Topf & Söhne und wir

Hanno Müller zur Eröffnung des Erinnerungsortes in Erfurt.

Thüringen war nationalsozialistisches Täterland. Wer könnte es bestreiten. Hier stellten die Nazis 1930 ihren ersten Minister. Die Hinterlassenschaften mehrerer Konzentrationslager erinnern an Leid und Sterben Zehntausender. In den Gedenkstätten werden auch die Henker genannt. Gewalt und Mord bekommen so Namen und Gesicht. Der Holocaust war kein unausweichliches Schicksal, es waren Menschen, die andere quälten, erschlugen, vergasten.

Sie wussten, was sie taten.

Mit dem Erinnerungsort und der Dauerausstellung über die Ofenbauer von Topf & Söhne in Erfurt bekommt die Beschäftigung mit Schuld und Verstrickung eine neue Dimension. Nicht die da oben allein haben das Töten zu verantworten. Der Massenmord war das Werk vieler. Die Hitlers, Goebbels’ und Görings hatten willfährige Mittäter. Unternehmer, Konstrukteure, Sekretärinnen, die Kar- riere, Gewinnstreben, technischen Ehrgeiz oder Loyalität über Pietät und Ethik stellten.

Menschen wie du und ich sagten immer noch Ja, als ein Nein moralisch und menschlich längst alternativlos war. Das ist die Mahnung des in seiner Art einmaligen Museums am einstigen Topf-Firmensitz. Seine Botschaft reicht damit weit über die Betriebsgeschichte hinaus ins Heute.

Möglich machten die Ausstellung auch die Beharrlichkeit und gelegentlich unbotmäßige Initiative von Bürgern, die sich nicht mit Ausflüchten abspeisen ließen. Ein guter Anfang für eine Begegnungsstätte, die Menschen ein- lädt, die Grenzen der eigenen Loyalität, Gehorsamkeit und Anpassung zu hinterfragen. Wie weit gehe ich mit, muss ich jeden Befehl ausführen, hat der Chef immer recht?

Ein Erinnerungsort als Lernort für mündige, couragierte Bürger - so lernt man am besten aus der Vergangenheit.

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