Thüringen erlebte rekordverdächtigen Wettercocktail

Erfurt. Hitzetage, extreme Unwetter und enorme Regenmengen bei mitunter nahezu tropischen Wetterverhältnissen - nicht nur Thüringen erlebte in den letzten Wochen einen rekordverdächtigen Wettercocktail.

04/08/2014-Hohenfelden: Eine Gewitterfront begleitet von Starkregen zog in der Nacht ueber Thueringen, wie hier von Hohenfelden aus zu beobachten. (Foto: Sascha Fromm / Thueringer Allgemeine)

04/08/2014-Hohenfelden: Eine Gewitterfront begleitet von Starkregen zog in der Nacht ueber Thueringen, wie hier von Hohenfelden aus zu beobachten. (Foto: Sascha Fromm / Thueringer Allgemeine)

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"Deutschlandweit übertraf der Juli sein Regensoll von 78 Litern pro Quadratmeter (l/m²) mit rund 128 l/m². Damit gehört er zu den zehn niederschlagreichsten Julimonaten seit 1881", sagt Uwe Kirsche, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in Frankfurt am Main.

Auch in Thüringen wurden an mehreren Wetterstationen neue Niederschlagsrekorde gemessen. Im Schnitt fielen 145 Liter pro Quadratmeter, das ist zweieinhalb Mal so viel wie üblich. Besonders nass war der 8. Juli mit verbreitet mehr als 50 Liter Wasser auf den Quadratmeter.

In der Landeshauptstadt Erfurt kam sogar die vierfache Menge des in dieser Jahreszeit normalerweise auftretenden Regens vom Himmel.

Starke Regenfälle hatten seit der Nacht zu Dienstag erneut Straßen in Thüringen überflutet. Vorübergehend nicht befahrbar war die Bundesstraße 19 bei Walldorf (Kreis Schmalkalden-Meiningen). Große Regenmengen bekamen auch Behringen in West- und Sonneberg in Südthüringen sowie Martinroda im Thüringer Wald ab.

ICE-Stecke bei Jena war nur einseitig befahrbar

Die ICE-Strecke Jena-Saalfeld-Bamberg war am Dienstag zeitweise nur einseitig befahrbar. Auf etwa 200 Meter Gleis in Richtung Süden sei es zu mehreren Erdrutschen gekommen, sagte ein Bahn-Sprecher. Es kam zu Verspätungen.

Ursache für die teilweise ex-tremen Wetterlagen seit der Siebenschläferzeit ist nach Angaben des Wetterdienstes ein ständiger Wechsel zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten. Auf das Hoch "Yoshiki" Anfang Juli folgte die Tiefs "Michaela" und "Nike". Während Hoch "Aymen" am Ende des zweiten Monatsdrittels eine kurze Hitzewelle brachte, sorgte Tief "Paula" gegen Monatsende für die ausgeprägte Gewitterlage.

"Letztlich waren diese Druckkonstellationen dafür verantwortlich, dass immer wieder warme bis heiße und zunehmend feuchte Luft aus südlichen Gefilden zu uns gelangte", erläutert DWD-Meteorologe Simon Trippler. Insgesamt war der Juli damit bei reichlich Sonnenschein deutlich zu warm und sehr regnerisch.

In dem Dorf Alterstedt im Kreis Unstrut-Hainich gingen gestern die Aufräumarbeiten weiter. Innerhalb von 15 Minuten prasselten dort am Sonntag 60 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Bis zu 1,50 Meter hoch stand das Wasser in Garagen, Kellern und Straßen.

Vom Westen nimmt die Gewitterneigung allmählich ab. Ab Mittwoch sei vorerst mit einer Wetterberuhigung zu rechnen, prophezeit der Wetterdienst.

Trotz heftiger Wolkenbrüche in den vergangenen Tagen ist die Situation an Thüringens Flüssen entspannt. An keinem der Pegel wird laut Hochwassernachrichtenzentrale derzeit eine Warnstufe erreicht.

Starkregen im Straßenverkehr

Auf einem in einer Bodensenke gelegenen Fahrbahnstück kann sich bei starkem Regen ein Wasserfilm von 1 cm Höhe bilden (das entspricht "nicht abgeflossenen" 10 Litern pro Quadratmeter).

Ein Pkw-Reifen der Größe 205/55 R16 mit 200 cm Umfang und einer Breite von 20,5 cm muss pro Umdrehung 4,1 Liter Wasser verdrängen, um Griffigkeit zu gewährleisten.

Fährt man mit 75 km/h (das sind 21 Meter pro Sekunde), macht der Reifen 10,5 Umdrehungen und verdrängt dabei 43 Liter, das ganze vierrädrige Fahrzeug also 172 Liter Wasser pro Sekunde, was der Füllmenge einer üblichen Badewanne entspricht.

Leitartikel: Das Wetter, wie es eben ist

Thüringen kämpft mit einem Wetterjahr der Extreme

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