Moskau. Der Angriff auf Moskau macht die Bewohner nervös. Während der Kreml beschwichtigt, warnt ein Duma-Vertreter vor der „neuen Realität“.

Die Bilder frühmorgens auf Telegram-Kanälen und anderen Online-Medien schreckten viele Moskauer auf. Anfliegende Drohnen in der Moskauer Region, Explosionen von Luftabwehrgeschossen, Rauchwolken am Himmel. Die Hintergründe dieser Drohnenangriffe sind bislang unklar.

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, es habe sich um einen "terroristischen Angriff" auf Moskau gehandelt. "Heute früh, in der Morgendämmerung, hat ein Drohnenangriff geringe Schäden an mehreren Gebäuden verursacht", erklärte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin. "Bisher ist niemand ernsthaft verletzt worden."

Sobjanin zufolge wurden Bewohner zweier beschädigter Wohngebäude in Moskau vorübergehend evakuiert. In sozialen Medien war von 25 bis 32 Drohnen die Rede, dafür gibt es bislang aber keine Bestätigung. "Acht Drohnen wurden bei dem Angriff genutzt", erklärte das russische Verteidigungsministerium. "Alle Drohnen des Feindes wurden abgeschossen“ – drei durch elektronische Störmaßnahmen und fünf durch das Luftverteidigungssystem Pantsir-S, das in der Region rund um Moskau stationiert ist.

Fragmente der mutmaßlichen Drohne, die im Südwesten Moskaus eingeschlagen ist.
Fragmente der mutmaßlichen Drohne, die im Südwesten Moskaus eingeschlagen ist. © Itar-Tass/Imago

Moskau: Das ist über die Schäden bekannt

Der Gouverneur der Region Moskau, Andrej Worobjow, ergänzte: "Heute früh konnten Bewohner einiger Bezirke der Region Moskau das Geräusch von Explosionen hören, es war unser Luftverteidigungssystem". Die Menschen sollten einen "kühlen Kopf zu bewahren". Im Lauf des Tages wurden dann Details bekannt. Mehrere Häuser seien durch herabfallende Drohnenteile beschädigt worden.

Nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS haben Ermittler auch Überreste der Drohnen gefunden. Bürgermeister Sobjanin erklärte, es seien bei den Angriffen zwei Personen leicht verletzt worden, zudem gebe es "geringe Schäden an mehreren Gebäuden". Zwei Wohnblöcke seien zum Teil evakuiert worden.

Das Wohnhaus, das Berichten zufolge durch eine ukrainische Drohne beschädigt wurde.
Das Wohnhaus, das Berichten zufolge durch eine ukrainische Drohne beschädigt wurde. © KIRILL KUDRYAVTSEV/AFP

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Russland macht Ukraine für den Angriff verantwortlich

Doch wer steckt hinter dem Angriff? Moskau macht die Ukraine dafür verantwortlich. Die ukrainische Regierung wies die Vorwürfe jedoch zurück. Selbstverständlich freue er sich über die Angriffe, sagte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak. "Aber natürlich haben wir damit nichts direkt zu tun."

Alexander Chinstein, Duma-Abgeordneter der Kremlpartei Geeintes Russland, sprach hingegen von „einer neuen Realität, die begriffen werden muss. Zweifellos werden die Sabotage- und Terroranschläge der Ukraine nur noch zunehmen. Und es ist notwendig, die Verteidigungs- und Sicherheitsmaßnahmen radikal zu verstärken, insbesondere im Hinblick auf die Abwehr von Drohnen – einschließlich, endlich die notwendigen Gesetze verabschieden.“

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Der jüngste Drohnenangriff ist nicht die erste derartige Attacke. Ungeklärt sind bislang auch die Hintergründe des vereitelten Drohnenangriffs Anfang Mai auf den Senatspalast im Kreml. Moskau beschuldigte die Ukraine, Kiew wies dies zurück. Doch laut einem Bericht der "New York Times" gehen die US-Geheimdienste inzwischen davon aus, dass die Ukraine tatsächlich für den Angriff verantwortlich ist.

Ukraine-Krieg: Attacken auf russische Regionen häufen sich

Russland führt seit mehr als 15 Monaten einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine. In den vergangenen Wochen häuften sich auch in russischen Regionen Beschuss und Drohnenattacken.

Der wohl spektakulärste Vorfall ereignete sich Anfang Mai, als unmittelbar über dem Kreml zwei Flugobjekte abgeschossen wurden. Moskau machte für den angeblichen Anschlagsversuch auf Präsident Wladimir Putin die Führung in Kiew verantwortlich und sprach auch damals von „Terror“.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Ukraine hingegen stritt eine Beteiligung ab. Viele internationale Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass die Kreml-Attacke von Moskau selbst inszeniert gewesen sein könnte, um die brutalen Angriffe auf das Nachbarland zu rechtfertigen. (mit mja und dpa)

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt