Erfurt. Fabian Gerber, Trainer des FC Rot-Weiß Erfurt, spricht im Sporttalk über die sportliche Krise, Schiedsrichterschelte und Fankritik.

Fabian Gerber erlebt beim FC Rot-Weiß gerade die schwierigste Phase seit seinem Amtsantritt im August 2021. Der Trainer der Erfurter Regionalliga-Mannschaft spricht im Sporttalk mit Marco Alles über die Gründe für die sportliche Krise, Fankritik, Schiedsrichterschelte, aber auch über seinen Vater Franz, der am Montag 70 wurde, und ob er sich nach dem Ende seiner aktiven Karriere selbst fit hält.

Geburtstagsüberraschung für Vater Franz zum 70.

Die Stadt hat mich freundlicherweise angesprochen, sie wolle ihn ehren und ob wir ihn überraschen wollen. Er sollte nichts mitbekommen. Wir haben ihn zum Fischmarkt gelockt und gesagt, dass wir dort essen gehen. So bekamen wir ihn vors Rathaus. Ich habe ihm gesagt, dass der Oberbürgermeister ihn auf einen kurzen Drink ins Rathaus bittet. Dass dann der ganze Festsaal voller Gäste war, damit hat er nicht gerechnet.

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Wünsche an seinen Vater

Mein größter Wunsch ist für ihn vor allem Gesundheit. Mit 70 tut er sich diesen ganzen Stress an. Da sind andere schon lange in Rente. Aber er ist fußballverrückt. Rot-Weiß Erfurt ist sein Projekt, für das er täglich brennt. Da habe ich als Sohn manchmal Angst, dass er sich übernimmt, und ich versuche ihn zu bremsen. Aber das ist schwer. Ich wünsche mir noch ein paar tolle Jahre voller Gesundheit mit ihm in Erfurt.

Magere Punktebilanz

Niederlagen schmerzen immer. Die Probleme verfolgen uns schon die gesamte Saison. Natürlich spielt auch der Kopf eine Rolle, das Selbstvertrauen fehlt. Momentan läuft vieles gegen uns. Aber wir werden da rauskommen und mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Wir brauchen wieder die Leichtigkeit. Mir ist nicht angst und bange, dass wir da nicht rauskommen. Ich glaube, dass wir letztlich eine für Erfurter Verhältnisse gute Saison spielen werden.

Trainer Fabian Gerber glaubt an das Ende der sportlichen Krise beim FC Rot-Weiß Erfurt.
Trainer Fabian Gerber glaubt an das Ende der sportlichen Krise beim FC Rot-Weiß Erfurt. © FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Kritik der Fans

Das ist normal und legitim. Das sage ich auch den Jungs. Mich persönlich stört es nicht. Ich habe im Fußball schon andere Dinge erlebt. Wir wurden zwei Jahre durch die Stadt getragen, man hat uns auf die Schultern geklopft. Ich habe immer davor gewarnt, dass es auch mal eine Phase gibt, wo es nicht so läuft. Klar haben viele nach der vergangenen Saison davon geträumt, dass es sehr schnell wieder nach oben geht. Aber wir müssen erst die Basis schaffen.

Ärger nach Schiedsrichter-Schelte

Ich habe eine Stellungnahme abgegeben zu meinen Äußerungen über die Rote Karte gegen Til Schwarz beim Pokal-Aus in Meuselwitz, weil der Thüringer Fußball-Verband gegen mich ermittelt. Es ging in dem Spiel für uns um sehr viel, wir sind unglücklich ausgeschieden. Emotionen gehören dazu. Ich war enttäuscht. Wenn ich dasitzen würde und mir wäre alles egal, wäre ich fehl am Platze. Wenn ich jemandem zu nah getreten bin, dann tut es mir leid. Dann möchte ich mich dafür entschuldigen. Aber ich stehe dazu, es war keine Rote Karte.

Falsche Kaderzusammensetzung?

Ich würde die Zusammensetzung des Kaders im vergangenen Sommer nicht als Fehler bezeichnen. Klar haben wir uns von einigen Spielern mehr erhofft und hinterfragen täglich, warum ein Spieler nicht in Bestform ist. Es wäre zu einfach, nun die Schuld ein oder zwei Spielern zu geben. Wenn wir als Mannschaft nicht gut sind, sehen einzelne Spieler auch nicht gut aus.

Gründe für die Krise

Wir sind ja schon mit verletzten Spielern in die Saison gestartet. Samuel Biek hat gefehlt, Ben-Luca Moritz fällt lange aus. Dazu kommen Robbie Felßberg und Robin Fabinski,Daniel Muteba ist länger ausgefallen, Romarjo Hajrulla auch. Dazu die Roten Karten. Das ist schon alles verrückt, denn wir hatten nie die Chance, uns wirklich einzuspielen oder Dinge einzustudieren und Selbstvertrauen zu tanken, weil immer jemand weggebrochen ist. Wir haben ja in der Winterpause die Möglichkeit zum Nachjustieren und werden das auch tun. Zudem können wir einige verletzte Spieler integrieren.

Schwierige Trainingsbedingungen

Aktuell sind wegen des Schnees die Plätze gesperrt. Deswegen müssen wir improvisieren. Da gibt es leider in Erfurt wenig Möglichkeiten. Am Dienstag haben wir zwei Einheiten absolviert. Eine im Fitnessstudio In-Joy, dann waren wir in der Leichtathletik-Halle, um bei ein paar Läufen fit zu bleiben. Am Mittwoch hat Snoopy (Mannschaftsleiter Jens Feuerstein/d.R.) dankenswerter Weise auf dem Kunstrasenplatz in Gispersleben eine Ecke vom Schnee beräumt, damit wir ein paar Übungen mit dem Ball machen können.

Strukturen in Erfurt

Es gibt viele Baustellen. Das ist aber normal nach einer Insolvenz, die fünfeinhalb Jahre gedauert hat. In dieser Zeit ist viel kaputt gegangen. Als ich hier angefangen habe, gab es keinen Torwarttrainer, keinen Teammanager, kein Scouting, auf der Geschäftsstelle war niemand da. Das hat sich alles entwickelt. Trotzdem fehlt es noch an geeigneten Trainingsplätzen im Winter, wir hausen in Containern, können uns das Scouting-Portal finanziell nicht leisten, haben keinen Athletiktrainer. Andere Verein fliegen im Winter in die Türkei zum Training. Das können wir nicht. Wir sind noch ein Stück von dieser Professionalität entfernt. Aber die brauchen wir, um langfristig Erfolg zu haben und in die 3. Liga aufzusteigen.

Gerbers Fitnessprogramm

Ich glaube man sieht, ein paar Kilos sind schon dazugekommen. Ich bin ehrlich gesagt, ein Schönwetterläufer. Der Traditionsmannschaft des FC Rot-Weiß kann ich leider nicht helfen. Ich hatte eine Bandscheiben-Operation am Ende meiner Karriere. Deshalb habe ich aufgehört. Das ist jetzt zehn Jahre her. Ich bin nicht fitter geworden, und muss deshalb sehr aufpassen. Mein Rücken lässt Fußballspielen nicht mehr zu.

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