Leitartikel: Der Klimawandel ist schon da

Hanno Müller freut der überfällige Fall eines Schweige-Tabus

Dieser Sommer wird auch im Wortsinn als einer der Verheißung in Erinnerung bleiben. Heiß war er, sonnig und dauerschön – mit Südsee-Atmosphäre bis ins heimische Dorfschwimmbad.

Landauf, landab entschädigten Hitzerekorde für frühere frostige Zeiten. Dabei war doch schon 2014 ein globales Sonnenbad. Wie zuvor das WM-Sommermärchen 2006. Und der Hitze-Marathon von 2003...

Nach dem Sommer 2015 lässt es sich nicht mehr von der Hand weisen: Es wird immer öfter immer wärmer. So warm, dass auch Meteorologen, die sich lange Schweigen darüber auferlegten, nunmehr offen von der Klimaerwärmung sprechen.

Das muss Konsequenzen haben. Die Auswirkungen des Temperaturanstieges sind unübersehbar. Und da geht es nicht nur um abschmelzende Gletscher oder steigende Meeresspiegel, irgendwo ganz weit weg.

Folgen der Klimaerwärmung wie Trockenheit, Wasserknappheit, aufgeheizte Städte und immer heftigere Unwetter passieren nicht mehr nur in weiter Ferne. Sie betreffen Thüringer Bauern und Stadtbewohner.

Weniger Schnee im Winter bedeutet weniger Durchfeuchtung der Böden und einen niedrigeren Grundwasserspiegel ab dem Frühjahr. Wenn der Frühling jetzt vielerorts schon zwei oder drei Wochen früher beginnt, verkürzt dies die Ruhezeit für Vegetation und Tierwelt. Jeder gefällte Stadtbaum fehlt künftig als Schattenspender.

Ganz zu schweigen von Tier- und Pflanzenarten, die aussterben, und anderen, auch Schädlingen, die sich neu breitmachen. Landwirte, Städteplaner, Architekten – alle müssen sich auf den Klimawandel einstellen.

Der Wandel ist schon da. Jetzt muss man offen darüber reden.

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