): 40 Prozent
  • Privatwald (Privatpersonen, Kirchen): 40 Prozent
  • Körperschaftswald (Kommunen, Körperschaften des öffentlichen Rechts): 17 Prozent
  • Treuhandwald (wird aktuell privatisiert): 3 Prozent

Fragen & Antworten

Wie alt sind die Bäume, die gerade sterben?

Der Borkenkäfer, speziell der Buchdrucker, befällt in erster Linie Fichten ab einem Alter von circa 50 Jahren. Der „kleine Bruder“, der Kupferstecher, wirkt bereits bei Bäumen ab einem Alter von 15 Jahren. Die Trockenschäden im Laubholz treten insbesondere an Altbuchen im Alter ab 120-140 Jahren auf. Sie sterben wegen fehlender Vitalität, ihnen mangelt es an Wasser. Das fehlt auch den Fichten, wo ebenfalls das Wurzelwerk unzureichend versorgt ist – sie können wegen der Schwäche kein Harz als Schutz vor dem Borkenkäfer bilden.

Kann sich der Wald von allein regenerieren?

Grundsätzlich verfügt das Ökosystem Wald über ein beachtliches natürliches Regenerationsvermögen. Allerdings wirkt dies nur über lange Zeiträume. Man kann hier von Jahrzehnten vielleicht sogar Jahrhunderten sprechen. In diesen langen Zeiträumen erfüllt der Wald nur sehr beschränkt seine wichtigen Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen. Auf diese kann jedoch insbesondere im Hinblick auf die äußerst wichtige Klimaschutzfunktion des Waldes nicht verzichtet werden. Auch bedeutet es nicht, dass „regenerierter Wald“ automatisch auch klimastabiler Wald ist.

Wie wirkt sich das Baumsterben auf die Tierwelt aus?

Entstehungs-, Entwicklungs- und Absterbevorgänge sind stets vorhandene Phasen im natürlichen Kreislaufsystem Wald. Insofern führen verstärkte Absterbevorgänge zu einer Verschiebung innerhalb dieser Phasen. So bieten abgestorbene Buchen kaum mehr ein geeignetes Biotop etwa für Spechte, gleichwohl nehmen etwa pilzliche Organismen wie auch holzzersetzende Insekten deutlich zu. Im Bestand einzeln abgestorbene Fichten und Buchen stellen einerseits einen Biomasseverlust dar, andererseits sind die damit entstehenden Lichtkegel Ausgangspunkt für neues Leben.

Inwieweit können die abgestorbenen Bäume verwertet werden?

Vom Buchdrucker oder Kupferstecher befallenes Schadholz kann nur mit finanziellen Abschlägen einer weiteren Verwertung etwa in Sägewerken zugeführt werden. Aber grundsätzlich ist Borkenkäferholz technisch eingeschränkt verwendbar, da die Borkenkäfer unter der Rinde, nicht aber im Holz leben. Jedoch muss auch hier das Schadholz in einer gewissen Zeit aufgearbeitet und in das Sägewerk gebracht werden. Inwieweit vertrocknete Buchen noch einer technischen Verwendung zuzuführen sind, wird derzeit geprüft.

Welche neuen Baumarten sind gegen Trockenheit resistent?

Unter den heimischen Arten sind das Traubeneiche, der Feldahorn, die Flatterulme, die Wildobstarten, der Speierling, die Elsbeere und die Weißtanne, wobei innerhalb der Arten auch Unterschiede festzustellen sind. So ertragen manche Buchen die Trockenheit besser als andere Buchen. Hier liegt ein noch großes Forschungsfeld. Thüringenforst experimentiert mit „neuen“ Baumarten. Über 100 Jahre Anbauerfahrung gibt es etwa mit der Douglasie, Hemlocktanne, Schwarzkiefer, Nussbaum und der Roteiche, viele aus den USA. Seit Jahren sammelt Thüringenforst auf einem Versuchsfeld Erfahrungen mit der Türkischen Tanne, der Libanon-Zeder oder der Orient-Buche. Ziel: Die Verwendbarkeit dieser Baumarten für die Klimaszenarien 2050 bzw. 2070 prüfen.

Wird unsere Luft jetzt schlechter?

Nein, eine Auswirkung auf die Luftqualität dürfte nicht messbar sein.

Erfolgt noch eine Verkalkung der Wälder?

