Washington. Die Kritik an Oceangate, der Firma, die das U-Boot Titan zur Titanic schickte, wächst. Wurden die Behörden etwa zu spät alarmiert?

Traurige Gewissheit: Laut der US-amerikanischen Küstenwache gehören die Wrackteile auf dem Meeresgrund zu dem verschollenen U-Boot. Man gehe davon aus, dass die Insassen tot sind. Wann genau sich allerdings der Unfall ereignet habe, stehe noch nicht fest.

Offen bleibt also die Frage, ob der U-Boot-Betreiber Oceangate schon zu Beginn der Tragödie um die Titan versagt hat. Am Donnerstagmittag konzentrierte sich die Analyse von Experten in den USA auf ein Detail. Danach vergingen unnötig viele Stunden, um eine Rettungsaktion einzuleiten, nachdem das U-Boot auf dem Weg zur Titanic verschwunden war.

Nach offiziellen Angaben wurde die Titan der US-Küstenwache am Sonntag erst acht Stunden nach dem Kontaktabbruch zwischen Tauch-Kapsel und Mutterschiff “Polar Prince” offiziell als vermisst gemeldet. Bis die “Canadian Coast Guard” ins Bild gesetzt wurde, vergingen dem Vernehmen nach weitere drei Stunden.

Suche nach U-Boot begann erst elf Stunden nach Kontaktabbruch

Elf Stunden also ingesamt, in denen sich das Schicksal der fünf Besatzungsmitglieder womöglich bereits negativ entschieden haben könnte. Experten sehen in der gewaltigen Verzögerung einen Kardinalfehler, der die Suche nach dem Tauch-Fahrzeug massiv behinderte.

Warum die späte Meldung? Oceangate, in Seattle ansässig, hat seit Sonntag keine Öffentlichkeitsarbeit. Auch gestern blieben Anrufe bei dem Unternehmen unbeantwortet.

Titanic-Fotostrecke: Verschwundenes U-Boot sorgt für Rätsel

Die Titanic galt bei ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach New York 1912 als unsinkbar. Doch es kam anders. Das Wrack des Schiffs liegt seitdem in etwa 3800 Meter Tiefe rund 600 Kilometer von Neufundland/Kanada entfernt auf dem Meeresgrund.
Die Titanic galt bei ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach New York 1912 als unsinkbar. Doch es kam anders. Das Wrack des Schiffs liegt seitdem in etwa 3800 Meter Tiefe rund 600 Kilometer von Neufundland/Kanada entfernt auf dem Meeresgrund. © imago stock&people
Hochauflösende 3D-Aufnahmen zeigen das Wrack der Titanic.
Hochauflösende 3D-Aufnahmen zeigen das Wrack der Titanic. © Atlantic Productions/Magellan
Das Foto aus dem Jahr 2004 zeigt die Überreste eines Mantels und von Stiefeln im Schlamm des Meeresbodens nahe des Hecks der Titanic.
Das Foto aus dem Jahr 2004 zeigt die Überreste eines Mantels und von Stiefeln im Schlamm des Meeresbodens nahe des Hecks der Titanic. © Institute for Exploration, Center for Archaeological Oceanography/AP/dpa
Das U-Boot Titan des Unternehmens Oceangate Expeditions versprach Touristen, es bis zum Wrack der Titanic zu führen, um all diese Dinge aus der Nähe zu sehen.
Das U-Boot Titan des Unternehmens Oceangate Expeditions versprach Touristen, es bis zum Wrack der Titanic zu führen, um all diese Dinge aus der Nähe zu sehen. © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Seit seiner letzten Mission am Sonntag, 18. Juni, galt das U-Boot jedoch als verschollen. Inzwischen steht fest: Es ist gesunken.
Seit seiner letzten Mission am Sonntag, 18. Juni, galt das U-Boot jedoch als verschollen. Inzwischen steht fest: Es ist gesunken. © Google/dpa
Insgesamt fünf Menschen befanden sich an Bord des Tauchbootes.
Insgesamt fünf Menschen befanden sich an Bord des Tauchbootes. © Oceangate Expeditions/PA Media/dpa
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des Tauchboots Titan mit den damals reisenden Passagieren. Die Ticketpreise lagen bei ca. 250.000 Dollar.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des Tauchboots Titan mit den damals reisenden Passagieren. Die Ticketpreise lagen bei ca. 250.000 Dollar. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Unter den wohlhabenden Touristen war auch der britische Geschäftsmann und Abenteurer Hamish Harding.
Unter den wohlhabenden Touristen war auch der britische Geschäftsmann und Abenteurer Hamish Harding. © Felix Kunze/Blue Origin/AP/dpa/Archiv
An Bord des Bootes befanden sich außerdem der Kommandant Paul-Henry Nargeolet (l), der als einer der bekanntesten Experten für das Titanic-Wrack galt und daher den Spitznamen
An Bord des Bootes befanden sich außerdem der Kommandant Paul-Henry Nargeolet (l), der als einer der bekanntesten Experten für das Titanic-Wrack galt und daher den Spitznamen "Mr. Titanic" trug. © JIM ROGASH/AP/dpa
An der Rettungsaktion waren mehrere Flugzeuge, Schiffe und Sonarboote beteiligt.
An der Rettungsaktion waren mehrere Flugzeuge, Schiffe und Sonarboote beteiligt. © Handout / US Coast Guard / AFP
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Angehörige von Teilnehmern der Expedition sind wütend. “Es ist sehr beängstigend. Es hat so lange gedauert, um die Rettungsmission zu beginnen, es war viel zu lange”, sagte Kathleen Cosnett, die Cousine des britischen Milliardärs Hämisch Harding, einer englischen Zeitung. Juristen in Washington gehen davon aus, dass Oceangate schon bald mit “riesigen Schadensersatzforderungen” konfrontiert wird.