Smart Diesel: Der Geiz fährt mit

Mit dem Diesel-Smart wird der Verbrauch zur Nebensache, leider wird er nicht angezeigt. Das Design ist Kult, das Getriebe weniger.

Sparsamkeit und sein ihm eigener Charme zeichnen den Smart aus.  Foto: Hersteller

Sparsamkeit und sein ihm eigener Charme zeichnen den Smart aus. Foto: Hersteller

Foto: zgt

Der Motor, die Aerodynamik und das Gewicht eines Autos entscheiden maßgeblich darüber, wie viel der Wagen verbraucht. Doch haben auch neue Techniken Konjunktur, die den Durst und die Abgase weiter verringern helfen. Welches aber ist das effektivste Mittel?

Die Stopp-Start-Automatik vielleicht, die den Motor immer dann abschaltet, wenn die Ampel gerade wieder auf Grün springt? Oder die Leichtlaufreifen, die bei Haftung und Bremsweg nicht den besten Ruf haben? Vielleicht sind es ja auch die Öko-Schalter am Armaturenbrett, die entweder gar nichts bewirken, wenn man sie drückt, oder die Kraftstoffzufuhr so sehr drosseln, dass man nicht mehr vorwärts kommt.

Für mich sind das vor allem mathematische Größen, weil sie dazu beitragen, den im Labor ermittelten Testverbrauch zu senken. Was das wahre Leben angeht, regiert ein anderer König unangefochten über alle technischen Umweltzwerge: die gute alte Verbrauchsanzeige.

Sie motiviert, klärt auf, spornt an und wirkt damit direkt auf den Fahrer ein – das hat sie allen anderen Techniken voraus. So wunderte es mich im Test, dass ausgerechnet bei dem als CO2-Champion gefeierten Diesel-Smart diese Anzeige in der Grundausstattung fehlt und für 150 Euro extra bestellt werden muss.

Geht es beim Diesel-Smart doch darum, so geizig wie möglich unterwegs zu sein. Doch ertappte ich mich oft dabei, wegen der fehlenden Verbrauchs-Überwachung ein bisschen kräftiger zu beschleunigen als notwendig – wobei "kräftig" bei 54 PS ein relativer Begriff ist.

Den Verbrauch ermittelte ich mit dem Taschenrechner. Es waren einmal 4,7 Liter und einmal 4,5 Liter auf 100 Kilometer. Das sind glänzende Werte. Und doch riefen sie in mir die Erinnerung an den einen oder anderen Diesel-Kleinwagen wach, der größer und schneller war als der Smart, aber nicht viel teurer und im Verbrauch nicht spürbar schlechter.

Der Smart lässt sich mit solchen Autos freilich schlecht vergleichen. Er ist ein Wert an sich, ein charmantes Lifestyle-Mobil für die Großstadt, und besetzt als solcher seinen Kult-Status mit vollem Recht. Trotz des reichlichen Kunststoff-Einsatzes im Innenraum wirkt er so klassenlos wie sein Design bereits klassisch genannt werden kann.

Der kurze Radstand ermöglicht einen ungeahnten Fahrspaß in Kurven, der auch durch den kleinen Diesel kaum getrübt wird. Die gefühlte Beschleunigung ist kräftiger als die tatsächliche und reicht für die Stadt aus. Selbst den Kyffhäuserberg hinauf konnte ich dem Zwerg noch Fahrspaß abringen.

Laut ist der Motor zwar auch, doch kann man sich damit trösten, dass damit das ursprüngliche Fahrgefühl noch betont wird. Nichts Positives konnte ich dem Verhalten im Wind abgewinnen: Auf dem freien Feld kann der Smart bei Sturm ganz schön aus der Spur geraten.

Der größte Schwachpunkt bleibt für mich die automatisierte Schaltung, die quälend langsam agiert und im Automatik-Modus auch mal mitten in der Kurve auskuppelt. Schaltet man selbst, arbeitet sie zwar nicht schneller, aber immerhin berechenbarer.

Der Vorteil des Smarts beim Parken kommt meiner Erfahrung zufolge eher selten zum Tragen. Allerdings freute ich mich über den zusätzlichen Spielraum in einer Parklücke, wenn ich an einer Steigung geparkt hatte. Denn weil das Drehmoment des Diesels schwungvoll einsetzt, der eingelegte Rückwärtsgang aber nicht das Vorwärtsrollen verhindert, erfordert das sanfte Manövrieren am Berg etwas Übung.

Das Lenkrad ließ sich nicht justieren, dafür war der Testwagen mit einem fest installierten Navi (995 Euro) ausgestattet, das auch der Mittelklasse gerecht würde.

Fazit: Der Smart ist praktisch in der Stadt, klassenlos und verliert auch als äußerst sparsamer Diesel nicht sein Fahrspaß-Element. Die Windanfälligkeit, das Getriebe und natürlich die Dimensionen schränken seine Einsatzmöglichkeiten ein.

In Zahlen

Smart Fortwo Coupé cdi "passion"

  • Kleinstwagen, Zweisitzer
  • Länge: 2,70 m; Breite: 1,56 m; Höhe: 1,56 m
  • Radstand: 1,87 m; Wendekreis: 8,75 m
  • Leergewicht: 780 kg
  • Zuladung: 270 kg
  • Kofferraum: 220 – 340 l
  • Tankinhalt: 33 l
  • Reifen:155/60 R 15 (vorn)
  • 175/55 R 15 (hinten)
  • Motor: Common-Rail-Diesel
  • drei Zylinder, 799 cm³
  • 54 PS bei 3800 U/min
  • 130 Nm bei 2100 – 2600 U/min
  • Heckantrieb
  • Automatisiertes 5-Gang-Getriebe
  • 135 km/h
  • 0 auf 100: 16,8 s
  • Verbrauch: 3,4 l / 100 km (Stadt)
  • 3,3 l / 100 km (außerhalb)
  • 3,3 l / 100 km (kombiniert)
  • entspricht 87 g CO2/km
  • ab 14.210 Euro
  • zum Vergleich: Smart Fortwo cdi "pure": ab 12.010 €
  • Smart Fortwo 1.0 (Benziner, 61 PS): ab 10.190 Euro

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