Berlin. Immer mehr Menschen setzen auf eine Wärmepumpe als Heizung. Der Vorteil: Man kommt ohne Brennstoffe aus. Stromkosten entstehen dennoch.

Auf dem Weg zur Klimaneutralität im Heizungsbereich will Deutschland vor allem auf eine Technologie setzen: die Wärmepumpe. Ein großer Vorteil von Wärmepumpen liegt darin, dass sie ohne Brennstoffe wie Gas, Öl oder Holz betrieben werden können. Das spart in vielen Haushalten Platz, wenn keine großen Tanks für Heizöl oder Lagerräume für Pellets eingebaut werden müssen. Und auch die Betriebskosten sind deutlich geringer als bei anderen Heizungen, weil kein Geld mehr für die Brennstoffe ausgegeben werden muss.

Doch ganz ohne Energiezufuhr von außen kommen auch Wärmepumpen nicht aus: Sie sind auf Strom angewiesen, mit dem die aus der Erde, dem Grundwasser oder der Umgebungsluft gewonnene Wärme verdichtet und damit für das Heizsystem nutzbar gemacht wird.

Eine Wärmepumpe nutzt die Energie der Umwelt zur Erzeugung von Wärme. Das Funktionsprinzip basiert auf einem Kreislauf, dieser lässt sich grob in vier Schritten erklären.
Eine Wärmepumpe nutzt die Energie der Umwelt zur Erzeugung von Wärme. Das Funktionsprinzip basiert auf einem Kreislauf, dieser lässt sich grob in vier Schritten erklären. © BWP/Pressegrafik

Wärmepumpe: Wie hoch ist der Stromverbrauch?

Doch mit welchen Betriebskosten müssen Immobilienbesitzerinnen und -besitzer rechnen, wenn sie sich für eine Wärmepumpe entscheiden? Grundsätzlich gilt: Sie sind deutlich niedriger als bei einer Gas- oder Ölheizung. Wie hoch die Stromkosten in etwa ausfallen, kann man berechnen. Zumindest wenn man die nötigen Kennzahlen kennt. Und da wird es schwierig.

Für die Berechnung der – ungefähren – jährlichen Stromkosten benötigt man laut dem Heizungshersteller Buderus drei Werte:

  • den jährlichen Wärmebedarf in kWh
  • die Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe
  • den aktuellen Strompreis pro kWh

Stromverbrauch der Wärmepumpe: Das sind die Probleme bei der Berechnung

Während sich der Strompreis einfach online ermitteln lässt, ist es beim Wärmebedarf schon etwas komplizierter. Zwar gibt es Online-Rechner, über die er ermittelt werden kann. Dafür benötigt man jedoch einige Informationen über die eigene Immobilie – etwa über die Wärmedämmung oder das Baujahr. Wer über diese nicht verfügt, kann mit der folgenden Tabelle den etwaigen Wert ermitteln:

Baujahr des GebäudesWärmebedarf pro Quadratmeter Wohnfläche
bis 1977150 bis 200 kWh
1978 bis 2002100 bis 150 kWh
2003 bis 201550 bis 80 kWh
Neubau40 bis 50 kWh
Passivhaus15 kWh

Doch das eigentliche Problem bei der Berechnung stellt die Jahresarbeitszahl dar. Sie gibt an, wie effizient eine Wärmepumpe arbeitet. Das hängt von den technischen Voraussetzungen des Geräts, aber auch von den Gegebenheiten in der Immobilie ab und lässt sich daher ohne Experteneinschätzung nicht genau festlegen. Sehr grobe Richtwerte, die man für eine unegfähre Berechnung des Stromverbrauchs heranziehen kann, sind:

  • Luft-Wärmepumpe: 3,0 bis 4,5
  • Erd-Wärmepumpe: 2,8 bis 3,5
  • Wasser-Wärmepumpe: 3,8 bis 4,5

Beispielrechnung zur Wärmepumpe: Das sind die Stromkosten für ein Einfamilienhaus

Auf Basis dieser Werte lassen sich der jährliche Stromverbrauch und damit auch die Stromkosten für eine Wärmepumpe schätzen. Allerdings handelt es sich nur um eine sehr grobe Rechnung mit vielen Variablen. Dafür gehen Sie laut Buderus so vor:

  • jährlicher Wärmebedarf in kWh / Jahresarbeitszahl = jährlicher Stromverbrauch
  • jährlicher Stromverbraucht x Strompreis pro kWh = jährliche Stromkosten

Ein Beispiel: Eine Familie heizt ihr freistehendes Einfamilienhaus (Baujahr 1993) mit einer Wohnfläche von 120 Quadratmetern mit einer Wasser-Wärmepumpe. Der jährliche Stromverbrauch liegt bei 3600 kWh (120 x 120 / 4,0). Daraus ergeben sich bei einem Strompreis von 35 Cent pro kWh jährliche Kosten von 1260 Euro. Geht man beim Wärmebedarf oder der Jahresarbeitszeit jedoch von leicht abgeänderten Werten aus, ergibt sich eine Spanne von 930 bis 1.650 Euro, in der die Stromkosten liegen könnten.

Zudem hat das jeweilige Wetter einen großen Einfluss auf den Stromverbrauch der Wärmepumpe. Ist es draußen kalt, benötigt eine Luft-Wärmepumpe deutlich mehr Energie, um die Umgebungswärme so stark zu verdichten, dass sie für die Heizung genutzt werden darf. Bei anderen Wärmepumpen-Arten ist der Einfluss zwar nicht so groß, doch auch sie brauchen bei niedrigen Temperaturen mehr Strom.

Grundsätzlich steigt der Stromverbrauch in Haushalten, die eine Wärmepumpe einbauen, deutlich. Bedenken sollte man jedoch: Um ein ähnliches Gebäude mit Gas zu beheizen und das Warmwasser damit aufzubereiten, würden Kosten in Höhe von rund 2300 Euro anfallen. Deutliches Sparpotenzial ist also vorhanden.