Prozess gegen Thüringer Ärztin: Das sagt die Angeklagte

Gera  In einer ausführlichen Erklärung widerspricht Kerstin S. vor dem Landgericht den gegen sie erhobenen Vorwürfen – hier eine Übersicht.

Der Geschädigte K. (links) mit seiner Frau und einer Vertreterin des Weißen Ringes (Bildmitte), aufgenommen im September.

Der Geschädigte K. (links) mit seiner Frau und einer Vertreterin des Weißen Ringes (Bildmitte), aufgenommen im September.

Foto: Hanno Müller

Die Anklage wirft Kerstin S. erpresserischen Menschenraub in Tateinheit mit Geiselnahme und Nötigung sowie gemeinschaftlichen Diebstahl und gemeinschaftliche Freiheitsberaubung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und übler Nachrede vor. Das sagte die Angeklagte:

Der Angeklagten soll bekannt gewesen sein, dass der Geschädigte K. über viel Geld verfügte. Sie habe nichts von dem Geld der alten Leute gewusst, so Kerstin S.. Um die Mühle für die Neubewohner herzurichten, sei auch über die Kosten gesprochen worden. Dabei habe die Tochter der beiden alten Leute angeboten, die Kosten für einen Teil des Daches zu übernehmen. Als die Vorwürfe des sexuellen Missbrauches zur Sprache kamen, habe sie auf die Möglichkeit eines finanziellen Ausgleichs als Wiedergutmachung hingewiesen, so S.. Sie selbst sei aber nicht über Details informiert gewesen und nie mit dem Geld in Berührung gekommen.

Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen den Geschädigten K. und andere soll die Angeklagte durch intensive Befassung mit dem Thema, Filme sowie suggestive Fragetechniken provoziert haben. Laut Kerstin S. kamen Traudel K. und ihre Kinder in labilem und nicht belastbarem Zustand in die Mühle. Die Kinder hätten Suizidgedanken geäußert. Mutter und Kinder hätten von sich aus Übergriffe durch einen Freund der Familie und durch ihren Vater sowie weitere Personen berichtet und seien dabei in den täglichen Gesprächskreisen begleitet worden. Dafür habe sie auch Unterstützung bei Vereinen sowie beim Bundesbeauftragten für den sexuellen Kindesmissbrauch gesucht. Als die beiden Alten die Mühle verlassen wollten, seien ihnen durch die Angeklagte oder auf ihre Veranlassung hin Geld, EC-Karten, Schlüssel und Handy entwendet worden. Davon wie auch vom Verbleib der Sachen sei ihr nichts bekannt gewesen, sagt Kerstin S.. Für die Kommunikation nach außen gab es in der Mühle frei verfügbar 6 Telefone, ein Faxgerät sowie W-Lan. Die Alten hätten sich jederzeit frei bewegen können und sogar vorgehabt, dauerhaft in der Mühle zu leben. Bei einem Besuch des Ex-Ehemannes A. von Traudel K. soll sich die Angeklagte mit anderen auf ihn gestürzt, ihn gefesselt und zu Geständnissen genötigt haben. Laut Kerstin Schön ging die Gewalt von A. aus. Nachdem er von seinem Sohn über dessen Anzeige gegen ihn wegen sexuellen Missbrauchs informiert worden sei, habe A. ihn angegriffen und gewürgt. Daraufhin habe man ihn überwältigt und festgebunden und sofort die zuvor informierte Polizei dazu gerufen.

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