Ja, sie ist aber ausdrücklich keine Düngung. Kalkung dient ausschließlich der Bodenmelioration und mittelbar dem aufstockenden Bestand. Die Bodenschutzkalkung wurde im Kontext des „Waldsterbens“ Mitte der 1980er-Jahre eingeführt. In der ehemaligen DDR war sie intensiv beforscht. Aber bis heute ist sie unter Wissenschaftlern umstritten.

Welche Maßnahmen müssen für die Rettung des Waldes ergriffen werden?

Die wichtigsten kurzfristigen Maßnahmen sind die Sanierung der Schadflächen sowie deren Aufforstung. Mittel- bis langfristig ist der Waldumbau („Mischen, mischen, mischen“) das Gebot. Auf jeden Fall ist mit der Fortführung der nachhaltigen, naturnahen Forstwirtschaft die Multifunktionalität des Waldes zu sichern. Dabei steht die Klimaschutzwirkung des Waldes im Vordergrund. Denn nicht nur stehendes Holz bindet klimaschädliches CO2. In noch größerem Maßstab gelingt das langfristig verbautem Holz. Je häufiger das die CO2-intensiven Baustoffe wie Beton, Glas oder Kunststoff ersetzt, umso sicherer können die hochgesteckten Weltklimaziele erreicht werden.

Ist der Anbau von Südfrüchten, von Aprikosen- oder Nektarinenbäumen, angedacht?

Nein. Die Forstwirtschaft in Thüringen setzt im Wesentlichen auf heimische, standortgeeignete Waldbaumarten.

Warum wurde der Thüringer Wald von Schäden bisher weitgehend verschont?

Die relativ häufigeren Niederschläge in den Hoch- und Kammlagen haben die Vitalität der dortigen Wälder besser erhalten können.

(Die Antworten erfolgten durch Thüringenforst)

Der Borkenkäfer

Der Käfer ist nur etwa fünf Millimeter lang, schwarz gefärbt, hat sechs Beine und acht Zähne auf dem Rücken. Das Hauptproblem ist seine explosionsartige Vermehrung.

So kann ein Buchdruckerpärchen innerhalb eines Jahres weit über 150.000 Nachkommen produzieren. Wenige Dutzend Käfer sind ausreichend, um eine geschwächte Fichte zum Absterben zu bringen. Ein warm-trockenes Jahr fördert dabei die Vermehrung, zum anderen schwächt dieses den Hauptwirt des Käfers, die Fichte durch Trockenstress.

Traten in der Vergangenheit immer wieder mal „Jahrhundertsommer“ auf, sind 2018/19 erstmals zwei „Jahrhundertsommer“ einem milden käfer-freundlichen Winter gefolgt.

Bäume - Top 5

Thüringens Bäume:

Fichte:

Die Baumart, die in Thüringen mit Abstand am häufigsten vorkommt – mit rund 38 Prozent. Der Baum, der für Trockenheit und Borkenkäfer anfällig ist, dominiert den Thüringer Wald und das Schiefergebirge. Laut dem Waldzustandsbericht von 2018 hat sich der Zustand der Fichte „überdurchschnittlich verschlechtert“. Nur noch etwa jeder vierte Baum war gesund, dieser Anteil dürfte dieses Jahr deutlich gesunken sein. Die Fichte wird gewöhnlich 40 bis 60 Meter hoch und kann bis zu 600 Jahre alt werden.

Buche:

In Urzeiten war Thüringen ein Land der Buchen. Heute ist die Rotbuche mit knapp 20 Prozent die zweithäufigste Baumart. Der Laubbaum ist vor allem im Hainich und in Nordthüringen präsent, etwa im Kyffhäuser oder dem Südharz. Die Buche bevorzugt leicht saure, kalkige Böden, wird bis zu 45 Meter hoch und bis zu 300 Jahre alt. Ihr hartes Holz wird oft in der Möbelindustrie verwendet. Zuletzt waren nur 15 Prozent der Thüringer Buchen gesund, 41 Prozent wiesen „starke Vitalitätsverluste“ auf. Immer mehr Bäume leiden unter der sogenannten Buchenkomplexkrankheit, einer Kombination aus Insekten und Pilzen.

