Umfangreiche Fällarbeiten: Bäume in Schieflage und mit morschen Stämmen

Eisenach  „Holzfällarbeiten, Lebensgefahr“ ist auf dem Absperrband an der Feodorapromenade im Johannistal zu lesen. Der Bereich ist weiträumig abgesperrt, weil er vor allem am Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel ist. 54 Bäume sollen hier gefällt werden.

Der Stamm dieser mächtigen Eiche ist im Bereich unterhalb der Krone durchgefault gewesen.

Der Stamm dieser mächtigen Eiche ist im Bereich unterhalb der Krone durchgefault gewesen.

Foto: Birgit Schellbach

Entsprechend viele Schaulustige finden sich ein, als Manfred Schmid mit seinen Kollegen am Sonnabend anfängt, die gekennzeichneten Bäume zu fällen. Dazu gehören Eichen, Ahorne, Buchen, Weiden, Erlen. Einige sind über hundert Jahre alt, andere wiederum messen gerade 30 Zentimeter im Stammdurchmesser.

54 Bäume sollen am Wochenende gefällt werden, hat die Stadtverwaltung im Vorfeld mitgeteilt. Es handelt sich um Stadtwald, der zweimal im Jahr, im Frühjahr und Herbst, begutachtet wird. Die Fachleute haben eingeschätzt, dass 54 Bäume eine Gefährdung für Spaziergänger und Jogger und auf der Feodorapromenade darstellen.

Irgendwann wäre die Baumkrone auf den Weg gefallen

Als eine mächtige Eiche - Manfred Schmid schätzt ihr Alter auf 130 bis 150 Jahre - fällt, wird deutlich, was die Gutachter meinen. Unterhalb der Krone ist der Stamm völlig morsch, das Holz zerfasert. Irgendwann wäre die Krone herausgebrochen und auf den Weg gefallen. Wenige Meter weiter hat sich eine Wurzel aus dem Erdboden gelöst und hängt die Hainbuche schief. Ihre Krone hat sich in der des Nachbarn verhakt. Dieser Baum bleibt erhalten. Aber der „schiefe“ wird mit der Motorsäge so angeschnitten, bis er fällt. Manfred Schmid und sein Sohn Stefan schneiden die Äste ab. Dann zieht eine Spezialmaschine mit Doppelwinde und Kran den Stamm heraus. Er wird in mehrere Teile zerschnitten und auf den Hänger geladen.

An der nächsten Hainbuche hat es bereits einen mächtigen Ast abgeschlagen. Dort ist Fäulnis eingedrungen. Als der Baum liegt, ist zu erkennen, dass der Stamm innen morsch ist.

Seitens der Stadt sind regelmäßig Pflegearbeiten in Auftrag gegeben worden. Kronen wurden ausgeschnitten oder abgebrochene Äste entfernt. Aber jetzt sind Fällungen nötig geworden – bedingt durch die Verkehrssicherungspflicht. Niemand will riskieren, dass ein starker Ast ausbricht oder gar ein Baum auf die Promenade fällt. Hinzu gekommen ist, dass Orkan „Friederike“ am 18. Januar ebenfalls Bäume umgeworfen hat, vor allem Fichten.

„Normalerweise hätte wir für die Arbeiten im Moment gar keine Zeit, weil wir überall gebraucht werden, um die Sturmschäden zu beseitigen“, sagt Manfred Schmid. Aber der Stadt zuliebe, habe die Firma aus Effelder zugesagt, das Fällen übers Wochenende zu erledigen. Und damit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: die kranken Bäume ebenso zu entfernen wie die Sturmschäden. Revierförsterin Karen Centner hat schon zahlreiche Anfragen von Brennholzwerbern. Sie können sich nach vorheriger Absprache Brennholz vor Ort holen. Auf diese Weise wird „aufgeräumt“. Außerdem ist mit der Stadt vereinbart, dass eine Truppe der ABS-Gesellschaft die Äste schreddert, die übrig bleiben. Karen Centner bittet aber um Verständnis, dass das Aufräumen nicht sofort erfolgt, sondern seine Zeit, vielleicht vier Wochen, dauert.

Viele Menschen sehen es kritisch, wenn Bäume gefällt werden

Im Frühjahr, wenn die verbliebenen Bäumen - und davon gibt es noch reichlich - ausschlagen, wird man von den Fällarbeiten nichts mehr sehen, ist die Revierförsterin überzeugt. Gerade die Bäume, die jetzt mehr Sonne bekommen, entwickeln dann breitere Kronen. Manfred Schmid spricht von „Anwärtern“, die nun die „Lücken“ füllen.

Vielleicht überlegt sich die Stadt als Eigentümerin auch, an der einen oder anderen Stelle wieder eine Eiche oder Buche nachzupflanzen. Das hält Forstamtsleiter Ansgar Pape durchaus für eine gute Idee. Er war am Sonnabend vor Ort, wissend, dass viele Menschen es kritisch sehen, wenn Bäume gefällt werden. Auf den Stumpf einer abgesägten Eiche nahe des Eingangs zum Kartausgarten verweisend, zeigte er Passanten, wie verfault und hohl der Stamm war.

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