Herleshausen: Ausstellung erinnert an Schicksal der Spätheimkehrer

Herleshausen  Vor 60 Jahren sind am Bahnhof Herleshausen Tausende angekommen, die in sowjetischen Lagern Zwangsarbeit leisten mussten

Mit diesen Schildern haben Frauen ihre im Osten vermissten Väter, Männer, Söhne oder Brüder gesucht. Sie sind in der Ausstellung zu sehen. Foto: Birgit Schellbach

Mit diesen Schildern haben Frauen ihre im Osten vermissten Väter, Männer, Söhne oder Brüder gesucht. Sie sind in der Ausstellung zu sehen. Foto: Birgit Schellbach

Foto: zgt

Ein kleiner, unscheinbarer Bahnhof hat zwischen Oktober 1955 und Januar 1956 für fast 8000 Spätheimkehrer das Tor zur Freiheit bedeutet. Erst mehr als zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges konnten sie in ihre Heimat zurückkehren.

Für die einen waren sie Kriegsverbrecher, die begnadigt worden sind, für die anderen Kriegsgefangene, die ohne ordentliche Verfahren in den sowjetischen Arbeitslagern inhaftiert waren.

„Viele von uns haben gedacht, wir kommen nie zurück“, schreibt beispielsweise Werner Minkenberg aus Bebra, der im Gulag Workuta ums Überleben kämpfte. Bis Bundeskanzler Konrad Adenauer die Entlassungen der Gefangenen während eines Staatsbesuchs in Moskau erwirkte.

Über die Hintergründe informiert eine Ausstellung, die am vergangenen Wochenende im Wartesaal des Herleshäuser Bahnhofs eröffnet worden ist. Berichte von Zeitzeugen wie Werner Minkenberg sind zu lesen. Auf Bildschirmen laufen Dokumentationen zum Thema. Einen besonderen Blickfang bilden großformatige Fotos. Sie zeigen die Ankunft ausgezehrter Soldaten in Güterwagen und auf dem Bahnsteig Wartende, die Bilder ihrer im Osten vermissten Angehörigen hochhalten.

Die Transporte führten durch die Sowjetunion, Polen und die DDR und sind dort streng geheim gehalten worden. So berichtet Lokführer Kurt Walter aus Gotha, der den ersten Zug mit Heimkehrern nach Herleshausen fuhr, dass er nach der Rückkehr ins heimische Bahnbetriebswerk alle mit der Fahrt zusammenhängenden Papiere wie Fahrplan, Bremszettel, Befehle zur „überwachten Vernichtung“ abgeben musste.

Zur Ankunft des ersten Zuges am 12. Oktober 1955 läuteten die Glocken der Kirche. Schwestern des Roten Kreuzes versorgten die Heimkehrer auf dem Bahnhofsvorplatz mit Tee und Brötchen. Die Ankommenden durch ein aus Holz gezimmertes Tor, das mit Rosen berankt war.

All die Details hat der Verein Grenzbahnhof für Zeitgeschichte Herleshausen recherchiert und für die Dauerausstellung zusammengetragen. Der Verein kümmert sich zudem um den Erhalt des historischen Bahnhofsgebäudes und will unter anderem ein Museumscafé eröffnen.

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