Geiselnahme-Prozess gegen Ärztin – das Gericht wartet auf zwei Gutachten

Gera  Es steht noch kein Termin für die Fortsetzung des Prozesses gegen die Ärztin und ehemalige Bürgerrechtlerin fest.

Symbolbild

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Foto: Marco Kneise

Von September bis November 2017 wurde vor dem Geraer Landgericht gegen die damals 59-jährige Ärztin und Bürgerrechtlerin Kerstin Schön verhandelt. Mitte November war das sogenannte Geiselnahme- Verfahren vorzeitig ausgesetzt und die Angeklagte unter Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Fast ein Jahr danach ist unklar, ob und wann der Prozess weitergeht. Wie ein Sprecher des Landgerichtes auf Nachfrage mitteilte, warte man auf zwei wichtige Gutachten.

Der einstigen Ikone der oppositionellen DDR-Frauenbewegung wird vorgeworfen, in ihrem Wohnsitz, der Ottermühle bei Liebschütz im Saale-Orla-Kreis, in Gemeinschaft mit einer Frau und deren Kindern die hochbetagten und altersbedingt lebensuntüchtigen Eltern bzw. Großeltern der Familie ihrer Freiheit beraubt und um beträchtliche Geldmittel gebracht zu haben. So seien der damals 83-jährige und an einer beginnenden Alzheimererkrankung leidende Manfred K. und seine Frau Martha zum Verbleib in der Mühle genötigt, in Gesprächskreisen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauches unter Druck gesetzt und um Ersparnisse in Höhe von mehreren 10 000 Euro gebracht worden. Im Falle einer Verurteilung drohen der Angeklagten schlimmstenfalls 15 Jahre Haft, bis zum Prozessbeginn im September 2017 saß sie bereits fast 10 Monate in Untersuchungshaft.

Richterin sieht erheblichen Ermittlungsbedarf

Die Aussetzung des Verfahrens begründete die Vorsitzende Richterin Andrea Höfs mit einem erheblichem weiteren Ermittlungsbedarf und der Notwendigkeit, weitere Zeugen hinzuziehen. Dies habe sich so erst im Prozessverlauf aus den Zeugenvernehmungen der beiden Alten und deren Tochter sowie aus den Einlassung der Angeklagten selbst ergeben. Unklar blieb beispielsweise die aktive Beteiligung der Tochter von Martha und Manfred K. an Finanztransaktionen zulasten der beiden Alten.

In den Prozess hatte sich auch die Initiative „False Memory Deutschland“ (Arbeitsgemeinschaft gegen falsche Missbrauchserinnerungen) eingeschaltet, die Kerstin Schön vorwirft, mittels fingierter Vorwürfe gegen Manfred K. und weitere Männer diesen bewusst bedrängt und eingeschüchtert zu haben. Dagegen beharrte Schön darauf, in der Ottermühle der Familie lediglich bei der Aufarbeitung ihrer schwierigen Vergangenheit geholfen zu haben.

Um welche zwei Gutachten es geht, sagte der Geraer Gerichtssprecher nicht. Offen geblieben war im Verfahren von 2017 etwa die Frage nach der Vernehmungsfähigkeit von Manfred K. und Tochter Traudel K.. Auch zum Fortgang der Ermittlungen gab es keine Auskünfte.

Im Verfahren von 2017 ging es nur um die Vorwürfe gegen Kerstin Schön. Der angebliche sexuelle Missbrauch durch Manfred K. und andere spielte im Geraer Prozess keine Rolle.

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