Leitartikel: Wider dem Lkw-Wahnsinn

Hanno Müller über den Kampf zwischen Straße und Schiene.

Sehr vieles könnte nämlich besser und schneller mit der Bahn transportiert werden. Hochmoderne Trassen durchziehen Europa. Trotzdem geht es bei der Transportverlagerung von der Straße auf die Schiene einfach nicht voran. Im Gegenteil: In der zentralistisch wirtschaftenden DDR musste immerhin noch alles, was weiter als 50 Kilometer unterwegs war, in Waggons. Heute ist man von solchen Ansätzen weit entfernt. Es bleibt vor allem bei Lippenbekenntnissen.

Schaut man nämlich hinter all die Appelle, Förderrichtlinien und Absichtserklärungen, ist Deutschland auch beim Warentransport immer noch und vor allem ein Autoland. In Thüringen waren die neuen Autobahnen A 71 und A 73 um Jahre früher fertig als die teils parallel dazu verlaufende ICE-Trasse, an der immer noch gebaut wird. Die Lkw-Maut sank seit 2010 stetig um inzwischen 16 Prozent, die Schienenmaut dagegen stieg im gleichen Zeitraum um 18 Prozent.

Vieles spricht für die Bahn. Ob bei den Emissionen von Treibhausgasen oder Stickstoffoxiden oder bei der Energiebilanz – immer schneidet die Schiene bei den Wegeleistungen pro Tonne deutlich besser ab als der Diesel schluckende Brummi. Mit Appellen allein ist es nicht getan. Die Schiene braucht endlich eine echte und konsequente politische Lobby.

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