Orkan wütet in der Wartburg-Region

Eisenach/Wartburgregion  Schweres Unglück ereignet sich bei Bad Salzungen. Vielerorts abgedeckte Dächer und gestoppter ICE bei Gerstungen

Dieser Baum ist in der Barfüßerstraße in Eisenach umgestürzt und hat einen nagelneuen BMW unter sich begraben. Verletzt wurde zum Glück niemand. Bei Bad Salzungen ist aber leider ein Feuerwehrmann bei dem Versuch, einer Frau zu helfen, ums Leben gekommen.

Dieser Baum ist in der Barfüßerstraße in Eisenach umgestürzt und hat einen nagelneuen BMW unter sich begraben. Verletzt wurde zum Glück niemand. Bei Bad Salzungen ist aber leider ein Feuerwehrmann bei dem Versuch, einer Frau zu helfen, ums Leben gekommen.

Foto: Norman Meißner

Entwurzelte Bäume, abgedeckte Dächer, Stromausfälle, gesperrte Straßen: Wegen Sturmtief „Friederike“ waren Feuerwehren in der Region gestern bis zum Abend im Dauereinsatz.

Ein Feuerwehrmann ist dabei leider ums Leben gekommen. Er wollte einer Frau helfen, deren Wagen in einem Wald an der Landesstraße zwischen Bad Salzungen und Gräfen-Nitzendorf von umgestürzten Bäumen eingeschlossen war. Ein weiterer Baum erschlug den 28-Jährigen. Ein 57-jähriger Helfer wurde schwer verletzt. Bei der Bergung des Toten ist laut Landratsamt schwere Technik der Bundeswehr eingesetzt worden.

250 Personen aus einem ICE evakuiert

Landrat Reinhard Krebs (CDU) und Bad Salzungens Bürgermeister Klaus Bohl (Freie Wähler) suchten sofort die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Bad Salzungen auf. „Der Wartburgkreis trauert! Meine Anteilnahme liegt bei den Angehörigen und den Kameraden. Wir werden alles tun, um die Angehörigen zu unterstützen“, sagte Krebs. Er dankte den Feuerwehrleuten, die trotz der Gefahren bei über 160 Einsätzen im Kreisgebiet geholfen haben. Bis 18.10 Uhr gingen in der gleichen Zeit 790 telefonische Hilfeersuchen in der Zentralen Leitstelle von Stadt und Kreis ein, meldete am Abend die Sprecherin des Landrats, Sandra Blume. Wegen des Todesfalls soll nach Informationen der Zeitung der Neujahrsempfang der Stadt Bad Salzungen abgesagt worden sein.

Vormittags war noch alles ruhig gewesen. Zuerst meldete das Jobcenter, dass es eher schließen wird. Dann schloss die Wartburg-Stiftung ab 12 Uhr vorsorglich die Burgtore für Besucher. In einem Großteil der Schulen lief der Unterricht normal bis Mittag.

„Wir lassen heute aber niemand allein nach Hause. Die Kinder werden so lange im Hort betreut, bis sie von ihren Eltern abgeholt werden“, hieß es aus der Grundschule Gerstungen. An der Regelschule Berka/Werra sind alle Schulbusse pünktlich 13 Uhr abgefahren. Spätere Arbeitsgemeinschaften aber hat man lieber ausfallen lassen. Kurz danach hatte es das Dach der Sporthalle von Berka/Werra abgedeckt, ebenso wie die Dächer der Sporthallen in Behringen und Vacha. Gegen 14.30 Uhr erreichte „Friederike“ Eisenach. Entwurzelte Bäume wurden aus dem Südviertel gemeldet: Wartburgallee, Barfüßerstraße, Domstraße und Beethovenstraße, aber ebenso aus der Breitscheidstraße und der Stedtfelder Straße. In der Stedtfelder Straße hat es das Dach eines Wohnblocks abgedeckt.

Die Drehleiter der Berufsfeuerwehr war dort im Einsatz, auch an Häusern in der Georgenstraße und am Rot-Kreuz-Weg, wo lose Ziegeln zu befestigen waren. In der Kasseler Straße rissen die Böen Ampeln ab.

40 Einsätze vermeldete die Stadtverwaltung allein am späten Nachmittag. Der Friedhof wurde gesperrt. Das Lutherhaus schloss frühzeitiger, ebenso Stadtschloss und Bibliothek.

Mindestens eine Firma – und zwar in Marksuhl – beendete vorzeitig den Arbeitstag. Berufspendler mussten Umwege fahren. Wegen umgestürzter Bäume waren die Bundesstraßen zwischen Wilhelmsthal und Hoher Sonne und zwischen Vachaer Stein und Förtha gesperrt, ebenso die Kreisstraße an der Gollert bei Ruhla.

Stromausfälle wurden unter anderem aus Treffurt, Falken und Marksuhl gemeldet.

Am Abend stoppte die Bahn vorsorglich auf den Gleisen bei Gerstungen einen ICE. Die etwa 250 Fahrgäste wurden evakuiert. Ein Teil wurde in der Turnhalle in Gerstungen betreut, andere suchten sich private Quartiere für die Nacht.

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