Die meisten Sterne werden als Doppelsterne geboren

Sven Biereige
| Lesedauer: 2 Minuten
Alkor und Mizar, der Doppelstern im Sternbild „Großer Wagen“. Bereits durch ein Fernglas kann man links auf ungefähr gleicher Höhe von Mizar den Stern Sidus Ludoviciana erkennen.

Alkor und Mizar, der Doppelstern im Sternbild „Großer Wagen“. Bereits durch ein Fernglas kann man links auf ungefähr gleicher Höhe von Mizar den Stern Sidus Ludoviciana erkennen.

Foto: imago stock&people

Erfurt  Das Weltall steckt voller Überraschungen. Vieles, was Astrophysiker jahrhundertelang dachten zu wissen, kann heute dank moderner Teleskope, Sonden und Satelliten als nicht mehr gültig zu den Akten gelegt werden. Diesmal: Doppelsterne.

Schaut man durch ein Fernglas in den Nachthimmel, trifft der Blick durch das Okular früher oder später auf einen Doppelstern. Dann sieht man meistens einen Stern und ganz dicht daneben oder darunter bzw. darüber einen weiteren. Schaut man dann wieder normal in den Nachthimmel wird man meist an dieser Stelle nur einen Stern sehen.

Der Augenprüfer im Großen Wagen

Eine Ausnahme ist z.B. der sogenannte Augenprüfer im Sternbild Großer Wagen. Dieser befindet sich in der Deichsel vom „Griff“ des Wagens und besteht in Wirklichkeit aus den Sternen Mizar und (darüber) Alkor, der umgangssprachlich auch als Reiterlein bekannt ist. Menschen mit guten Augen sehen die beiden Sterne auch ohne jedes optische Hilfsgerät. Schaut man aber nun durch ein Teleskop mit einer Öffnung von 20 Zentimetern wird man feststellen, dass Mizar in Wirklichkeit selbst ein Doppelstern ist, der aus den Komponenten Mizar A und Mizar B besteht. Zwischen Mizar A + B und Alkor, werden Sie links von der gedachten Verbindungslinie einen weiteren Stern sehen: Sidus Ludoviciana. Allerdings hat dieser mit dem Sternsystem überhaupt nix zu tun, da er sich überhaupt nicht in der Nähe von Alkor und Mizar bewegt.

Optische, physische und geometrische Doppelsterne

Bei Doppelsternen unterscheiden Astronomen zwischen optischen, physischen und geometrischen Doppelsternen. Bei erstgenanntem Typ stehen die Sterne von der Erde aus betrachtet nah beieinander. In Wahrheit sind sie so weit voneinander entfernt, dass sie sich mit ihrer Gravität gegenseitig nicht beeinflussen. Zu den physischen Doppelsternen zählen diejenigen, die sich aufgrund ihrer Nähe zueinander nach den Kepler‘schen Gesetzen um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen. Beim letztgenannten Doppelsternentyp handelt es sich um Sterne, die sich lediglich in einem begrenzten Zeitraum einmal sehr nahe kommen und danach nie wieder.

Es gibt aber auch Mehrfachsternsysteme, die aus bis zu sechs Komponenten bestehen können. Generell gehen Wissenschaftler heutzutage davon aus, dass die meisten Sterne als Doppelsysteme „geboren“ werden.

Bekannte Doppelsterne

Zu den bekanntesten Doppelsternen gehören neben Alkor und Mizar im Sternbild Großer Wagen auch die Systeme

  • Albireo im Sternbild Schwan,
  • Kapella im Sternbild Fuhrmann,
  • Kastor im Sternbild Zwillinge,
  • Prokyon im Sternbild Kleiner Hund
  • oder Rigel im Sternbild Orion.

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