Kiefer:

Rund 15 Prozent der Thüringer Bäume sind Kiefern. Die Hälfte davon gilt als krank, nur etwa jede zehnte Kiefer ist vollständig gesund. Der Baum benötigt viel Licht und kann sich deshalb schwer gegen Konkurrenz durchsetzen. In Thüringer wächst die Kiefer vor allem im Holzland um Jena, entlang der Ilm-Saale-Platte sowie im Vogtland. Kiefern werden, wenn man sie stehen lässt, bis zu 500 Jahre alt und bis zu 50 Meter hoch. Da das Holz einen hohen Harzanteil hat, wird es oft für als Bauholz für den Außenbereich verwendet.

Eiche:

Der deutscheste aller Bäume, die Eiche, ist mit einem Anteil von etwa sieben Prozent der zweithäufigste Laubbaum in Thüringen. Er ist aber auch jener, der am kränksten ist: Zwei Drittel der Bäume wiesen zuletzt starke Vitalitätsverluste auf, nur etwa jeder 20. Baum galt als vollständig gesund. Eichen wachsen vor allem im Hainich und im nördlichen Thüringen. Das Holz ist hart, lässt sich aber gut bearbeiten, dient deshalb auch als Parkett oder Furnier. Eichen können 40 Meter hoch und 1000 Jahre alt werden, ihre Stämme erreichen bisweilen einen Durchmesser von bis zu drei Metern. Bedroht werden sie durch die sogenannte Eichenfraßgesellschaft.

Lärche:

Die Lärche ist ein Nadelbaum, aber nur sommergrün. ab. Sie ist mit einem Anteil von gut drei Prozent eine der häufigsten Nebenbaumarten. Von allen Nadelbaumarten ist das Holz der Lärche am härtesten und wird deshalb bevorzugt zum Bauen verwendet. Die Bäume werden bis zu 40 Meter hoch und 300 Jahre alt. Die Lärche wird im Waldzustandsbericht unter sonstigen Nadelbäumen geführt, hier gelten nur noch 20 Prozent als gesund.

Staatseigene Baumschule im Eichsfeld -- Unterstützung von Ministerin zugesagt

Anders als Sachsen-Anhalt, Hessen oder Mecklenburg-Vorpommern hat Thüringen noch eine staatseigene Forstbaumschule. Und zwar in Breitenworbis im Eichsfeld, wo seit 1964 gezüchtet wird. Damit ist der Freistaat beim Waldumbau nicht nur auf kleinere private Baumschulen angewiesen.

Eine Anzucht von etwa zwei Millionen Pflanzen werde derzeit jährlich betrieben, so der zuständige Forstamtsleiter Elger Kohlstedt, dessen Vater bereits die Baumschule leitete. „Schon seit Jahren pflanzen wir besonderes wärmeliebende Bäume an. Dazu zählen die Weißtanne sowie die Douglasie“, berichtet der 57-Jährige.

Der Waldumbau ist jetzt schneller nötig als je vermutet, so Kohlstedt. Zum Glück hätten beispielsweise die Eichen ein sogenanntes Mastjahr gehabt und massenhaft Eicheln produziert. Zweieinhalb Millionen der Früchte aus allen Regionen Thüringens hat man in Breitenworbis zusammengetragen und züchtet sie, damit sie dem neuen Wald eine Stütze sind. Noch sind die Stecklinge klein, „aber im Herbst 2020, könnten sie in den Kahlflächen gepflanzt werden. „Andere Baumarten brauchen bis zu fünf Jahre, bevor sie in die Wälder gehen.“

Derzeit wachsen in Breitenworbis etwa fünf Millionen Pflanzen. „Aber das wird nicht reichen, um die Ausfälle zu kompensieren“, vermutet Elger Kohlstedt, der sich deshalb auch mehr Personal wünscht. Samen für die Bewirtschaftung wäre genug vorhanden, „zumal das Saatgut auch gestreckt und eingefroren werden kann.“

Zunächst aber muss eine Bestandsaufnahme erfolgen. Forstministerin Birgit Keller hat dazu Unterstützung zugesagt. Die Linke-Politikerin sagte zudem: „Insgesamt wurden im Vorjahr 2,3 Millionen Euro Fördermittel für eine Wiederbewaldung sowie die Bewältigung der Kalamitätslage ausgezahlt.“ Im April 2019 seien Antragsverfahren für eine erweiterte Förder-Richtlinie verfügbar gemacht. Derzeit hätte „das Forstministerium über 40 Millionen Euro gesichert, um die Forstleute und Waldbesitzer finanziell und logistisch zu unterstützen.“

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