Das Steinbacher Wetter ist überall auf der Welt verfolgbar

Steinbach (Eichsfeld). Tobias Heunemann stapft durch den zentimeterhohen Schnee im Garten. So hat auch er sich den Frühlingsanfang nicht vorgestellt - mit Flocken, Eis und Minusgraden. "Dabei würde der Fakt, dass der Winter 2012/13 der dunkelste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist, schon vollkommen reichen", meint der Steinbacher und lenkt seine Schritte weiter zu seiner Wetterstation.

Der Hobbymeteorologe Tobias Heunemann hat den Schnee endgültig satt und hofft, dass der Frühling bald Einzug hält. Doch auch eine Wetterstation im Garten hilft da nicht weiter. Foto: Eckhard Jüngel

Der Hobbymeteorologe Tobias Heunemann hat den Schnee endgültig satt und hofft, dass der Frühling bald Einzug hält. Doch auch eine Wetterstation im Garten hilft da nicht weiter. Foto: Eckhard Jüngel

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Schon in der Jugend hat ihn das Wetter fasziniert. "Das ist immer interessant, und es gibt jede Menge Abwechslung", meint der heute 29-Jährige, der früher die Daten manuell erfasste und beispielsweise aus den Temperaturverläufen Diagramme erstellte. 2007 legte er sich dann eine automatische Wetterstation zu. Im Garten werden seitdem die Grade gemessen ebenso wie Luftfeuchte und -druck, die Niederschlagsmengen sowie die Windgeschwindigkeiten und -richtungen. Zudem gibt es einen kleinen Wetterserver, der Tag und Nacht die Daten empfängt und sammelt.

"Alle fünf Minuten werden einzelne rausgepickt und archiviert", erzählt der IT-Systemelektroniker, der seit 2011 eine eigene Internetseite zum Eichsfeldwetter hat. Und eine Webcam auf dem Dach des Hauses hat Tobias Heunemann auch. Installiert wurde sie im Mai 2012. So gibt es nicht nur Zahlen und Fakten, sondern auch alle zehn Minuten ein aktuelles Bild. Der Internetseitenbesucher kann also genau sehen, ob es in der Eichsfeldgemeinde gerade schneit oder die Sonne scheint. Wer einen ganzen Tagesverlauf verfolgen möchte, kann dies per Zeitraffer tun. "Jede Stunde wird außerdem eine Mail versandt, so dass der MDR die Daten in seinem Wetterbericht verarbeiten kann", berichtet der begeisterte Hobbymeteorologe und erinnert sich daran, dass das Extremste, was er bislang aufzeichnete ein Gewitter war, bei dem binnen einer Stunde über 50 Liter Regen pro Quadratmeter fielen.

Der junge Mann selbst liebt übrigens den Sonnenschein, einen strahlend blauen Himmel ohne Wolken und Temperaturen um die 20 Grad. Das verwundert auch nicht, denn eine weitere große Leidenschaft von ihm sind Oldtimer-Motorräder, und mit denen soll es bei gutem Wetter natürlich auf die Straße gehen. Doch jetzt ist Geduld gefragt, noch lässt der Frühling auf sich warten. In den nächsten zwei Wochen, meint Heunemann, sei der nicht in Sicht. Vermutlich bleibe es noch winterlich, und erst langsam werde es wärmer. Was die Zukunft angeht, hat der Steinbacher einige Pläne. Vorstellen kann er sich, seine Anlage weiter auszubauen, heute begnügt er sich noch mit der Grundausstattung. Denkbar wäre eine Erweiterung um Geräte zur Erfassung von Sonnendaten, dann könnte man zum Beispiel die Tagessonnenstunden oder die Helligkeit messen.

Das würde dem "Wetterfrosch" gefallen, der nicht nur einfach Werte zusammentragen will. Eine trockene Sache ist das Ganze aber trotzdem nicht. Denn ab und zu kommt Besuch, zum Beispiel Bauern. Die erkundigen sich nach den Niederschlägen. "In puncto Bauernregeln hat sich schließlich einiges aufgrund des Klimawandels verändert. Wetterextrema wie Unwetter, Schwankungen und Umschwünge nehmen zu. Das Wetter beschäftigt uns alle, es hat seine eigenen Regeln, und niemand kann es beeinflussen", sagt Tobias Heunemann, der selbst gern mal einen Tornado beobachten würde. "Oder besser doch nicht."

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